VonLars Pollmannschließen
Der BVB-Kader im Check – Wer überzeugt, wer enttäuscht und welche Weichen für die Zukunft der Schwarzgelben gestellt werden. Teil eins: Die Torhüter
Dortmund – Mit einem Finale Furioso ist Borussia Dortmund in der Bundesliga doch noch auf einem Champions-League-Platz gelandet. Die FIFA Klub-WM im Sommer kann der BVB nun unbeschwert angehen.
Vor dem Trainingsauftakt Anfang Juni bleibt die Zeit für den Blick zurück, aber auch nach vorn. Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, betrachtet in einer Serie über die kommenden Tage die vier Mannschaftsteile, verteilt ein Zeugnis und gibt einen Ausblick auf mögliche Veränderungen in der Kaderplanung.
Den Auftakt machen die Torhüter des BVB.
Gregor Kobel profitierte vom Trainerwechsel beim BVB
Am Status von Gregor Kobel als Stammtorwart des BVB war in der Saison 2024/25 selbstredend nicht zu rütteln. Der Schweizer, der nach dem Rücktritt von Yann Sommer auch in der Nationalmannschaft zur Nummer eins aufgestiegen ist, verpasste nach einigen Verletzungsproblemen in den Vorjahren heuer nur drei Pflichtspiele von Dortmund.
An die herausragenden Leistungen gerade in der Champions League aus der Spielzeit 2023/24 konnte Kobel allerdings nur phasenweise anknüpfen. Der 27-Jährige fremdelte in den Monaten unter Trainer Nuri Şahin mit den Anforderungen, sich stärker am Aufbauspiel des BVB zu beteiligen, und leistete sich einige Fehler, die einem Mangel an Konzentration zuzuordnen waren.
Der Trainerwechsel zu Niko Kovač hat Kobel wieder deutlich nach vorn gebracht. Er durfte sich aufs Wesentliche konzentrieren, auch mal einen Ball ins Aus wuchten, wenn das die einfachste Lösung war. Der Keeper dankte es mit starken Leistungen, beim 2:2 gegen den FC Bayern und beim BVB-Sieg in Leverkusen, ohne die Schwarzgelb die Champions League verpasst hätte.
Das Zeugnis für Gregor Kobel in einem Satz: Nach für seine Verhältnisse schwachem Start hat sich Kobel rechtzeitig auf hohem Niveau stabilisiert. Note: 3,0
Alexander Meyer bleibt die zuverlässige Nummer zwei des BVB
In Alexander Meyer hat der BVB nach eigener Ansicht eine der, wenn nicht die beste Nummer zwei in der Bundesliga. In dieser Saison war der 34-Jährige allerdings nur viermal gefragt, weil Kobel weitgehend sorgenfrei durch die Spielzeit kam. Meyer machte seine Sache in diesen Spielen gewohnt unaufgeregt.
Gegenüber Kobel fühlt sich der Routinier mit dem Ball am Fuß wohler, dafür geht ihm dessen Qualität auf der Linie ein Stück weit ab. Wichtig für einen Ersatzkeeper ist freilich immer auch die menschliche Komponente: Meyer punktet als ruhiger Vertreter, der mit allen Teamkollegen klarkommt und nie murrt, wenn er Monate am Stück auf der Bank sitzt.
Das Zeugnis für Alexander Meyer in einem Satz: Meyer erlebte eine typische Saison als Nummer zwei und stand seinen Mann, wenn er gebraucht wurde. Note: 3,5
Marcel Lotka konnte BVB-Abstieg nicht verhindern
Marcel Lotka hat auch ein drittes Jahr beim BVB ohne Profispiel hinter sich gebracht. Der frühere polnische U21-Nationalspieler pendelte zwischen dem Tor der zweiten Mannschaft in der 3. Liga und der Ersatzbank der Bundesliga-Truppe.
Für die 3. Liga ist Lotka eigentlich erkennbar zu gut, wobei sich in diese Saison auch der ein oder andere Lapsus mischte. Das blieb nicht folgenlos: Den Abstieg der Zweitvertretung des BVB in die Regionalliga konnte Lotka nicht verhindern..
Das Zeugnis für Marcel Lotka in einem Satz: Als dritter Torwart hatte es Lotka schwer, immerhin wird ihm ein hohes Trainingsniveau bescheinigt. Note: keine
Welche Kaderfragen muss der BVB bei den Torhütern beantworten?
Alles steht und fällt mit der Personalie Kobel: Dass der Schweizer in England genau beobachtet wird, berichtete Absolut Fussball bereits im Februar. Durch die geglückte Qualifikation für die Champions League besteht aber kein Verkaufsdruck. Wenn Kobel gehen sollte, dann zu Konditionen, die Schwarzgelb diktiert. Dass er überhaupt gehen will, scheint aber fraglich.
Ausgeschlossen ist das Szenario nicht: 60 bis 70 Millionen Euro für einen Torhüter lassen sich schwer ablehnen. Kobel könnte zum zweitteuersten Schlussmann der Fußballgeschichte werden. Das würde dem BVB große Spielräume ermöglichen. Natürlich wäre aber auch die Lücke groß, die Kobel hinterließe.
Ob Diant Ramaj sie sofort füllen könnte, wäre die große Frage. Die Verpflichtung des früheren Eintracht-Talents von Ajax im Winter nahm der BVB mit Weitsicht vor. Den 23-Jährigen hat Dortmund beim FC Kopenhagen geparkt, da fiel er mit guten Leistungen, aber auch einem Ausraster inklusive wochenlanger Sperre und polizeilichen Ermittlungen auf.
Diant Ramaj könnte vom BVB erneut verliehen werden
Dem Vernehmen nach will der BVB Ramaj im Sommer mit zur Klub-WM nehmen, anschließend kommt beim gebürtigen Stuttgarter viel auf Kobel an: Bleibt der Schweizer, sucht Dortmund wohl eine weitere Leihstation für Ramaj. Im Idealfall spielt er die ganze kommende Saison im Europapokal, um 2026 noch gestandener zurückzukehren. Geht Kobel schon diesen Sommer, könnte Ramaj die Chance erhalten, sich für den Stammplatz zu empfehlen.
Meyer indes steht bis 2026 unter Vertrag und wird, sofern er nicht plötzlich die große Lust verspürt, nochmal irgendwo als Nummer eins zu gelten, weiter als solider Backup zur Verfügung stehen. Spätestens mit dem Abstieg der zweiten Mannschaft hat sich eine Zukunft von Lotka in Dortmund wohl erledigt.
Dem früheren Bundesliga-Profi von Hertha BSC liegen Anfragen aus mehreren ersten Ligen vor, es wäre keine Überraschung, wenn er in der kommenden Saison im nahen europäischen Ausland Stammkeeper würde. Neue Nummer drei beim BVB dürfte dann Silas Ostrzinski werden. Das Eigengewächs stand bereits viermal im Champions-League-Kader, wartet aber noch auf ein Profidebüt.
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