VonJan Christian Müllerschließen
Der Fifa-Präsident gratuliert dem künftigen US-Präsidenten im Handumdrehen. Das wundert nicht. Er denkt wie Trump. Und brauchte gute Bande in die USA. Ein Kommentar.
Gianni Infantino hat nicht lange gebraucht. Kurz im Archiv gekramt, schon fanden sich gemeinsame Fotos mit Donald Trump, die der Fifa-Präsident prompt auf seinem Instagram-Account postete, verbunden mit der Botschaft: „Congratulations, Mr President!“ Da war Infantino seiner Zeit mal wieder voraus. Der 45. Präsident der USA wird erst im Januar als 47. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt.
Der Schweizer aus dem Kanton Wallis ist stets fix auf den Beinen und im Kopf, wenn es darum geht, sein Netzwerk zu pflegen. In Amerika und auf der Arabischen Halbinsel schürft er gerade nach goldenen Nuggets. Da ziemt es sich, gut mit den Machthabern in Katar, Saudi-Arabien und dem guten alten Kumpel Donald zu stehen. Längst vorbei die Zeiten, als die Fußballfirma seines gestürzten Vorgängers Sepp Blatter von lästigen US-Bundesanwälten juristisch verfolgt wurde. Ergebnis der Untersuchungen: Die WM-Vergaben 2010, 2018 und 2022 (Südafrika, Russland und Katar) sollen mithilfe von Bestechungsgeldern vergeben worden sein. Auch fürs deutsche Sommermärchen 2006 steht dafür mehr als bloß ein Verdacht im Raum.
Infantino ist allem Anschein nach zu schlau und zu smooth, um seiner Fifa ähnliche Unbill angedeihen lassen zu müssen. Beim am 11. Dezember in einem digitalen Meeting stattfindenden Fifa-Kongress mit mehr als 200 angeschlossenen Verbänden soll dem Vernehmen nach per Blockwahl für die beiden WM-Bewerbungen 2030 UND 2034 in einem Zug abgestimmt werden. Und zwar, schwuppdiwupp, indem virtuelle Händchen gehoben werden.
Das ist deshalb interessant, weil seit den im Dezember 2010 offenkundig durch Korruption im damaligen Fifa-Exekutivkomitee zustande gekommenen Votum für Russland 2018 und Katar 2022 nie wieder gemeinsam eine WM-Vergabe stattfinden sollte. Pustekuchen: Jetzt ist der Plan, die Angelegenheit für 2030 in Spanien, Portugal und Marokko mit Eröffnungsspielen in Uruguay, Paraguay und Argentinien sowie 2034 in Saudi-Arabien mit einem einzigen Klick auf dem Heimcomputer zu erledigen. Infantino hat zuvor im Hinterzimmer alles geschickt ausgedealt und die 37-köpfige Fifa-Regierung mit dem DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf listig vor vollendete Tatsachen gestellt. Man darf gespannt sein, ob sich Neuendorf äußern wird, sobald der Ablauf für die WM-Vergaben 2030 und 2034 feststeht. Egal, wie kritisch das der größte Einzelsportverband der Welt auch sehen mag (bzw. sich traut, das auch zu formulieren) - die Entscheidung ist längst gefallen. Infantino hat alles bestens im Griff.
Das gilt auch für die Bande zu den USA. Dass sich der Fußball als größtes globales Unterhaltungsprogramm mit der Klub-Weltmeisterschaft im Sommer 2025 und der Männer-WM ein Jahr später zweimal in Folge in Nordamerika präsentiert, spielt Trump und seinem „America First“-Postulat perfekt in den Lauf. Er weiß: Infantino hat keine Berührungsängste zu Autokraten. Sie sind Brüder im Geiste.
