Der FC Bayern traf im absoluten Spitzenspiel der Bundesliga auf Borussia Dortmund. Ein tz-Einzelkritik zum Auftritt der Bayern-Stars in der Allianz Arena.
München – Da war es also, des erste Spiel von Thomas Tuchel als Trainer des FC Bayern. Nach dem Beben vor zwei Wochen, als Julian Nagelsmann auf unschöne Art und Weise entlassen wurde und seine Koffer an der Säbener Straße packen musste, feierte sein Nachfolger nun sein Debüt.
Mit einem kuriosen Treffer aus der eigenen Hälfte brachte Dayot Upamenaco den Rekordmeister in Führung (13. Minute). Keine fünf Minuten später war dann Thomas Müller nach einem Kopfball von Matthijs de Ligt zur Stelle und erhöhte auf 2:0 (18.), ehe wieder Müller das 3:0 erzielte (23.). Drei Treffer in zehn Minuten!
Anschließend fand der BVB nicht mehr ins Spiel. Kurz nach der Pause legte Kingsley Coman nach überragender Vorarbeit von Leroy Sané zum 4:0 (51.) nach. In der 71. Minute verkürzte Emre Can mit einem verwandelten Foulelfmeter auf 4:1. Doniel Malen traf in der 90. Minute dann noch zum 4:2 - was auch der Endstand war. Damit grüßt der FC Bayern wieder von der Tabellenspitze. Die tz-Einzelkritik zum Spiel.
Yann Sommer
Hatte bei seinem bisher einzigen Patzer im Bayern-Trikot gegen PSG das Glück, dass seine Vordermänner ihm aus der Patsche halfen – das taten die Dortmunder diesmal nicht, als ihr Torhüter Gregor Kobel neben den Ball trat. Das 1:0 auf der Gegenseite sorgte dafür, dass Sommer im Topspiel kaum gefordert war, weil Dortmund vollkommen den Faden verlor. Beim Elfmeter zum 4:1 in der richtigen Ecke, aber nicht dran. Sah beim Malen-Tor kurz vor Schluss aber nicht glücklich aus. Note: 3
Benjamin Pavard
Musste wieder als klassischer Rechtsverteidiger an, weil Tuchel mit Viererkette spielen ließ, Agierte unauffällig, was für einen Verteidiger nicht schlecht ist, aber auffiel, weil die beiden Innenverteidiger neben ihm so überragende Momente hatten. Ein Abschluss zischte knapp am Pfosten vorbei. Note: 2
Dayot Upamecano
Hätte Thomas Tuchel nicht noch zehn weitere Spieler zu coachen gehabt, hätte der nach oben gereckte Daumen, den der neue Coach Upamecano ständig zeigte, sich wahrscheinlich gar nicht mehr gesenkt. Das lag nicht nur an seinem Anteil am ersten Treffer – eine Vorlage auf Leroy Sané kullerte nach Kobel-Patzer zum 1:0 ins Tor. Sondern auch an diversen weiteren Aktionen. Offensiv wie defensiv ein spielentscheidender Mann. Note: 1
Der Niederländer war schon unter Julian Nagelsmann einer der wenigen Profis, dessen Formkurve steil nach oben zeigte – unter Thomas Tuchel geht es so weiter. De Ligt blockte den ersten BVB-Angriff weg, ein wichtiges Zeichen in der guten Anfangsphase der Gäste. Die Ecke, die Thomas Müller zum 2:0 verwertete, verlängerte er per Kopf. Stark, robust, gedankenschnell – kurzum: genial. Note: 1
Alphonso Davies
Erhielt den Vorzug vor Joao Cancelo, hatte allerdings erneut einige Ungenauigkeiten im Passspiel und bekam als einer der wenigen auch mal einen Rüffel von Thomas Tuchel. Ließ Gegenspieler Marius Wolf die Flanke schlagen, die zum Strafstoß für den BVB führte. Note: 3(79. Joao Cancelo: o.B.)
Joshua Kimmich
Wurde in der Anfangsphase von Emre Can abgeräumt und hatte damit großen Anteil daran, dass der Dortmunder Mittelfeldchef früh vom Gas geben musste. Dass im gefühlt 1000 Anlauf auch eine seiner Ecken zum Erfolg führte (2:0), passte zum Gesamtauftritt des Münchner Regisseurs. War körperlich präsent, stopfte Löcher und trieb das Spiel nach vorne an. Note: 2
Leon Goretzka
Agierte deutlich unauffälliger als sein Nebenmann Kimmich und zeigte vergleichsweise wenig von seiner gefürchteten Offensivstärke. Bei einigen missglückten Pässen schüttelte Tuchel den Kopf – er weiß ja, was Goretzka kann. Mehr als diesen einen Kopfball in die Arme von Kobel, der im Gedächtnis blieb. Defensiv dafür tadellos. Note: 3(ab 86. Gravenberch o.B.)
Harmonierte prächtig mit Sané und Müller – und machte alles richtig. Eroberte Bälle, leitete die Kugel mit gutem Auge weiter oder machte er eben selbst. Ein Schuss (21.) ging drüber, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit hatte er das 4:0 auf dem Fuß, er machte es aber erst nach dem Seitenwechsel. Starke Vorlage von Sané, stark verwertet. Note: 1(79. Jamal Musiala: o.B.)
Thomas Müller
Verkörperte das wiedergefundene Münchner Mia san Mia in Perfektion. Verwertete eine Ecke zum 2:0 (18.), war beim Abpraller zum 3:0 (23.) zur Stelle. Rannte, ackerte, passte – und zauberte sogar: Einen schon im Toraus vermuteten Ball brachte er per Hacke zurück ins Spiel und rollte sich danach galant mit einem Purzelbaum ab. Haltungsnote: 1 – Note: 1 (ab 69.: Serge Gnabry: o.B.)
Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars
Steht unter besonderer Beobachtung, weil er unter Nagelsmann nicht performte und von Tuchel zu konstant guter Leistung getrieben werden soll. Lieferte gleich im ersten Spiel gute Argumente für einen dauerhaften Stammplatz: Seinen Schuss vor dem 3:0 konnte Kobel nicht halten, Müller war zur Stelle. Das 4:0 bereitete er mit einem seiner rasanten Läufe mustergültig ein. Note: 1
Eric Maxim Choupo-Moting
War an der überragenden Offensivleistung der Bayern beteiligt, in dem er Bälle festmachte, gute Läufe anbot und mitzog. Nur ein Tor wollte dem Stürmer nicht gelingen, obwohl er einige gute Möglichkeiten hatte. Als die Kugel nach einem Fallrückzieher im Netz zappelte, ertönte der Abseitspfiff. Note: 3(ab 69. Sadio Mané: o.B.)
Aus der Allianz Arena berichten Manuel Bonke, Hanna Raif und Florian Schimak