VonIngo Durstewitzschließen
Der Eintracht-Kapitän kehrt ins Tor zurück, doch er wird Leistung bringen müssen, um seinen Status als Nummer eins zu untermauern - Kaua Santos lauert.
Frankfurt – Die dürre Nachricht vorneweg: Kevin Trapp ist am Dienstag im Frankfurter Nieselregen ins Mannschaftstraining der Eintracht zurückgekehrt. Der 34-Jährige wird demnach auch am Samstag in einer Woche den Kasten hüten, wenn die Hessen mal wieder versuchen werden, etwas Verwertbares aus Leverkusen zu entführen.
Das war ihnen in den letzten Jahren nicht gelungen. Trapps Comeback im Spiel beim amtierenden deutschen Meister ist beschlossen und kommt nicht überraschend. „Wir haben eine ganz klare Nummer eins, unseren Kapitän“, sagt Sportdirektor Timmo Hardung am Dienstag am Rande des Trainingsplatzes, während er die Ballfänger bei der Arbeit beobachtet. „Wir sind superfroh, dass er wieder zurück ist.“ So weit die Faktenlage. Die Geschichte dahinter ist aber sehr wohl spannend.
Wachablösung im Eintracht-Tor? Kevin Trapp bekommt Rückendeckung
Denn es gibt nicht wenige im Umfeld der Eintracht, die schon von der Götterdämmerung schwadronierten und auch davon, dass die Wachablösung eingeleitet wurde – durch diesen baumlangen Kerl aus Brasilien, Kaua Santos. Der 21-Jährige vertrat den Stammkeeper während dessen Verletzungspause ausgesprochen gut, in Istanbul und gegen die Bayern hielt er grandios, selbst Thomas Müller wunderte sich über die Reflexe des Torwarttalents, „überragend.“ Der Boulevard hatte sehr schnell die Frage gestellt: „Wie gefährlich wird der Torwart-Riese für Trapp?“
Um also jede Debatte im Keim zu ersticken und die Flanke gar nicht erst aufzumachen, stellen sich alle Verantwortlichen demonstrativ hinter Trapp. Geschlossen und bedingungslos. Trainer Dino Toppmöller, Sportvorstand Markus Krösche und eben auch Sportdirektor Hardung heben den besonderen Stellenwert des 34-Jährigen hervor.
Und das machen sie völlig zu Recht. Es wäre nahezu absurd und auch gefährlich, den Kapitän und langjährigen Stammtorwart infrage zu stellen oder einen offenen Konkurrenzkampf auszurufen. Das würde Trapp nur schwächen. Und daran kann niemand gelegen sein.
Kevin Trapp ist das Gesicht von Eintracht Frankfurt
Und auch die Option, Kaua Santos im Tor zu belassen, ist keine. Kevin Trapp war bis vor kurzem nicht nur Nationalspieler, er ist auch das Gesicht der Eintracht und eine Identifikationsfigur. Er ist der Kapitän der Mannschaft. So einen nimmt man einfach nicht raus, das würde die gesamte Hierarchie ins Wanken bringen, wäre für die Hygiene in der Kabine nicht gut. Selbst die Möglichkeit, Kaua Santos zum Pokaltorwart zu machen, erwägen die Verantwortlichen – „Stand jetzt“ (Hardung) – nicht.
Und zur Wahrheit gehört auch, dass Kaua Santos bei allem Talent und all seinen guten Leistungen immer mal Wackler im Spiel hatte, bei manch Gegentor äußerst unglücklich aussah. Fehlerfrei ist der Hüne nicht, er hat großes Potenzial, aber noch genügend Raum zur Verbesserung.
„Er trifft nicht alle Entscheidungen richtig“, sagt Sportdirektor Hardung. „Er hat nach jedem Spiel eine sehr detaillierte Analyse unseres Torwarttrainers bekommen. Er weiß, wo er steht und woran er ist. Kaua ist ein Junge, der drängt, der gierig sein wird.“ Aber klaglos ins zweite Glied rücken wird.
Kaua Santos sitzt Trapp im Nacken
Insofern ist der jetzige Ablauf normal, verständlich und richtig. Kevin Trapp bleibt erst einmal unangetastet, auch wenn der Schlussmann seit der letzten Spielzeit durchaus kritisch gesehen wird. Die Vorsaison, das räumte der Saarländer aber selbst ein, war nicht das Gelbe vom Ei, die Leistungen genügten nicht seinen Ansprüchen und denen des Vereins.
Seinen Platz in der Nationalelf hat er vor der EM im eigenen Land verloren. Ein schwerer Schlag für den ehrgeizigen Routinier. Und auch Sportchef Krösche mahnte vor der Runde eine Steigerung und mehr Konstanz an. Genau deshalb wünschten sich einige, auch im internen Zirkel, dass ein echter Konkurrent der Stammkraft Beine machen, ihn zu alter Leistungsstärke treiben soll. Der entwuchs jetzt aus den eigenen Reihen. Schneller als gedacht.
Es wird interessant sein zu sehen, wie „Trappo“ mit der Situation umgeht. Denn so dicht saß ihm in Frankfurt noch nie ein Rivale im Nacken. Der Druck auf den erfahrenen Goalie nimmt zu, er wird schnell Leistungen auf gutem Niveau bringen müssen. Bei zu vielen Patzern würde die Diskussion erst richtig losgetreten.
Der Druck für Eintracht-Keeper Trapp nimmt zu
Und: Trapp ist ein kluger Kopf, ein sensibler Typ, der sich vieles zu Herzen nimmt und ins Grübeln kommt. Timmo Hardung sieht diese Gefahr nicht, zumindest hält er das Thema öffentlich klein. „Wenn du bei Eintracht Frankfurt spielst und noch dazu Kapitän bist, ist der Druck immer groß, deine Leistung abrufen zu müssen. Da hat sich für Kevin jetzt nichts verändert.“
Der Sportdirektor sagt sogar, „happy“ über die Situation zu sein. „Du brauchst als Nummer zwei einen Torhüter, bei dem du keinen Qualitätsverlust hast und dir keine Sorgen machen musst, wenn er reinkommt. Kaua hat gezeigt, dass er Bundesliga spielen kann. Er konnte seine Fähigkeiten auf der größeren Bundesliga- und Europa-League-Bühne zeigen.“ Hardung fasst also die Gesamtgemengelage so zusammen: „Wir sind froh, wie Kaua es gemacht hat. Und wir sind froh, dass Kevin zurückkommt.“
Trapp „hat seine Sache gut gemacht“
Trapp ist wild entschlossen, es allen zu zeigen, sich zu beweisen. Bisher hatte er dazu kaum Gelegenheit: Nach nur zweieinhalb Bundesligaspielen streikte der Oberschenkel. Auch die Nationalelf hat der ambitionierte Torwächter nicht abgehakt.
Während der Verletzungspause, berichtet Hardung, sei Trapp seiner Verantwortung als Leader in vorbildlicher Weise gerecht geworden. „Er hat seine Sache gut gemacht als Kapitän, hat früh trainiert, um dann bei der Mannschaft in der Kabine sein zu können.“ Auch vor und nach den Spielen. Jetzt ist er wieder auf dem Platz gefragt. Dort wird er liefern müssen. Kevin Trapp weiß es nur zu gut.
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