Ein TV-Experte irrt gewaltig

FCB-Campus: Kompany zu Unrecht in der Kritik und unnötiger Druck auf die Talente

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FCB-Coach Vincent Kompany setzte bei der Klub-WM fast ausschließlich auf die arrivierten Spieler und erntete dafür heftige Kritik. Ein Kommentar zur Situation am FCB-Campus.

München - Das Jahr 2017 sollte der Startschuss für eine großartige Nachwuchsarbeit des FC Bayern sein, welche sogar die Talentschmiede „La Masia“ des FC Barcelona in den Schatten stellen sollte. Die Genehmigung für die Baukosten des 70-Millionen-teuren Nachwuchsleistungszentrums im Münchner Norden hatte der Verein ein paar Jahre zuvor von den Mitgliedern auf einer Jahreshauptversammlung eingeholt.

Sieben Spieler im letzten Vertragsjahr – Die Laufzeiten der Stars des FC Bayern

Torhüter Manuel Neuer hat hingegen noch einen gültigen Vertrag bis zum 30.06.2026.
Dort ist natürlich auch Bayern-Legende Manuel Neuer dabei. Sein Arbeitspapier ist noch ein Jahr bis zum 30.06.2026 gültig. © IMAGO/Andrey Heuler/M.i.S.
Genau wie Nationalspieler Leon Goretzka. Dieser galt in der vergangenen Saison als möglicher Abschiedskandidat beim FCB, kämpfte sich jedoch zurück und war in der Meistersaison ein wichtiger Faktor.
Genau wie Nationalspieler Leon Goretzka. Dieser galt in der vergangenen Saison als möglicher Abschiedskandidat beim FCB, kämpfte sich jedoch zurück und war in der Meistersaison ein wichtiger Faktor. © IMAGO/Bahho Kara
Serge Gnabry hat ebenfalls einen gültigen Vertrag bis zum 30.06.2026. Der Flügelspieler lief in der abgelaufenen Saison jedoch seinen eigenen Erwartungen hinterher. (7 Tore, 8 Vorlagen)
Serge Gnabry hat ebenfalls einen gültigen Vertrag bis zum 30.06.2026. Der Flügelspieler lief in der abgelaufenen Saison jedoch seinen eigenen Erwartungen hinterher. (7 Tore, 8 Vorlagen) © IMAGO/Andrey Heuler/M.i.S.
Der flexibel einsetzbare Raphaël Guerreiro hat beim FC Bayern noch einen Vertrag bis zum 30.06.2026.
Der flexibel einsetzbare Raphaël Guerreiro hat beim FC Bayern noch einen Vertrag bis zum 30.06.2026.  © IMAGO/Markus Fischer
Sven Ulreich hat seinen zum Ende der vergangenen Saison ausgelaufen Vertrag noch einmal um ein Jahr bis zum 30.06.2026 verlängert.
Sven Ulreich hat seinen zum Ende der vergangenen Saison ausgelaufen Vertrag noch einmal um ein Jahr bis zum 30.06.2026 verlängert. © IMAGO/Mladen Lackovic
Frankreichs Nationalspieler Dayot Upamecano ist ebenfalls noch bis zum 30.06.2026 an den FCB gebunden. Aktuell wird bereits an einer Verlängerung seines Vertrags gearbeitet.
Frankreich Nationalspieler Dayot Upamecano ist ebenfalls noch bis zum 30.06.2026 an den FCB gebunden. Aktuell wird bereits an einer Verlängerung seines Vertrags gearbeitet. © IMAGO/Andrey Heuler/M.i.S.
Verteidiger Tarek Buchmann wurde in der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Der 20-Jährige hat einen gültigen Vertrag bis zum 30.06.2026.
Verteidiger Tarek Buchmann wurde in der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Der 20-Jährige hat einen gültigen Vertrag bis zum 30.06.2026. © IMAGO/Philippe Ruiz
Torjäger Harry Kane ist eine der wichtigsten Personalien beim FC Bayern. Der Engländer steht noch bis zum 30.06.2027 unter Vertrag.
Torjäger Harry Kane ist eine der wichtigsten Personalien beim FC Bayern. Der Engländer steht noch bis zum 30.06.2027 unter Vertrag. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Gleiches gilt für den österreichischen Nationalspieler Konrad Laimer. (30.06.2027)
Gleiches gilt für den österreichischen Nationalspieler Konrad Laimer. (30.06.2027) © IMAGO/Oryk HAIST
Kingsley Coman hat auch noch bis zum 30.06.2027 einen gültigen Vertrag. Der Franzose wurde in den letzten Monaten aber auch immer wieder mit einem Wechsel in Verbindung gebracht.
Kingsley Coman hat auch noch bis zum 30.06.2027 einen gültigen Vertrag. Der Franzose wurde in den letzten Monaten aber auch immer wieder mit einem Wechsel in Verbindung gebracht. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Paul Wanner ist von seiner Leihe zum 1. FC Heidenheim zurückgekehrt und steht beim FC Bayern noch bis zum 30.06.2027 unter Vertrag.
Paul Wanner ist von seiner Leihe zum 1. FC Heidenheim zurückgekehrt und steht beim FC Bayern noch bis zum 30.06.2027 unter Vertrag. © IMAGO/Markus Ulmer
João Palhinha konnte sich zuletzt über den Gewinn der Nations League mit Portugal freuen. Beim FC Bayern konnte er sich bislang noch nicht durchsetzen. Sein Vertrag läuft bis zum 30.06.2028.
João Palhinha hat den FC Bayern nach nur einer Saison bereits wieder verlassen und sich leihweise den Tottenham Hotspur angeschlossen. Sollten die Londoner darauf verzichten, von der Kaufoption Gebrauch zu machen, steht Palhinha noch bis zum 30.06.2028 beim FCB unter Vertrag. © IMAGO/Christian Schroedter
Hiroki Itos Zeit beim FCB war bislang vor allem von Verletzungspech geprägt. Der Japaner ist ebenfalls bis zum 30.06.2028 an den Meister gebunden.
Hiroki itos Zeit beim FCB war bislang vor allem von Verletzungspech geprägt. Der Japaner ist ebenfalls bis zum 30.06.2028 an den Meister gebunden. © IMAGO/Mladen Lackovic
Das trifft auch auf Ersatztorhüter Daniel Peretz zu. Sein Vertrag endet am 30.06.2028.
Aufgrund der großen Konkurrenz im Bayern-Tor ist Daniel Peretz an den Hamburger SV verliehen worden. In München läuft sein Vertrag noch bis zum 30.06.2028.  © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Bei Sacha Boey wurde zuletzt über eine mögliche Rückkehr zu seinem Ex-Verein Galatasaray Istanbul spekuliert. Der Franzose besitzt einen Vertrag mit Laufzeit bis zum 30.06.2028.
Bei Sacha Boey wurde zuletzt über eine mögliche Rückkehr zu seinem Ex-Verein Galatasaray Istanbul spekuliert. Der Franzose besitzt einen Vertrag mit Laufzeit bis zum 30.06.2028. © IMAGO/Juan Ignacio Roncoroni
Auch bei Min-Jae Kim, dessen Vertrag bis zum 30.06.2028 läuft, gab es zuletzt Gerüchte um einen möglichen Bayern-Abgang. Der Südkoreaner hatte außerdem mit hartnäckigen Achillessehnenproblemen zu kämpfen.
Auch bei Min-Jae Kim, dessen Vertrag bis zum 30.06.2028 läuft, gab es zuletzt Gerüchte um einen möglichen Bayern-Abgang. Der Südkoreaner hatte außerdem mit hartnäckigen Achillessehnenproblemen zu kämpfen. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Lange Zeit waren die zähen Vertragsverhandlungen zwischen Joshua Kimmich und dem FCB das Topthema in München. Verein und Spieler einigten sich dann aber doch noch auf einen Vertrag bis zum 30.06.2029.
Lange Zeit waren die zähen Vertragsverhandlungen zwischen Joshua Kimmich und dem FCB das Topthema in München. Verein und Spieler einigten sich dann aber doch noch auf einen Vertrag bis zum 30.06.2029. © IMAGO/Andrey Heuler/M.i.S.
Jonathan Tah soll beim FC Bayern zum neuen Abwehrchef werden. Dafür statteten die Verantwortlichen den Nationalspieler mit einem Vertrag bis zum 30.06.2029 aus.
Jonathan Tah soll beim FC Bayern zum neuen Abwehrchef werden. Dafür statteten die Verantwortlichen den Nationalspieler mit einem Vertrag bis zum 30.06.2029 aus. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg
Josip Stanisic hat sich beim Rekordmeister zu einer verlässlichen Alternative entwickelt. Sein Arbeitspapier läuft ebenfalls bis zum 30.06.2029.
Josip Stanisic hat sich beim Rekordmeister zu einer verlässlichen Alternative entwickelt. Sein Arbeitspapier läuft ebenfalls bis zum 30.06.2029. © IMAGO/Heuler Andrey
Michael Olise hat sich in München schnell zu einem der besten Bundesligaspieler entwickelt. Der Franzose hat auch einen Vertrag bis zum 30.06.2029.
Michael Olise hat sich in München schnell zu einem der besten Bundesligaspieler entwickelt. Der Franzose hat auch einen Vertrag bis zum 30.06.2029. © IMAGO/Thomas Pakusch
Genau wie Torhüter Jonas Urbig, der in dieser Saison einige Male als Neuer-Ersatz zum Einsatz kam und seine Sache doch immer sehr ordentlich machte.
Genau wie Torhüter Jonas Urbig, der in dieser Saison einige Male als Neuer-Ersatz zum Einsatz kam und seine Sache doch immer sehr ordentlich machte. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Aleksandar Pavlovic wurde in der vergangenen Saison unter anderem von Pfeifferschem Drüsenfieber ausgebremst. Sein Vertrag, der bis zum 30.06.2029 läuft, bietet ihm die perfekte Gelegenheit sich beim FCB in Ruhe zu entwickeln.
Aleksandar Pavlovic wurde in der vergangenen Saison unter anderem von Pfeifferschem Drüsenfieber ausgebremst. Sein Vertrag, der bis zum 30.06.2029 läuft, bietet ihm die perfekte Gelegenheit sich beim FCB zu in Ruhe zu entwickeln. © IMAGO/Laci Perenyi
Neuzugang Tom Bischof kam von der TSG Hoffenheim zum FC Bayern. Dort unterschrieb er einen Vertrag bis zum 30.06.2029.
Neuzugang Tom Bischof kam von der TSG Hoffenheim zum FC Bayern. Dort unterschrieb er einen Vertrag bis zum 30.06.2029. © IMAGO/Andrey Heuler/M.i.S.
Luis Diaz ist der Königstransfer des FC Bayern in diesem Sommer. Der Kolumbianer kam für 70 Millionen Euro vom FC Liverpool und hat einen bis zum 30.06.2029 gültigen Vertrag unterschrieben.
Luis Diaz ist der Königstransfer des FC Bayern in diesem Sommer. Der Kolumbianer kam für 70 Millionen Euro vom FC Liverpool und hat einen bis zum 30.06.2029 gültigen Vertrag unterschrieben. © IMAGO/Markus Ulmer
Alphonso Davies arbeitet nach seinem Kreuzbandriss bei der kanadischen Nationalmannschaft noch an seinem Comeback. Zuvor verlängerte er seinen Vertrag bis zum 30.06.2030.
Alphonso Davies arbeitet nach seinem Kreuzbandriss bei der kanadischen Nationalmannschaft noch an seinem Comeback. Zuvor verlängerte er seinen Vertrag bis zum 30.06.2030. © IMAGO/Ulrich Wagner
Da kann nur Dribbelkünstler Jamal Musiala mithalten: Auch sein Arbeitspapier läuft bis zum 30.06.2030. Er gab bei der Klub-WM im Spiel gegen Auckland sein Comeback nach überstandenem Muskelbündelriss.
Da kann nur Dribbelkünstler Jamal Musiala mithalten: Auch sein Arbeitspapier läuft bis zum 30.06.2030. Er gab bei der Klub-WM im Spiel gegen Auckland sein Comeback nach überstandenem Muskelbündelriss. © IMAGO/Andrey Heuler/M.i.S.

FCB-Campus-Eröffnung mit großen Hoffnungen

Als am 12. August 2017 die U17 des Rekordmeisters das Campus-Stadion mit der Partie in der Bundesligastaffel Süd / Südwest gegen den SC Freiburg einweihte, gab es beim FCB großen Anlass zu Optimismus: Eben dieser Jahrgang ging als amtierender Deutscher Meister in die neue Saison, die U19 verlor das DM-Finale unglücklich im Elfmeterschießen gegen Borussia Dortmund im Signal Iduna Park.

Und auch das Eröffnungsspiel machte Lust auf mehr: Der FCB-Nachwuchs ließ den Breisgauern beim 4:1-Sieg keine Chance, für die ganz in rot gekleideten Bayern liefen unter anderem die heutigen Bundesligaspieler Benedict Hollerbach und Angelo Stiller, letzterer mittlerweile sogar Nationalspieler, auf. Der überragende Mann auf dem Platz war aber der 16-jährige Bayernstürmer Oliver Batista-Meier, der den anwesenden Zuschauern bei jener Partie große Hoffnung machte, dass der Nachfolger von Franck Ribéry vom eigenen Campus kommen könnte. Zu „OBM“ später mehr.

Acht Jahre Campus: Viele große Talente, keine Titel

Um es gleich vorwegzunehmen: In keiner der acht Spielzeiten seit Campus-Eröffnung war der FCB-Nachwuchs (Maßstab U19, U17) nur annähernd so erfolgreich wie in der Saison 2016/17. Die U17 um Stiller, „OBM“, aber auch Joshua Zirkzee, erreichte zum Ende der Spielzeit 2017/18 zwar das Finale, unterlag aber im Campus-Stadion dem BVB mit 2:3. Der damals (angeblich) 13-Jährige Youssoufa Moukoko schoss ein Tor für Dortmund, glänzte dabei weniger mit Technik als körperlicher Robustheit. Eine andere traurige Campus-Geschichte, aber nicht die des FCB.

2017 kam auch Josip Stanišić (vom SC Fürstenfeldbruck) zum FC Bayern. Er agierte in der U19 des Rekordmeisters eher unscheinbar, wurde trotzdem zum deutschen(!) U-19-Nationalspieler. Dass der gebürtige Münchner später einmal Profi des FC Bayern und mit Kroatien WM-Dritter werden würde, ließen seine Campus-Leistungen nicht ansatzweise erhoffen. Selbst als 23-Jähriger wurde er vom FCB noch als „Zukunftshoffnung“ nach Leverkusen verliehen.

Trotz Jamal Musiala, Malik Tillman, Joshua Zirkzee, Angelo Stiller, auch Frans Krätzig (der von U17-Coach Miro Klose wegen seiner Schmächtigkeit sogar ausgemustert wurde), Aleksandar Pavlović, Paul Wanner und vielen anderen großen Talenten hatte keine FCB-Nachwuchsmannschaft mehr eine Chance auf den deutschen Meistertitel. Hauptgrund: Die individuelle Entwicklung wird am Campus als wichtiger eingestuft als der Teamerfolg. So wurden die besten U17-Spieler in die U19 hochgezogen, manchmal gar schon zu den Bayern Amateuren in die Regionalliga, die besten U19-Spieler sowieso in die Regionalliga geschickt oder zur Weiterentwicklung verliehen.

Umdenken durch Kompany: Nachwuchs-Titel wieder möglich

Dass U17 und U19 des FC Bayern in der abgelaufenen Saison erstmals seit vielen Jahren wieder in die Nähe des deutschen Meistertitels gekommen sind - beide schieden im Halbfinale aus - ist übrigens auch ein Verdienst von Vincent Kompany. Als im Meisterschaftsendspurt - auch wegen der zahlreichen Verletzungen - viele außenstehende Experten vehement den Einsatz von Campus-Spielern bei den Profis forderten, erwiderte er auf Pressekonferenzen, dass sich diese lieber darauf konzentrieren sollten, mit ihren Teams Titel einzufahren. Kompany - der Teamplayer.

Vom Campus-Spieler zum FCB-Profi: Es gibt nicht den einen „Königsweg“

Um beim FC Bayern Profi zu werden, gar Stamm- und Führungsspieler, benötigt man ein riesiges Talent, aber auch großes Durchsetzungsvermögen und durchaus Geduld. Die Wege sind unterschiedlich: Musiala, ein Talent mit Weltklassepotenzial konnte sich schon als 17-Jähriger durchsetzen, Pavlović als 19-Jähriger, war aber laut eigener Information als Jugendlicher auf dem Campus kurz vor dem Scheitern.

Vincent Kompany und Lennart Karl vor der Meisterschalenübergabe in der Allianz Arena.

Stiller wurde als 20-Jähriger ungeduldig, ging nach Hoffenheim und ist nun als 24-Jähriger Nationalspieler beim VfB Stuttgart. Der absolute „Herzensverein“ des gebürtigen Münchners ist aber nach wie vor der FCB, für den er schon als Neunjähriger gekickt hatte. Wäre er geduldiger gewesen, die Bayern weitsichtiger, wäre er 2021 verliehen worden und wahrscheinlich heute beim Rekordmeister Nationalspieler.

Der für mich auffälligste und talentierteste FCB-Campus-Spieler bleibt aber - trotz Jamal Musiala - Oliver Batista-Meier. Nachdem er 19-jährig (2020) unter Hansi Flick einmal für den FC Bayern in der Bundesliga aufgelaufen ist, wurde er nach Heerenveen verliehen, 2022 fest an Dynamo Dresden abgegeben und spielt nun nach weiteren Stationen in Verl, Zürich, Ulm zweitklassig bei Preußen Münster. Unfassbar, aber auch ein Beweis dafür, dass Talent alleine nicht ausreicht, um sich bei einem Weltklasseverein wie dem FCB durchsetzen zu können.

Babbel kritisiert FCB, speziell Kompany für seine „Mutlosigkeit“

Zurück zur aktuellen Campus-Situation des FC Bayern, für welche speziell Kompany sehr viel Kritik einstecken muss. Stellvertretend für die Mahner plädiert der frühere Bayern-Profi Markus Babbel in einem Interview bei sport.de für ein Umdenken. Obwohl der heutige TV-Experte von Kompany generell überzeugt ist: „Was mir gar nicht gefällt, ist, dass er nicht den Mut hat, junge Spieler einzubauen. Die Klub-Weltmeisterschaft war ja eigentlich dafür prädestiniert.“

Kompany hatte in den USA in erster Linie auf arrivierte Kräfte gesetzt, lediglich gegen den Ozeanienmeister Auckland City kamen Lennart Karl und Adam Aznou zum Einsatz. „Wir reden ja von Talenten, die etwas können. Das sind ja keine Blindgänger“, monierte Babbel: „Man schmeißt ja nicht irgendjemanden dort rein, weil er den Platz irgendwo gewonnen hat und mal bei den Profis mitspielen darf ... Das sind die besten Nachwuchskicker, die es in Deutschland oder zum Teil sogar in Europa gibt. Aber es kommt keiner durch.“

Der 52-Jährige mag es nicht glauben, dass beim Bayern kein Nachwuchsspieler spielt, der gut genug für die Profis ist: „Nur braucht man natürlich auch einen Trainer, einen Manager, eine Führungsriege, die alle den Mumm haben, eben auch die jungen Spieler reinzuschmeißen“.

Babbel liegt gewaltig falsch

Was Babbel und einigen anderen „Experten“ dabei entgangen zu sein scheint: Das Turnier in den USA ist eine Weltmeisterschaft und kein gewöhnliches Vorbereitungsturnier auf eine Saison. Dabei geht es um Prämien von bis zu 100 Millionen Euro und sehr sehr viel Prestige, eben einen WM-Titel. Es ist durchaus eine naive gar abenteuerliche Forderung, dieses Turnier als Rahmen für ein Schaulaufen von Jugendspielern anzusehen.

Und dann driftet der 51-fache deutsche Nationalspieler noch weiter ab. Als er Aleksandar Pavlović als das einzige Positivbeispiel für die Campus-Arbeit des FC Bayern benennt, behauptet er ergänzend: „Das war ein reines Zufallsprodukt, weil Thomas Tuchel so sauer war, dass er seinen Sechser nicht bekommen hat. Dann hat er fast zur Strafe der Bosse Pavlović gebracht, um zu zeigen, dass man ihm seinen Wunsch-Sechser hätte kaufen sollen“.

Pavlovic hätte es laut Babbel nie geschafft, „wenn nicht Thomas Tuchel mehr oder weniger so ein eigensinniger Mensch wäre und es eigentlich nur den Leuten zeigen wollte. Nach dem Motto: ‚Ich hab ja nix‘.“

Pavlović kein Zufallsprodukt, durch Fleiß und Intelligenz zum Nationalspieler

Sehr populistisch und so falsch, dass sich Markus Babbel damit endgültig aus dem Kreis der FCB-Campus-Insider verabschiedet hat. Es ist bekannt, dass der damals 18-jährige Pavlović bei vielen Trainingseinheiten der Profis des FC Bayern mitmachen durfte, als Tuchel Ende März 2023 den Trainerposten von Julian Nagelsmann übernommen hatte.

Dazu ein Auszug einer PK vom 7. November 2023, als der heutige England-Coach zu Pavlović nach dessen ersten beiden kürzeren BL-Einsätzen gefragt wurde: „Er ist schon eine Alternative im Mittelfeld. Er hat in der Vorbereitung gegen ManCity und Liverpool sensationell gut gespielt. Immer wenn er gespielt hat, hat er sehr gut gespielt.“

Tuchel erinnerte auch daran, warum der heutige Nationalspieler für einige Zeit tatsächlich außen vor war: „Dann hat er sich eine Krankheit eingefangen, die ihn mehrere Wochen außer Gefecht gesetzt hat. Er ist ein sehr schlauer, sehr strategischer Spieler. Das, was er macht, macht er mit vollem Bewusstsein. Er ist extrem fleißig und ein netter Kerl. Er kommt jeden Tag mit einem Strahlen im Gesicht ins Training. Es sind alle Voraussetzungen gegeben, dass er seinen Weg gehen wird. Mit seiner Leistung in Dortmund war ich sehr zufrieden und es ist klar, dass es nicht sein letztes Spiel war.“

Wanner und Lennart: Talente, aber noch keine fertigen FCB-Spieler

Markus Babbels These mit dem „Zufallsprodukt“ wird durch Tuchel ad absurdum geführt. Nun rät der ehemalige FCB-Spieler seinem Ex-Verein konkret zum Einsatz von Paul Wanner und Lenart Karl: „Das sind auf alle Fälle zwei Spieler, die in meinen Augen das Potenzial haben, dort zu spielen. Paul Wanner hat eine tolle Entwicklung genommen.“

Glücklicherweise hat Babbel Kompany nun nicht dafür getadelt, dass er den 19-jährigen Wanner nicht bei der WM eingesetzt hat. Der junge Mann hatte nämlich selbst den Entschluss gefasst, nicht mit den FCB-Profis in die USA zu reisen, sondern mit der deutschen U21 die EM in der Slowakei zu spielen. Die Deutschen wurden gefeierte Vize-Europameister, Wanner konnte dagegen zumeist als Ergänzungsspieler (noch) nicht großartig glänzen.

Die „Öffentlichkeit“ forderte schon Einsätze beim 16-jährigen Wanner

Der gebürtige Österreicher (Dornbirn) ist übrigens der jüngste jemals in der Bundesliga vom FC Bayern eingesetzte Spieler: Nachdem ein Dutzend Profis Corona-bedingt ausgefallen waren und die DHL dem FCB keine Spielverlegung genehmigt hatte, setzte Julian Nagelsmann Wanner Anfang Januar 2022 mit 16 Jahren und 15 Jahren gegen Borussia Mönchengladbach ein.

Danach kamen sehr schnell öffentliche Forderungen, den 16-Jährigen künftig häufiger einzusetzen. Nagelsmann reagierte darauf nach dem U19-Pokal-Halbfinale im März 2022, bei welchem der FCB dem VfB Stuttgart im heimischen Campus-Stadion mit 1:3 n.V. unterlag, indem er darauf hinwies, dass Wanner erst einmal solche Nachwuchspartien spielerisch dominieren müsste. Tat er definitiv nicht, er wurde Mitte der 2. Halbzeit - ohne vorher Akzente gesetzt zu haben - ausgewechselt.

Lennart Karl: Geduld und gute Ratschläge sind erforderlich

Tatsächlich kann man am FCB-Campus sehr wenige der Dauerkritiker persönlich antreffen: Michael Ballack regelmäßig, seltener Stefan Effenberg, selbst einen Christian Falk von der BILD. Einen Markus Babbel habe ich dort dagegen noch nie gesehen. Er könnte sich dann mit Lennart Karls „Mentor“ Ballack unterhalten, der hoffentlich mehr Geduld aufbringt als die Öffentlichkeit - und zwar mit den FCB-Verantwortlichen, aber auch den Talenten selbst.

Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com

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Eben jener Karl durfte mit gerade einmal 17 Jahren gegen Auckland City eine Halbzeit lang „WM-Luft“ schnuppern. Darauf darf er stolz sein und sollte nicht den externen Forderungen bezüglich seiner eigenen Profi-Einsatzzeiten zu viel Beachtung schenken. Er ist hochtalentiert, aber auch ihm wurden zuletzt selbst im Nachwuchsbereich die Grenzen aufgezeigt: In beiden Halbfinalspielen der U17 und U19, aber auch bei der U17-EM. Alles kein Beinbruch, wenn man die Gesamtsituation richtig einschätzt, geduldig und vernünftig bleibt.

Das gilt für Karl, aber auch Adam Aznou, Paul Wanner und den erst 16-jährigen Wisdom Mike, der eigentlich auch bei der Klub-WM dabei gewesen wäre. Die Schule hatte bei ihm aber Vorrang. Auch vernünftig.

Babbels eigener vernünftiger Weg als junger Spieler

Und Markus Babbel sollte sich an seine eigenen ersten Schritte im Profifußball erinnern: Als Achtjähriger kam er zum FC Bayern und als knapp 20-Jähriger wurde er für zwei Jahre an den HSV verliehen (1992-94), in einer Zeit, in welcher der FC Bayern ganz weit weg von europäischer Spitzenklasse war. Er kam als gestandener Bundesligaspieler zurück, war selbst geduldig und vernünftig geblieben. Diesen Ratschlag sollte er den jungen Spielern geben und nicht einen Coach kritisieren, der in jungen Jahren schon wesentlich erfolgreicher ist als er es selbst je war.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul

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