VonJakob Böllhoffschließen
Die Klub-WM ist ein Instrument der Macht
In der Nacht zum Sonntag beginnt sie also, die große, neue, glitzernde Fußball-WM der Klubmannschaften. 32 Teams von allen fünf Kontinenten werden sich in den USA zusammenfinden, und sie werden um eine Trophäe spielen, die aussieht, als könne man mit ihr in andere Dimensionen reisen.
Ein Monstrum aus Gold. Gleich an zwei Stellen hat Gianni Infantino, Fifa-Präsident und geistiger Schöpfer der neuen Klub-WM, seinen Namen eingravieren lassen in den Pokal, und deutlicher kann man nicht machen, dass es sich hierbei um Insignien der Macht handelt für einen Mann, der daherkommt wie ein leicht irre gewordener König. Wie der Mann, der er vermutlich ist.
Um das direkt mal klarzustellen: dieses Turnier ist eine Abscheulichkeit. Eine Perversität. Wucherungen einer kapitalistischen Sportwelt – und insofern natürlich eine durchaus passende Erscheinung im globalen Kontext der Gegenwart, in welcher es selten um anderes geht als um Geld und um Macht, auf der großen Bühne jedenfalls.
Müde Spieler? Egal
Der Sport wird zum Instrument gemacht, die Sportler zu Marionetten. Neu ist das nicht, aber in dieser Ausformung dann doch. Dass die Spieler müde sind nach einer langen Saison? Egal. Sie müssen hin, sie müssen liefern. Und während sich die Spieler lustlos nach Nordamerika schleppen, reiben sich die Bosse der teilnehmenden Länder die Hände. Fast eine Milliarde schüttet die Fifa mit Hilfe des übertragenden Streamingdienstes Dazn über den Vereinen aus.
Der FC Bayern zum Beispiel kriegt alleine fürs Hinfahren zirka 30 Millionen Euro, Borussia Dortmund um die 20 Millionen. Derartige Summen haben gravierende Folgen für die nationalen Ligen – selbst wenn die Klub-WM nur alle vier Jahre stattfindet. In den kleinen Ligen umso mehr: Wenn Auckland City mehr als drei Millionen Euro Antrittsprämie einstreicht, kann und wird das langfristig Auswirkungen auf die Liga in Neuseeland haben, wo die Spieler niedrige dreistellige Beträge im Monat verdienen.
Willkommen also in der Fußballwelt der Zukunft. Willkommen in der machiavellistischen Vorhölle einer internationalen Super League, passenderweise verortet in den USA des Donald Trump, in dem die Nationalgarde gegen Demonstranten anrückt.
Willkommen in der Dimension Infantino.
