50+1-Regel ist Streitthema

Hoeneß macht Vorschlag, der Fans nicht gefallen dürfte – Bundesliga-Experte widerspricht ihm prompt

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Öffentliche Äußerungen von Uli Hoeneß sorgen erneut für Kritik. Diese dürfte vor allem in der organisierten Fanszene auf große Unterstützung treffen.

München/Hannover – Bayern-Patron Uli Hoeneß war von der Hannoverschen Neuen Presse eingeladen, beim „Anstoß“-Talk teilzunehmen. Und wie es die Fans so gewöhnt sind vom Ehrenpräsidenten des FC Bayern, teilte der in alle Richtungen aus. Unter anderem sprach er sich für eine Abschaffung der 50+1-Regel im deutschen Fußball aus. Dies rief wiederum den schottischen Bundesliga-Experten Derek Rae auf den Plan, der von Hoeneß‘ Vorschlag wenig hält und dabei wohl auf Unterstützung aus den meisten Fanlagern bauen kann.

Der Schotte Derek Rae widerspricht Uli Hoeneß zu dessen Ausführungen über die 50+1-Regel.

Uli Hoeneß: „Dafür, dass 50+1-Regel fällt“

Die Regel, dass mindestens 51 Prozent der stimmberechtigten Anteile eines deutschen Fußball-Profivereins in den Händen des Vereins liegen müssen, beschäftigt die Fußballnation schon lange. Meist angeführt von Martin Kind, und seit einigen Jahren auch von 1860-Anteilseigner Hasan Ismaik unterstützt, versuchen immer wieder verschiedene Kräfte diese Regelung zu kippen. Bislang blieben sie ohne Erfolg, doch auch FCB-Ehrenpräsident hält die Bestimmung für überholt.

„Wir wären bei Bayern München total dafür, dass die 50+1-Regel fällt, weil wir international total ins Hintertreffen geraten. In England ist jeder Erst- oder Zweitliga-Verein mit einem großen Unternehmen, einem Land, einem Oligarchen oder was auch immer verbunden. Deswegen sind die international auch ziemlich weit vor uns“, spricht sich die Graue Eminenz des FC Bayern für eine Abschaffung aus. „Ich bin dafür, dass jeder Verein das selbst entscheidet. Das hat nichts mit Bayern München zu tun. Es geht darum, den anderen Vereinen die Möglichkeit zu geben, wettbewerbsfähig zum FC Bayern zu sein“, gibt sich Hoeneß darüber hinaus als Kümmerer der Bundesliga.

FC-Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß spricht bei einer Talkrunde in Hannover über die 50+1-Regel.

50+1: ESPN-Kommentator positioniert sich gegen Hoeneß

Hoeneß wurde schon des Öfteren Ziel von Kritik aus der eigenen Kurve und so braucht es keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu erahnen, dass eine abermalige Reaktion nicht ausbleiben wird. Währenddessen hat sich mit Derek Rae einer zu Wort gemeldet, der den direkten Vergleich zwischen den Konstrukten kennt. Der Schotte ist der ausgemachter Experte im US-amerikanischen Raum, wenn es um die Belange des deutschen Fußballs geht. Außerdem kennt er durch seinen Lebensmittelpunkt auf der Insel die Unterschiede zwischen Bundesliga und Premier League.

Zu den Aussagen von Hoeneß bezieht Rae über seinen Twitter-Account klar Stellung: „Das ist auch der Grund, warum der englische Fußball viel teurer ist (Tickets für die Zuschauer, d. Red) und warum englische Medienkollegen über die Atmosphäre in Dortmund und Frankfurt staunen. Nicht alles kann oder sollte zum Verkauf stehen“, meint er im Hinblick auf die 50+1-Regel, die im englischen Fußball nicht existiert.

Satzung des FC Bayern sieht Verkauf von maximal 30 Prozent vor

Tatsächlich sind die Ticketpreise in den Bundesliga-Stadien deutlich günstiger als in der Premier League, wo unabhängig von der Begegnung die günstigsten Tickets bei 50 Euro liegen. Im Vergleich dazu: Ein Stehplatz in der Allianz Arena kostet den Fan 15 Euro. Und selbst, wenn 50+1 fallen sollte, ist es nicht unrealistisch, dass sich die Preise beim deutschen Rekordmeister kaum ändern würden.

Die wahrscheinliche Preisstabilität bei den Bayern lässt sich aber kaum auf andere Bundesligisten übertragen. Grund dafür ist die festgeschriebene Höchstgrenze von 30 Prozent aller Anteile, die maximal verkauft werden dürften. Und um die Satzung zu ändern, wären wiederum drei Viertel aller Stimmen bei einer Jahreshauptversammlung nötig. Aktuell gibt es beim FC Bayern mit Adidas, Allianz und Audi (jeweils 8,33 Prozent) drei weitere Anteilseigner neben dem Verein. (sch)

Rubriklistenbild: © IMAGO/MIS und IMAGO/Sammy Minkoff

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