Vergessene Geschichte: Als der BVB schon einmal Weltmeister wurde
VonLars Pollmann
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Während alle auf die FIFA Klub-WM 2025 blicken, gerät in Vergessenheit: Der BVB war bereits Weltmeister. Die Geschichte des Weltpokal-Triumphs 1997.
Dortmund – Bei der FIFA Klub-WM geht es für Borussia Dortmund am Dienstagabend gegen Fluminense erstmals um Punkte. Die Qualifikation für das völlig neu aufgezogene Turnier in den USA mit insgesamt 32 Teilnehmern gelang dem BVB über eine UEFA-Rangliste dank kontinuierlicher Erfolge in der Champions League.
Als eines von zwölf Teams aus Europa gehört der BVB wohl automatisch zum erweiterten Favoritenkreis bei der Klub-WM, zumal die Form in den letzten Wochen der Bundesliga-Saison herausragend war. Dennoch sind einige andere Teams höher zu bewerten. Der Klub-Weltmeister-Titel für Dortmund wäre eine Überraschung. Dabei ist in Vergessenheit geraten, dass der BVB schon einmal die Fußballkönige stellte.
Diese Klubs haben Geschichte geschrieben: Alle Sieger der Klub-WM
Am 2. Dezember 1997 schrieben Michael Zorc und Heiko Herrlich Geschichte: Im Olympiastadion von Tokio besiegte der BVB als amtierender Champions-League-Sieger sein Pendant aus Südamerika, den brasilianischen Klub Cruzeiro Belo Horizonte, mit 2:0 und krönte sich zum Weltpokal-Sieger. Offiziell firmierte das Spiel seinerzeit übrigens eher unwürdig als „Toyota-Cup“.
Dortmunds Brasilianer Julio César spornte seine Mannschaftskollegen vor dem Spiel an: „Das ist ein Weltpokal-Finale! So etwas erreicht man nur einmal im Leben. Reißt Euch zusammen!“ Für Südamerikaner hatte der Pokal seinerzeit den höheren Stellenwert. Cruzeiro kaufte sogar namhaft ein, um die Chancen zu erhöhen, holte etwa Nationalspieler Bebeto.
Zorc und Herrlich schreiben BVB-Geschichte
Stattdessen war es in der 34. Minute aber Michael Zorc, der den BVB in Führung brachte. Auf Vorlage von Stéphane Chapuisat vollendete der Mittelfeldmann per Linksschuss. Der Routinier, der bereits seit 1981 das schwarz-gelbe Trikot trug, krönte damit gewissermaßen seine außergewöhnliche BVB-Laufbahn. Die Entscheidung fiel in der 85. Minute durch Heiko Herrlich, der BVB war inzwischen in personeller Überzahl.
So brannte nichts mehr an, Dortmund feierte den Titel, gleichzeitig das einzige echte Erfolgserlebnis unter Trainer Nevio Scala, der den im Sommer in die Chefetage gewechselten Ottmar Hitzfeld nie gleichwertig ersetzen konnte.
Der Weltpokal, offiziell „Intercontinental Cup“ genannt, war der Vorläufer der heutigen FIFA Klub-WM. Von 1960 bis 2004 traf dabei jährlich der Sieger der Champions League in Europa auf den Gewinner der Copa Libertadores in Südamerika. Ein einziges Spiel entschied über den inoffiziellen Weltmeister-Titel im Vereinsfußball.
Im Gegensatz zur heutigen Klub-WM mit 32 Teams war der Weltpokal viele Jahre lang ein reines Duell zwischen Europa und Südamerika. Die Bedeutung war dennoch immens: Real Madrid, AC Mailand, Bayern München, alle großen Vereine träumten von diesem Titel. Für den BVB war der Sieg ein Beweis, zur absoluten Weltspitze zu gehören.
BVB feierte „Krönung unserer Vereinsarbeit“
Das Preisgeld war im Vergleich zu den Millionen-Summen der heutigen FIFA Klub-WM allerdings geradezu unbedeutend. Doch der sportliche Wert war immens. „Der Weltpokal gehört zu den Titeln eines großen Vereins. Er zählt für mich fast mehr als der Gewinn der Champions League, da der Weltpokal den Sieg in der Champions League beinhaltet und voraussetzt“, feier der damalige Präsident Dr. Gerd Niebaum den Triumph.
Der Weltpokal war für ihn „die bisherige Krönung unserer Vereinsarbeit. Deutsche Meisterschaft, Gewinn der Champions League, Weltpokal – ein Zyklus ist abgeschlossen“, so Niebaum.
Was wurde aus den BVB-Helden?
Michael Zorc bleibt Borussia Dortmund sein Leben lang treu. Nach seiner aktiven Laufbahn wurde er Sportdirektor und prägte über zwei Jahrzehnte die Vereinspolitik. Erst 2022 trat der Weltpokal-Held zurück. Seine Verbundenheit zum BVB ist legendär.
Heiko Herrlich schlug nach der Spielerkarriere, die auch wegen eines Hirntumors früher als erhofft endete, eine Trainerlaufbahn ein. Mit Stationen beim DFB, bei Jahn Regensburg, Bayer Leverkusen und dem FC Augsburg führte ihn sein Weg auch in die Bundesliga.
Die FIFA Klub-WM 2025 hat mit dem Weltpokal von 1997 nur noch wenig gemein. Statt zwei Teams kämpfen nun 32 Mannschaften aus allen Kontinenten um die Krone. Das Turnier in den USA dauert einen Monat, es werden Preisgelder von insgesamt über 1 Milliarde Dollar ausgeschüttet.
Die mediale Aufmerksamkeit ist explodiert. Die Klub-WM dürfte 2025 von Milliarden Menschen beobachtet werden, der Streaminganbieter DAZN zeigt sie weltweit kostenfrei. Real Madrid, Manchester City, Paris Saint-Germain, die Top-Teams aus Südamerika: die Konkurrenz ist härter denn je.
Die Grundidee bleibt, die beste Vereinsmannschaft der Welt zu ermitteln. 1997 durfte sich der BVB mit diesen Federn schmücken. 28 Jahre nach dem Weltpokal-Triumph hat der BVB erneut die Chance auf den Weltmeistertitel. Die Umstände haben sich dramatisch verändert, doch der Traum bleibt derselbe.