Omar Marmoush: Plötzlich Torjäger

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Auch von zwei Bayern nicht zu stoppen: Omar Marmoush. Foto: AFP
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Omar Marmoush überrascht bei Eintracht Frankfurt, weil er die Vakanz im Angriff erfolgreich gefüllt hat

Wer immer schon mal einen überglücklichen jungen Mann sehen wollte, musste sich am Wochenende in den Frankfurter Katakomben des Waldstadions ans Flatterband stellen. Hinter der Bande, die Journalisten vor Menschen in Fußballschuhen trennt, stand Omar Khaled Mohamed Abd Elsala Marmoush. Er trug kurze Hosen und ein seliges Lächeln im Gesicht, das breiter, strahlender, vergnüglicher nicht hätte sein können. Und das will bei einer stetig guten Laune bereitenden Frohnatur wie Marmoush schon was heißen. Er hat ja immer ein ansteckendes Lächeln im Gesicht.

Dem Jungen sprudelten nach dem wundersamen 5:1-Spektakel gegen die Bayern die Worte nur so aus dem Munde. Dass der Ägypter, vor 24 Jahren in Kairo geboren, ein erstaunlich gutes Deutsch beherrscht, gehört genauso zu seinen Stärken wie die Torgefahr, die er regelmäßig zu verbreiten versteht. „Es ist einfach geil, mit der Mannschaft so einen Sieg gegen die beste Mannschaft der Liga zu feiern. Unglaublich.“ Und Marmoush hatte wesentlichen Anteil an diesem „überragenden Spiel“, er erzielte die frühe Führung, legte zudem zwei weitere Treffer auf, drei Scorerpunkte gegen Bayern München schaffen auch nicht viele Spieler.

Omar Marmoush zählt ohne jeden Zweifel zu den Frankfurter Senkrechtstartern, vor allem auch deswegen, weil im Sommer, als der Stürmer ablösefrei vom VfL Wolfsburg kam (Vertrag bis 2027), kein Mensch mit einer solchen Leistungsexplosion gerechnet hatte. Als Ersatz für den zum SSC Neapel abgewanderten Jesper Lindström - der dort übrigens so gut wie gar nicht zum Einsatz kommt - für die Halbposition geholt, hat sich Marmoush binnen kurzem nahezu unverzichtbar gemacht. Das lag daran, dass Topstürmer Randal Kolo Muani auf den letzten Drücker nach Paris abgegeben und kein Ersatz geholt worden war. Also musste Marmoush einspringen, damals eine Notlösung.

Von der Notlösung zum Glücksfall

Und die entpuppte sich zu einem überraschenden Glücksfall. Denn was niemand erwarten konnte: Der 24-Jährige, der zudem einen kanadischen Pass besitzt, weil die Eltern sechs Jahre in Kanada lebten, schlug ein, und wie. Im ersten Saisonspiel, gegen Darmstadt 98, musste er 84 Minuten auf der Bank sitzen, dann kam er rein. Im zweiten Spiel schon, gegen Mainz 05, erzielte er in der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleichstreffer - und schoss sich damit in die Herzen der Fans.

Seitdem spielt Marmoush immer, stets in der Startformation, vermutlich auch am Donnerstag in Schottland, beim bedeutungslos gewordenen Conference League-Spiel gegen den FC Aberdeen (18.45 Uhr/live RTL+). Trainer Dino Toppmöller wird sicher nicht die erste Elf nominieren, Eintracht Frankfurt wird den zweiten Gruppenplatz nicht verlieren, deshalb dürfte der Coach ordentlich rotieren. Marmoush wird vermutlich deshalb spielen, weil er für die Partie bei Bayer Leverkusen am Sonntag (17.30 Uhr) wegen seiner fünften Gelben Karte ohnehin gesperrt ist.

Pause gegen Leverkusen

Gegen die Bayern leistete er sich ein überflüssiges Foul an der Mittellinie, er habe da „den Kopf ein bisschen verloren“, sagte er. Gegen Mönchengladbach zum Jahreshalali am Mittwoch (20.30 Uhr) im Stadtwald ist er wieder dabei, da ist er deutlich wichtiger als in Leverkusen, wo traditionell und aktuell sowieso die Trauben extrem hoch hängen.

Trainer Toppmöller, der Frankfurter Kümmerer, hat dieser Tage die Entwicklung von Marmoush als „sensationell“ bezeichnet. Er spielt in Frankfurt seine mit Abstand bester Runde, weder in Wolfsburg noch auf St.Pauli oder beim VfB Stuttgart, wohin er jeweils ausgeliehen war, hat er nur annähernd derart performt. Coach und Sportvorstand Markus Krösche loben unisono Fleiß und Willen des Ägypters. Er sei „extrem fleißig, hört zu, hat Bock und hängt sich rein“, sagt Toppmöller. Vor allem lernt Marmoush schnell, nicht nur die Sprache, er ist erst sechs Jahre in Deutschland, aber vor allem auf dem Platz. Seine Laufwege in den Strafraum hätten sich merklich verbessert, seine Tiefenläufe seien enorm wichtig für die Hessen. Dazu besitzt er die Fähigkeit, mit dem Rücken zum gegnerischen Tor viele, auch schwierige Bälle festzumachen. Dank seines Tempos und seiner Raffinesse ist er flugs am Gegenspieler vorbei. Vor allem: „Omar hat das Toreschießen entdeckt“, lobt Toppmöller. „Er ist schwer zu verteidigen.“

24 Spiele - zwölf Tore

Tatsächlich hat der Angreifer in 24 Pflichtspielen bereits 14 Tore erzielt, in allen drei Wettbewerben war er erfolgreich, und schon jetzt hat er in dieser noch nicht beendeten Halbserie mehr Treffer markiert als in seiner Profikarriere in einer ganzen Saison. Hinzu kommt Entscheidendes: Zehn seiner zwölf Tore waren die ersten Tore der Eintracht, gegen Hoffenheim, Union Berlin, Dortmund, Bayern erzielte er jeweils die Führung, gegen Mainz, Aberdeen und Paok Saloniki war er es, der den einzigen Frankfurter Treffer schaffte. Und mit dieser Ausbeute will er sich keinesfalls zufrieden geben: „Ich habe höhere Ziele, will noch öfter treffen“, sagte er.

Krösche glaubt gar, dass Marmoush, der sich selbst als „Straßenjunge“ bezeichnet, noch gefährlicher werden kann. Er sei „ein sehr mannschaftsdienlicher Spieler. Mit etwas mehr Egoismus könnte er noch öfter den Abschluss suchen.“

Im neuen Jahr wird die Eintracht womöglich für die ersten vier, fünf Spiele auf Marmoush (sowie auf Fares Chaibi und Ellyes Skhiri) verzichten müssen, der Afrika-Cup findet vom 13. Januar bis 11. Februar an der Elfenbeinküste statt. Ägypten, für die er bislang 24 Auswahlspiele bestritten, hat einiges vor. Beim letzten Mal 2022 mussten sich die Nordafrikaner im Finale dem Senegal geschlagen geben - nach Elfmeterschießen. Das wollen sie dieses Mal besser machen. Elfmeter kann Omar Marmoush übrigens auch prima schießen.

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