Von Christoph Klaucke
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Eine Favoritin stürzt kurz vor Olympia schwer. Die Ski-Weltmeisterin weint nach dem Unfall. Konkurrentinnen wie Emma Aicher zeigen sich schockiert.
Tarvisio – Dramatische Szenen beim Super-G im italienischen Tarvisio: Olympia -Favoritin Alice Robinson erlebte knapp drei Wochen vor den Winterspielen einen schweren Sturz, der die gesamte Ski-Szene erschütterte. Die 24-jährige Neuseeländerin, die vor dem Rennen als Führende der Super-G-Weltcupwertung zu den größten Medaillenhoffnungen zählt, verlor kurz vor dem Ziel die Kontrolle über ihre Skier und stürzte spektakulär.
Beim Super-G in Tarvisio der Damen sorgte ein schwerer Sturz für Schock und Tränen im Zielraum.
© Marco Trovati/dpa/Screenshot/ZDF
Robinson war beim Zielsprung zu weit nach außen geraten und versuchte verzweifelt, das letzte Tor noch zu passieren. Dabei verlor sie das Gleichgewicht, stürzte schwer und rutschte kopfüber ins Ziel. Einen Ski verlor die Riesenslalom-Weltmeisterin von 2019 bei dem Unfall, konnte aber selbstständig aufstehen. Die Bilder aus dem Zielbereich gingen dann unter die Haut.
Ski alpin in Tarvisio: Emotionale Reaktionen von Aicher und Goggia nach Robinson-Sturz Robinson saß minutenlang weinend im Schnee, während Betreuer und Sanitäter sie umringten. Die sichtlich mitgenommene Athletin hielt sich dabei die Hand und über ihr Gesicht kullerten die Tränen, nachdem sie zunächst gefasst gewirkt hatte. Die Konkurrentinnen zeigten sich sichtlich schockiert über den Sturz der Topfavoritin.
Rennsiegerin Emma Aicher schlug geschockt die Hände vors Gesicht, als sie die Bilder des Sturzes sah. Auch die italienische Speed-Spezialistin Sofia Goggia eilte sofort in den Zielbereich, um nach der gestürzten Neuseeländerin zu schauen. Die Anteilnahme der gesamten Ski-Familie war spürbar. Robinson feierte in dieser Saison bereits einen Super-G-Sieg in St. Moritz sowie zwei Erfolge im Riesenslalom und gilt als eine der heißesten Anwärterinnen auf Olympia-Gold in Cortina d‘Ampezzo.
Vom Wunderkind zur Weltcup-Siegerin: Wie Emma Aicher zum nächsten deutschen Ski-Star wurde Emma Aicher ist zurzeit eine der größten DSV-Hoffnungen. Wie sie vom Wunderkind zum Ski-Star wurde. © IMAGO/Sergio Bisi/IPA Sport/Sammy Minkoff/Eibner-Pressefoto/Memmler (Montage) Aicher wurde am 13. November 2003 in Sundsvall in Schweden geboren. Während ihre Mutter aus Schweden stammt, ist ihr Vater Deutscher. Aicher hat einen jüngeren Bruder. © IMAGO/Igor Kupljenik / SPP Die Aichers, beide selbst passionierte Skifahrer, brachten ihre Kinder schon früh auf die Piste. © Screenshot Instagram @emmaaicher In ihrer Jugend zieht Aicher mit ihrer Familie für einige Jahre nach Engelberg in die Schweiz. Dort trainiert sie im lokalen Skiklub. © Eibner-Pressefoto/EXPA/Feichter Als Teenagerin ist Aicher übrigens nicht nur auf der Piste aktiv, sondern auch leidenschaftliche Fußballerin. Als Teenagerin ist Aicher übrigens nicht nur auf der Piste aktiv, sondern auch leidenschaftliche Fußballerin. © Screenshot Instagram @emmaaicher Im Alter von 15 Jahren setzt Aicher ein echtes Ausrufezeichen und gewinnt den Slalom beim FIS Children Cup in Tschechien – damals noch unter schwedischer Flagge. Im Alter von 15 Jahren setzt Aicher ein echtes Ausrufezeichen und gewinnt den Slalom beim FIS Children Cup – damals noch unter schwedischer Flagge. © Screenshot Instagram @emmaaicher Seit 2020 startet Aicher für Deutschland. Den Wechsel vom schwedischen Verband begründet sie mit den besseren Trainingsmöglichkeiten in den Alpen. Seit 2020 startet Aicher für Deutschland. Den Wechsel vom schwedischen Verband begründet sie mit den besseren Trainingsmöglichkeiten in den Alpen. © IMAGO/FrankHoermann/SVEN SIMON Im Januar 2021 fährt sie im Europacup-Slalom erstmals aufs Podium – ein frühes Signal ihres Talents auf internationalem Niveau. Im Januar 2021 fährt sie im Europacup-Slalom erstmals aufs Podium – ein frühes Signal ihres Talents auf internationalem Niveau. © dpa/Michael Kappeler Im Februar 2021 wird Aicher (2. v. li.) überraschend und kurzfristig für die Weltmeisterschaft in Cortina nachnominiert. Dort schafft sie im Teamwettbewerb mit Andrea Filser (li.), Stefan Luitz (2. v. r.) und Alexander Schmid besonderes und holt die Bronzemedaille. Im Februar 2021 wird Aicher (2. v. li.) überraschend und kurzfristig für die Weltmeisterschaft in Cortina nachnominiert. Dort schafft sie im Teamwettbewerb mit Andrea Filser (li.), Stefan Luitz (2. v. r.) und Alexander Schmid Besonderes und holt die Bronzemedaille. © IMAGO/Sammy Minkoff Für die erst 17-jährige Aicher (li.) ist es der erste große Auftritt auf der Weltbühne. Für die erst 17-jährige Aicher (li.) ist es der erste große Auftritt auf der Weltbühne. © IMAGO/Sammy Minkoff Im November des selben Jahres debütiert Aicher im Weltcup. In Lech fährt sie im Parallelrennen auf einen beachtlichen 19. Platz. Im November desselben Jahres debütiert Aicher im Weltcup. In Lech fährt sie im Parallelrennen auf einen beachtlichen 19. Platz. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder Nur wenige Wochen später erlebt Aicher das erste große Highlight ihrer Karriere: Die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Nur wenige Wochen später erlebt Aicher das erste große Highlight ihrer Karriere: Die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder Im Slalom fährt sie auf den 18. Platz, im Riesenslalom (Bild) beendet sie das Rennen auf Rang 21. Doch das ist nicht alles ... Im Slalom fährt sie auf den 18. Platz, im Riesenslalom (Bild) beendet sie das Rennen auf Rang 21. Doch das ist nicht alles ... © IMAGO/Kenjiro Matsuo Denn im Mannschaftswettbewerb gewinnt Aicher (li.) mit nur 18 Jahren ihre erste olympische Medaille. Gemeinsam mit Julian Rauchfuss, Lena Dürr, Alexander Schmid und Linus Strasser holt sie Silber. Denn im Mannschaftswettbewerb gewinnt Aicher (li.) mit nur 18 Jahren ihre erste olympische Medaille. Gemeinsam mit Julian Rauchfuss, Lena Dürr, Alexander Schmid und Linus Strasser holt sie Silber. © IMAGO/RICK T WILKING Im Januar 2023 fährt Aicher in Flachau zum ersten Mal in die Top bei einem Weltcup-Rennen. Ein weiterer Schritt Richtung Weltspitze ist getan. Im Januar 2023 fährt Aicher in Flachau zum ersten Mal in die Top Zehn bei einem Weltcup-Rennen. Ein weiterer Schritt Richtung Weltspitze ist getan. © IMAGO/Sammy Minkoff Einige Wochen später wird sie bei der Ski-WM in Meribel Achte in der Kombination. Einige Wochen später wird sie bei der Ski-WM in Meribel Achte in der Kombination. © IMAGO/@ Siegfried Dammrath Zum Abschluss der Weltcup-Saison 2022/23 landet Aicher in den Disziplinen Abfahrt, Super-G und Slalom unter den Top 30. Zum Abschluss der Weltcup-Saison 2022/23 hat Aicher in Abfahrt, Super-G und Slalom mehrfach Top-30-Resultate eingefahren und sich damit in allen Disziplinen im Weltcup etabliert. © IMAGO/DANIEL STILLER Zu Beginn der nächsten Saison fährt Aicher, kurz nach ihrem 20. Geburtstag, in St. Moritz in der Abfahrt auf den sechsten Platz. Es ist ihr bis dato bestes Ergebnis. Zu Beginn der nächsten Saison fährt Aicher, kurz nach ihrem 20. Geburtstag, in St. Moritz in der Abfahrt auf den sechsten Platz. Es ist ihr bis dato bestes Ergebnis. © IMAGO/Sergio Bisi/IPA Sport / ipa-agen 2025 gelingt Aicher endgültig der Durchbruch. Bei der Weltmeisterschaft in Saalbach-Hinterglemm wird sie in der Abfahrt und im Super-G Sechste – und fährt damit jeweils das beste deutsche Ergebnis ein. 2025 gelingt Aicher endgültig der Durchbruch. Bei der Weltmeisterschaft in Saalbach-Hinterglemm wird sie in der Abfahrt und im Super-G Sechste – und fährt damit jeweils das beste deutsche Ergebnis ein. © IMAGO/Cornelius Poppe Nur wenige Wochen später folgen die ersten Weltcup-Erfolge. In Kvitfjell fährt sie im Februar 2025 in der Abfahrt auf Platz zwei und damit ihr erstes Podium. Nur wenige Wochen später folgen die ersten Weltcup-Erfolge. In Kvitfjell fährt sie im Februar 2025 in der Abfahrt auf Platz zwei und damit ihr erstes Podium. © IMAGO/Geir Olsen Nur einen Tag später ist es dann soweit: Aicher gewinnt in der Abfahrt ihren erstes Weltcup-Rennen. Nur einen Tag später ist es dann so weit: Aicher (m.) gewinnt in der Abfahrt ihr erstes Weltcup-Rennen. © IMAGO/Geir Olsen Wiederum nur knapp zwei Wochen später gewinnt die DSV-Athletin ihren ersten Super-G-Weltcup in La Thuile und verweist dabei die Top-Stars Sofia Goggia und Federica Brignone in ihre Schranken. Wiederum nur knapp zwei Wochen später gewinnt die DSV-Athletin ihren ersten Super-G-Weltcup in La Thuile und weist dabei die Top-Stars Sofia Goggia und Federica Brignone in ihre Schranken. © IMAGO/R4924_italyphotopress Ihre bis dato erfolgreichste Saison schließt Aicher als 15. des Gesamtweltcups ab. Doch das soll erst der Anfang sein. Ihre bis dato erfolgreichste Saison schließt Aicher als 15. des Gesamtweltcups ab. Doch das soll erst der Anfang sein. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON Im Dezember 2025 gewinnt Aicher (li.) in der Abfahrt von St. Moritz ihr drittes Weltcup-Rennen – vor Ski-Legende Lindsey Vonn (m.). Im Dezember 2025 gewinnt Aicher (li.) in der Abfahrt von St. Moritz ihr drittes Weltcup-Rennen – vor Ski-Legende Lindsey Vonn (m.). © IMAGO/Ervin Monn Nach ihren Weltcup-Siegen ist Aicher zum Shootingstar des DSV aufgestiegen. Die Hoffnungen ruhen im Alpinsport primär auf den Schultern der inzwischen 22-jährigen Ausnahmesportlerin. Nach ihren Weltcup-Siegen ist Aicher zum Shootingstar des DSV aufgestiegen. Die Hoffnungen ruhen im Alpinsport primär auf den Schultern der inzwischen 22-jährigen Ausnahmesportlerin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler Bei den Olympischen Winterspielen 2026 gewinnt Emma Aicher die erste deutsche Medaille. Die 22-Jährige holte Silber in der Abfahrt, Gold ging an die US-Amerikanerin Breezy Johnson. Bei den Olympischen Winterspielen 2026 gewinnt Emma Aicher die erste deutsche Medaille. Die 22-Jährige holte Silber in der Abfahrt, Gold ging an die US-Amerikanerin Breezy Johnson. © IMAGO/Revierfoto Die zweite olympische Medaille holt sich Aicher in der Teamkombination mit Kollegin Kira Weidle-Winkelmann. Die zweite olympische Medaille holt sich Aicher in der Teamkombination mit Kollegin Kira Weidle-Winkelmann. © IMAGO / Eibner In der laufenden Saison verpasst sie die kleine Kugel im Abfahrtsweltcup verpasst sie im letzten Rennen um 83 Punkte an die Italienerin Laura Pirovano. In der laufenden Saison verpasst sie die kleine Kugel im Abfahrtsweltcup verpasst sie im letzten Rennen um 83 Punkte an die Italienerin Laura Pirovano. © IMAGO/NTB Bis zum letzten Rennen macht es Aicher spannend und hat noch immer Chancen den Saisonrennen zu gewinnen. Vor dem letzten Riesenslalom fehlen ihr auf Mikaela Shiffrin 85 Punkte. Bis zum letzten Rennen macht es Aicher spannend und hat noch immer Chancen den Gesamtweltcup zu gewinnen. Vor dem letzten Saisonrennen fehlen ihr auf Mikaela Shiffrin 85 Punkte. © IMAGO/ZUMA Press Das Ausmaß ihrer Verletzungen blieb zunächst unklar. Robinson verdrehte sich beim Sturz wohl das linke Knie. Sie konnte den Zielraum jedoch ohne fremde Hilfe verlassen, was Hoffnung auf eine glimpfliche Diagnose macht. Nach dem Rennen äußerte sich Robinson auf Instagram und gab leichte Entwarnung: „Ein dramatisches Ende des Rennens heute... Ich bin sehr, sehr dankbar, dass bis auf ein paar blaue Flecken alles in Ordnung zu sein scheint.“
Der Sturz überschattete den Triumph von Emma Aicher, die mit ihrem zweiten Saisonsieg vor Lindsey Vonn und Ester Ledecka ihre starke Form unterstrich. Für Robinson hingegen könnte der Crash zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ihre Olympia-Träume gefährden. Die Ski-Welt bangt nun um einen ihrer größten Stars.
Ob Robinson rechtzeitig zu den Olympischen Spielen fit wird und in topform sein wird, entscheiden die kommenden Untersuchungen. Die Tränen im Zielraum von Tarvisio könnten mehr bedeuten als nur den Schmerz des Moments. Für Magdalena Egger ist der Olympia-Traum bereits geplatzt: Das Ski-Ass erleidet bei Horror-Sturz schwere Verletzung . (ck)
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