Bayern-Trainer Tuchel schildert Verhältnis zwischen Mazraoui und Peretz
VonFlorian Schimak
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Der FC Bayern will am Samstag sportlich für Schlagzeilen sorgen. Doch vor dem Spiel beim FSV Mainz musste sich Thomas Tuchel vor allem zu einer Sache äußern.
Zumal in der vergangenen Woche Bayern-Star Noussair Mazraoui mit einem Pro-Palästina-Post für Wirbel an der Säbener Straße sorgte. Die Münchner sehen von Konsequenzen ab. Anders als Samstag-Gegner Mainz, die Anwar El Ghazi vorübergehend vom Spiel- und Trainingsbetrieb freistellten, weil dieser einen Beitrag teilte, der unter anderem Israel das Existenzrecht absprach.
Thomas Tuchel
Geburtsdatum:
29. August 1973 (50 Jahre)
Verein:
FC Bayern München (seit 2023)
Erfolge:
1x Deutscher Meister (2023), DFB-Pokalsieger (2017), Champions-League-Sieger (2021)
Bevorzugtes Spielsystem:
4-3-3
Pro-Palästina-Post? FC Bayern verzichtet auf Konsequenzen bei Mazraoui
„Noussair Mazraoui hat uns glaubwürdig versichert, dass er als friedliebender Mensch Terror und Krieg entschieden ablehnt“, heißt es in der Pressemitteilung der Bayern: „Er bedauert es, wenn seine Posts zu Irritationen geführt haben. Der FC Bayern verurteilt den Angriff der Hamas auf Israel“, wird der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen darin weiter zitiert.
Klar, dass auch Thomas Tuchel im Pressestüberl am Freitag dazu Stellung beziehen musste. „Ich stehe zu 100 Prozent zu dem Statement. Die Thematik geht weit über den Sport hinaus“, sagte der Bayern-Coach.
Thomas Tuchel gibt intime Einblicke in die Bayern-Kabine
Er habe mit Mazraoui gesprochen, wollte aber auf den Inhalt nicht eingehen, wie Tuchel erklärte. Auch mit Daniel Peretz, dem israelischen Keeper der Bayern, habe sich Tuchel bereits „frühzeitig“ unterhalten. Dabei ging es „nicht nur über den Post, sondern ganz allgemein, weil er am unmittelbarsten betroffen ist“, so Tuchel: „Seine Familie, seine Freunde sind in Israel. Es ist unsere Fürsorgepflicht, mit ihm zu sprechen und abzuklären, wie es ihm gerade geht. Auch, ob Fußball aktuell für ihn möglich ist, weil es eine gewisse Ablenkung bietet.“
Anschließend gab Tuchel einen intimen Einblick in die Bayern-Kabine. „Eine Kabine ist völlig unabhängig von Religionen und kulturellen Überzeugungen und Unterschieden immer ein Ort, in dem man friedlich, freundlich, kameradschaftlich auf ein gemeinsames Ziel hin arbeitet“, startete der 50-Jährige seinen Pamphlet: „Da ist es immer wunderschön zu beobachten, wie das in so einem kleinen Mikrokosmos Kabine funktionieren kann.“
Konflikte in der Bayern-Kabine? Tuchel hat „großes Vertrauen in seine Mannschaft“
Frei von Konflikten dürfte diese natürlich auch nicht sein, worauf nicht nur aufgrund der aktuellen Gemengelage zu schließen ist. Tuchel aber habe „großes Vertrauen in meine Mannschaft, in die Wirkung einer Kabine“, so der Bayern-Coach: „Es ist gelernt, dass man auch schwierige Widerstände kultureller oder religiöser Art gemeinsam überkommt und durchsteht.“
Wie es Peretz, der im Sommer für 5 Millionen Euro von Maccabi Tel Aviv an die Isar wechselte, aufgrund der Gegebenheiten gehen würde, könne Tuchel nicht direkt einschätzen. „Es ist sehr schwer für mich, weil ich mich da nicht hineinversetzen kann und mir das auch nicht anmaße“, sagte der Trainer.
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Mazraoui und Peretz beim FC Bayern: So geht Tuchel mit beiden um
So geht das Ganze natürlich auch nicht spurlos an den Beteiligten vorbei, wie Tuchel durchblicken ließ. „Wir haben auch keine heile Welt in der Kabine“, so der Bayern-Coach: „Aber eine Kabine hat eine heilsame Wirkung – über alle Grenzen, die in der Welt da draußen unüberwindbar erscheinen. In dem Mikrokosmos sind sie regelbar und auch wenn es Konflikte gibt und Konflikte bleiben, kann man sich in der Kabine darauf verständigen.“
Dies sei allerdings nichts, „was von alleine passieren wird, sondern wir müssen daran arbeiten“, versicherte Tuchel: „Das heißt, wir müssen Daniel (Peretz, Anm. d. Red.) befragen, Feedback einholen und schauen, wie es ihm geht. Wir müssen Nous (Mazraoui, Anm. d.Red.) in der Gemeinschaft drin behalten, weil sich das so gehört und weil er sich in der Kabine klar positioniert, als Teammitglied, der die Werte des FC Bayern kennt und respektiert.“
Zum Abschluss fasste Tuchel zusammen, dass dies „natürlich ein hochsensibles Thema“ sei – „vor allem für Daniel Peretz“, aber man werde sich darum kümmen. „Nicht nur ich, sondern der ganze Klub und seine Mitspieler“, versprach der Bayern-Trainer. (smk)