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Der FC Bayern: Ein Desaster auf sämtlichen Ebenen

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Die Absage von Ralf Rangnick bringt den FC Bayern schwer in die Bredouille. Auch der dritte Top-Kandidat hat keine Lust – das hat Gründe, kommentiert tz-Reporter Vinzent Tschirpke.

München – Es ist ein Armutszeugnis für den FC Bayern. Mit Ralf Rangnick hat nach Xabi Alonso und Julian Nagelsmann der dritte Trainer abgesagt. Zählt man Unai Emery dazu, der als erweiterter Kandidat gehandelt wurde, dann aber seinen Vertrag bei Aston Villa verlängerte, hat der Rekordmeister gleich vier Körbe in nur wenigen Wochen bekommen.

Die Absagen-Welle trifft den FCB in einer Härte, die es so noch nie gegeben hat – und stellt die Verantwortlichen vor mehrere Probleme: Zunächst einmal bröckelt die Außenwahrnehmung der Münchner immer weiter, die sich jahrelang als natürliche Spitze der Trainer-Nahrungskette sahen.

Der FC Bayern hat ein Hoeneß-Problem

Wann immer der Trainerposten an der Säbener Straße frei wurde, galt es für jeden (deutschen) Übungsleiter als höchste Auszeichnung, im Rennen für den Job zu sein. Noch vor knapp elf Jahren hat mit Pep Guardiola der begehrteste Coach weltweit den FC Bayern übernommen – heute wirkt es dagegen so, als ob kaum jemand Lust auf das Chaos an der Säbener Straße hat.

Darin liegt das nächste Problem: Uli Hoeneß zeigte erst zuletzt, wie unberechenbar sein Wirken beim FCB ist. In einem medialen Alleingang trat er gegen Trainer Thomas Tuchel nach und schadete so dem Verein – eine Außendarstellung, die nicht gerade als Einladung für neue Coaches dient. Dass seine Macht wiederum so groß ist, dass ihn niemand aus der aktuellen Führungsriege einfängt, verdeutlicht das interne Problem in der Vereinsstruktur.

Der FC Bayern gibt bei der Trainersuche ein fürchterliches Bild ab, meint tz-Reporter Vinzent Tschirpke.

Trainerposten beim FC Bayern verkommt zum Schleudersitz

Seit dem Abschied von Guardiola 2016 standen in acht Jahren sieben verschiedene Trainer an der Seitenlinie. Der Posten in München verkam immer mehr zum Schleudersitz – und das wissen auch zukünftige Kandidaten, die den unfeinen Umgang mit Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel durchaus registriert haben.

Zuletzt stehen Max Eberl und Christoph Freund bei der weiteren Suche aber auch vor einem finanziellen Problem. Der Druck, beim nächsten Kandidaten unbedingt eine Einigung erzielen zu müssen, schwächt den FCB in seiner Verhandlungsposition. Sobald öffentlich bekannt wird, mit wem die Bosse als Nächstes verhandeln, kann der Kandidat quasi ungebremst Forderungen stellen, was das interne Mitspracherecht in Sachen Transfers, aber auch das eigene Gehalt betrifft.

Eine weitere Absage kann sich der FC Bayern schließlich nicht erlauben – die Trainersuche ist bereits jetzt ein öffentliches Desaster.

Rubriklistenbild: © Koepke/imago/privat

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