Eintracht Frankfurt: Dino Toppmöller und die Frage des Vertrauens
VonJosef Schmitt
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Der Eintracht-Trainer genießt intern volles Vertrauen. Doch von außen gibt es immer wieder Kritik.
Frankfurt – Dino Toppmöller ist seit bald zweieinhalb Jahren Trainer der Frankfurter Eintracht. Bei 112 Spielen hat er die sportliche Verantwortung getragen. Nach Frank Schmidt beim 1. FC Heidenheim und Sebastian Hoeneß beim VfB Stuttgart gehört er zu den drei dienstältesten Cheftrainern in der Bundesliga. Der seit Sonntag 45 Jahre alte Toppmöller hat Erfolge aufzuweisen.
Er hat die Eintracht ins Viertelfinale der Europa League geführt, er ist einmal Sechster und einmal Dritter in der Bundesliga geworden. Und er spielt mit der Eintracht in der Champions League (CL), zum ersten Mal über die Liga direkt qualifiziert. Wenn vor den Spielen in der Arena auch der Name des Trainers gerufen wird, geschieht dies mit großer Inbrunst und Lautstärke.
Große Identifikation mit Eintracht Frankfurt
Am Mittwoch wird das beim Heimspiel gegen Atalanta Bergamo wieder so sein. Und doch will auch die Kritik am Fußball-Lehrer nicht abebben. Wieder einmal nachzulesen in den Internetforen nach dem jüngsten 4:3-Erfolg beim 1. FC Köln. Die Abstürze der Mannschaft in den Endphasen mancher Spiele, in Mönchengladbach nur 6:4 nach 6:0, in Freiburg mit dem 2:2-Ausgleich, und nun in Köln nur 4:3 nach 4:1, werden in übergroßer Mehrheit dem Trainer und dessen angeblichen Fehlern zugeschrieben.
Warum bei vielen Eintracht-Anhängern noch immer das absolute Vertrauen in den Trainer fehlt, ist nur schwer nachzuvollziehen. Denn viele Zahlen und Fakten sprechen für ihn. Seit seinem Amtsantritt, damals als Cheftrainerneuling, ist Toppmöller einen erfolgreichen Weg gegangen. Und keiner seiner prominenten Vorgänger Niko Kovac, Adi Hütter und Oliver Glasner hat sich mit diesem Klub so identifiziert wie er.
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„Würden sie mir jetzt sagen, dass ich auch die nächsten zehn Jahre Trainer hier in Frankfurt bin, wäre meine Antwort: Okay, machen wir“, hat er gerade in einem Interview dem Kicker gesagt. Er fühle sich ausgesprochen wohl in der Stadt und im Klub und sein einfach „glücklich“ mit seiner Arbeit. Dieses Gefühl beruht innerhalb der Eintracht auf Gegenseitigkeit.
Toppmöller genießt das absolute Vertrauen der Vereinsführung, egal ob vom Vorstandschef Axel Hellmann oder vom Sportchef Markus Krösche. Beide schätzen besonders dessen Fachkompetenz, vor allem aber auch die Loyalität in schwierigen Phasen. Toppmöller geht den Weg mit, jammert nicht, versucht das Beste aus manchmal eingeschränkten Möglichkeiten zu machen. Was ihm in aller Regel auch gut gelingt. Intern ist er nicht nur deshalb unumstritten.
Extern ist dies beileibe nicht so. Ihm werden der eine oder andere Aufstellungsfehler angekreidet, das ist freilich bei jedem Trainer so. Speziell ist bei der Eintracht, dass ihm häufig vermeintlich falsche Ein- und Auswechslungen vorgeworfen werden. Vorwürfe, die nicht immer aus der Luft gegriffen sind. In Köln war das Spiel trotz einer Drei-Tore-Führung nach einem Dreifachwechsel fast noch komplett gekippt.
Toppmöller kennt auch kritische Stimmen in Frankfurt
Mit Mo Dahoud, Ansgar Knauff und Jonny Burkardt hatte der Frankfurter Trainer eine Viertelstunde vor dem Ende auf einen Schlag drei der Besten rausgenommen. Ihre Nachfolger Ellyes Skhiri, Jean-Matteo Bahoya und Elye Wahi hatten dann nahezu komplett versagt. Auch Toppmöller war bedient. „Der eine oder andere hat mit Sicherheit keine Eigenwerbung für mehr Einsatzzeiten betrieben“, sagte er.
Waren die Wechsel also falsch? Eher nicht, denn mit Blick auf das Königsklassen-Spiel gegen Bergamo hatte es auf der Hand gelegen, hochbelasteten Spielern eine kurze Verschnaufpause zu geben. Dass die Mannschaft in der Breite offenbar nicht so gut aufgestellt ist, wie von vielen erhofft, erschwert die Aufgabe des Frankfurter Trainers ebenso wie der Ausfall der drei Verletzten Hugo Larsson, Can Uzun und Oscar Hojlund, die ja auch zum engeren Stamm gehören.
Toppmöller sitzt inzwischen freilich so sicher im Sattel, dass er sich nicht weiter grämen muss über negative Bewertungen. Er hat auch genug Sachverstand, um unsachliche von berechtigter Kritik zu unterscheiden. Und er ist selbstkritisch genug, auch öffentliche Hinweise auf Mängel in seine Arbeit einfließen zu lassen. So geschehen, als er das Abwehrsystem nach einer Gegentorflut von einer Viererkette wieder auf eine Dreier-respektive Fünferkette umstellte.
Dem Kader fehlt es in der Breite an Klasse
„Als Trainer muss ich auf gewisse Phasen reagieren und habe das auch getan“, hat er gesagt. Dino Toppmöller hat einen sicheren Arbeitsplatz in Frankfurt, aber auch einen schwierigen, sind die Erwartungen doch mit den Erfolgen der letzten Jahre gestiegen. So hat die direkte Qualifikation für die CL eine große Herausforderung mit sich gebracht. „Als Stuttgart letztes Jahr in der Champions League spielte, wurden sie in der Liga Neunter, Union Berlin ist im Jahr davor fast abgestiegen“, erinnert er an Frankfurter Vorgänger in der „Königsklasse“.
Der Eintracht bietet sich am Mittwoch gegen Bergamo die große Chance, der K.o.-Runde ein großes Stück näherzukommen. Der Gegner sei „sehr erfahren“, sagt Toppmöller, „aber auch wir verfügen mittlerweile über einige internationale Erfahrung. Mit unseren Fans im Rücken rechnen wir uns gute Chancen auf einen Sieg aus.“ Gelingt dies, würde auch er in der persönlichen Beurteilung bei den Fans wieder ein Stück vorankommen.