Trainer musste überzeugt werden

Bayern-Bosse nehmen Tuchel ins Visier: Diskussionen hinter den Kulissen

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Thomas Tuchel geht in seine erste komplette Saison als Trainer des FC Bayern München. In der Chefetage schaut man genau hin – auch, weil es zuletzt Diskussionen gab.

München – Die Freude über die Reiseplanung des FC Bayern dürfte sich bei Thomas Tuchel (49) in Grenzen halten. Das Wochenende ist straff durchgetaktet: Der Trainer und sein Team heben am Freitag bereits um 11.30 Uhr in Richtung Bremen ab, wo neun Stunden später der Bundesliga-Auftakt gegen Werder angepfiffen wird (Sat 1 und DAZN).

Thomas Tuchel
Geboren:29. August 1973 (Alter 49 Jahre), Krumbach
bisherige Vereine:1. FSV Mainz 05, Borussia Dortmund, Paris Saint-Germain, FC Chelsea, FC Bayern München
größter Erfolg: Triumph in der Champions League 2021

FC Bayern spielt nur einen Tag nach dem Bundesliga-Start gegen Bremen in Bozen

Samstagvormittag geht es zurück gen Süden. Angeflogen wird jedoch nicht der Flugplatz Oberpfaffenhofen, sondern der Flughafen Bozen. Einen Tag nach der Bundesliga-Eröffnung steht nämlich das traditionelle Traumspiel an – und Gegner ist eine Auswahl des Fanclubs „Weinbeisser Kaltern“.

Für Tuchel ist dieser Termin die ideale Gelegenheit, sich mal wieder nahbar zu geben – und es wäre sicher förderlich, sollte er diese nutzen. Denn: Im Idealfall ist ein Coach in München nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch gerne Teil der Bayern-Familie, in der die Anhänger freilich eine zentrale Rolle einnehmen. Schon während der Asien-Reise nahm man den Fußballlehrer – sowohl intern als auch extern – dünnhäutiger wahr als in der Vor-Saison.

Bayern-Boss nehmen Tuchel ins Visier: Diskussionen hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen musste durchaus Überzeugungsarbeit geleistet werden, um den Trainer für PR- und Fan-Termine zu begeistern. Selbst die Ansetzungen von öffentlichen Trainingseinheiten – um Nähe zu den ausländischen Fans herzustellen – soll ein Diskussionsthema zwischen Verein und Trainer gewesen sein. Dabei betonte Tuchel im Vorfeld der Audi Summer Tour, wie wichtig solche Reisen mit all ihren Facetten für europäische Top-Clubs seien.

Es steht außer Frage, dass Tuchel beim FC Bayern sportlich unumstritten ist und die Verantwortlichen von seinen fachlichen Qualitäten vollends überzeugt sind. Trotzdem schaut man in der Führungsetage genau hin. Dort wird der Übungsleiter unter anderem für die Fähigkeit geschätzt, Fehler seiner Mannschaft messerscharf analysieren zu können. Allerdings ist nicht immer zu erkennen, welche Konsequenzen er daraus zieht und was infolgedessen auf dem Platz anders gemacht wird.

PR- und Fan-Termine, Transfers, Trainingseinheiten für die Öffentlichkeit: Die Bayern-Bosse mussten bei Thomas Tuchel Überzeugungsarbeit leisten.

Tuchel war bei den Transfers zunächst kompromissbereit – jetzt pocht er auf seine Wunschspieler

Ein weiteres Indiz, dass sich Tuchel in den vergangenen Wochen und Monaten in München verändert hat: Zeigte sich Tuchel vor einem halben Jahr im Hinblick auf den anstehenden Transfersommer noch kompromissbereit, pocht er jetzt auf seine Wunschspieler. Diese Konsequenz zog er nach den schwachen Auftritten in der Rückrunde nach seiner Amtsübernahme.

Mit Abwehrkante Minjae Kim (26) und Torjäger Harry Kane (30) bekam Tuchel seine Transfer-Träume erfüllt – und muss nun auch entsprechend liefern. Für beide haben die Münchner Macher um Vorstandschef Jan-Christian Dreesen (55) immerhin mindestens 140 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Viel Geld für einen seriös wirtschaftenden Verein wie den FC Bayern. Trotzdem wird Tuchel nicht müde, eine sogenannte „Holding Six“, also einen defensiv denkenden Sechser zu fordern. Das kommt nicht bei allen gut an.

Dreesen überzeugt, „dass wir eine hervorragende Mannschaft mit fantastischen Einzelspielern haben“

Nicht umsonst stellte Dreesen bei der Kane-Vorstellung klar: „Ich bin überzeugt, dass wir eine hervorragende Mannschaft mit fantastischen Einzelspielern haben. Es gilt, das als Team noch ein bisschen weiter zusammenzuführen.“ Ein klarer Arbeitsauftrag an den Trainer. (bok/pk)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Laci Perenyi

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