VonIngo Durstewitzschließen
Drei Spieler beim Afrika-Cup sind nur ein Problem für Eintracht Frankfurt. Der Bundesligist muss im neuen Jahre gleich ein paar Herausforderungen wuppen,
Unmittelbar nach dem letzten emotionalen Aufreger in diesem Jahr, das emotionaler und aufregender nicht hätte enden können (2:1-Last-Second-Sieg gegen Gladbach nach 0:1-Rückstand, Tore durch Buta in Minute 92 und Koch in Minute 97, noch nicht so furchtbar lange her), haben sich die Mitglieder des Frankfurter Bundesligateams und die Menschen rund um die Mannschaft quer über den Erdball verstreut. Okay, manche, wie Trainer Dino Toppmöller, zieht es zu Weihnachten nicht in die Ferne, sondern nur zur Familie ins Saarland. Doch die meisten der Herren Berufsspieler nutzen den zwölftägigen Urlaub zu einer Stippvisite in die Heimat oder einem Kurztrip in die Sonne.
Viel Zeit zum Runterkommen haben sie nicht, bereits am 2. Januar bittet Toppmöller wieder zum Training. Die Zeit drängt. Am 6. Januar (13 Uhr) steht schon die Generalprobe an, der Ligarivale SC Freiburg kommt in den Frankfurter Stadtwald. Genau eine Woche später geht es wieder um Punkte, dann wird die Hinrunde mit dem ersten Spiel des neuen Jahres beschlossen, die Eintracht reist nach Leipzig. Keine leichte Aufgabe.
Und zum offiziellen Rückrundenbeginn müssen die Frankfurter eine Woche später beim Nachbarn Darmstadt 98 antreten – zwei Auswärtspartien also zum Start ins neue Jahr. Das ist eher suboptimal, lässt sich aber nicht ändern.
Für die Eintracht wird es darum gehen, ihre gute Ausgangsposition aufrechtzuhalten. Denn Platz sechs nach dem ersten Halbjahr ist mehr als zu erwarten war nach dem großen Umbruch im Sommer. Es ist aber eine Platzierung, die trügerisch ist. Hätte es die wilde Schlussphase gegen Mönchengladbach nicht gegeben, würde die Eintracht im Januar aus dem Niemandsland heraus starten. Platz sechs ist, auch was die gezeigten Leistungen in Gänze angeht, das allerhöchste der Gefühle. Und es ist deshalb keine Platzierung, die automatisch internationale Träume sprießen lässt. Die Eintracht steht zu Beginn des neuen Jahres gleich mal wieder vor einer massiven Herausforderung. Es ist ein Start mit einigen Fragezeichen.
Das liegt daran, dass gleich drei Leistungsträger (Omar Marmmoush, Fares Chaibi, Ellyes Skhiri) beim Afrika-Cup weilen und im schlechtesten Fall fünf Spiele fehlen werden. Ein großes Problem für Dino Toppmöller, denn zwei dieser drei Spieler (Marmoush, Chaibi) schultern quasi das gesamte Offensivspiel. Natürlich haben auch andere Vereine mit Abstellungen zu kämpfen, allen voran Bayer Leverkusen, das gleich auf fünf Akteure (unter anderem Edmond Tapsoba, Odilon Kossounou und Victor Boniface) verzichten muss. Der gravierende Unterschied: Die Spitzenklubs haben einen Kader beisammen, der in der Breite qualitativ stark genug ist, um die Ausfälle zu kompensierte. Bayer-Trainer Xabi Alonso etwa bot am letzten Spieltag gegen Bochum eine Elf komplett ohne die Afrika-Cup-Teilnehmer auf. Das Ergebnis: 4:0. Davon kann die Eintracht nur träumen, ihr zweiter Anzug passt nämlich ganz und gar nicht. Gerade in der Offensive ist sie dünn besetzt, Marmoush hat sieben Tore erzielt – alle anderen Angreifer trafen zusammen noch genau einmal, Nachwuchsmann Nacho Ferri beim 3:0 bei Union Berlin.
Umso größer ist der Handlungsdruck von Sportvorstand Markus Krösche, der von den vielen Kolo-Millionen etwas abzwacken muss, um der Mannschaft Qualität zuzuführen. Das Problem: Winterdeals gelten als kompliziert und sind mit Vorsicht zu genießen. Und doch plant die Eintracht bis zu vier Transfers – alles andere wäre auch fahrlässig.
Wo ist die Soforthilfe?
Rafiu Durosinmi taut dabei sicher nicht als Soforthilfe. Der Mittelstürmer liegt seit einiger Zeit mit einer nicht näher definierten Bänderverletzung im Knie auf Eis. Dennoch scheint die Eintracht mit dem 20 Jahre alten, 1,92 Meter großen Nigerianer von Viktoria Pilsen weit zu sein. Er soll etwas weniger als zehn Millionen Euro kosten.
Deutlich schneller könnte hingegen Sheraldo Becker funktionieren, selbst wenn der 28-Jährige bei Union Berlin kaum noch eine Rolle spielt. Der neue Trainer Nenad Bjelica berief ihn zuletzt nicht mal in den Kader. Der schnelle Becker hat keine gute Halbserie hinter sich, ist in der Liga torlos. Der Durchstarter der vergangenen Saison ist im Sommer ablösefrei, weshalb Union keine besonders hohe Ablösesumme einfordern kann.
Und auch bei Mittelfeldspieler Donny van de Beek von Manchester United ist Zurückhaltung geboten. Der 26-Jährige, der ausgeliehen wird und per Kaufoption im Sommer für rund zehn Millionen Euro fest verpflichtet werden könnte, hat in den vergangenen eineinhalb Jahren kaum gespielt und war lange verletzt, verpasste die gesamte Rückserie der letzten Saison wegen einer Knieverletzung. Ob so einer direkt die Kastanien aus den Feuer holen kann, sei mal hingestellt. Auch hier steht ein dickes Fragezeichen.
