Dortmund war 1997 auf dem Fußballthron

Vergessene Geschichte: Als der BVB schon einmal Weltmeister wurde

  • schließen

Während alle auf die FIFA Klub-WM 2025 blicken, gerät in Vergessenheit: Der BVB war bereits Weltmeister. Die Geschichte des Weltpokal-Triumphs 1997.

Dortmund – Bei der FIFA Klub-WM geht es für Borussia Dortmund am Dienstagabend gegen Fluminense erstmals um Punkte. Die Qualifikation für das völlig neu aufgezogene Turnier in den USA mit insgesamt 32 Teilnehmern gelang dem BVB über eine UEFA-Rangliste dank kontinuierlicher Erfolge in der Champions League.

Als eines von zwölf Teams aus Europa gehört der BVB wohl automatisch zum erweiterten Favoritenkreis bei der Klub-WM, zumal die Form in den letzten Wochen der Bundesliga-Saison herausragend war. Dennoch sind einige andere Teams höher zu bewerten. Der Klub-Weltmeister-Titel für Dortmund wäre eine Überraschung. Dabei ist in Vergessenheit geraten, dass der BVB schon einmal die Fußballkönige stellte.

Diese Klubs haben Geschichte geschrieben: Alle Sieger der Klub-WM

Corinthians (Brasilien) gewann die erste Klub-WM im Jahr 2000. Im rein brasilianischen Finale gegen Vasco da Gama setzten sie sich mit 4:3 im Elfmeterschießen durch..
Corinthians (Brasilien) gewann die erste Klub-WM im Jahr 2000. Im rein brasilianischen Finale gegen Vasco da Gama setzten sie sich mit 4:3 im Elfmeterschießen durch – und schrieben Geschichte. © Imago
São Paulo FC (Brasilien) holte sich 2005 den Titel gegen den FC Liverpool. Mit einem leidenschaftlichen Auftritt und Glanzleistungen in der Defensive gewannen sie das Finale mit 1:0. Zwischen 2001 und 2004 hatte das Turnier nicht stattgefunden, weshalb São Paulos Triumph die Rückkehr der Klub-Weltmeisterschaft markierte.
São Paulo FC (Brasilien) holte sich 2005 den Titel gegen den FC Liverpool. Mit einem leidenschaftlichen Auftritt und Glanzleistungen in der Defensive gewannen sie das Finale mit 1:0. © Imago
Sport Club Internacional (Brasilien) schockte 2006 den Favoriten FC Barcelona. Ein spätes Tor reichte zum 1:0-Sieg im Finale – und zur ersten internationalen Krönung.
Sport Club Internacional (Brasilien) schockte 2006 den Favoriten FC Barcelona. Ein spätes Tor reichte zum 1:0-Sieg im Finale – und zur ersten internationalen Krönung. © Imago
AC Milan (Italien) wurde 2007 der erste europäische Klub-Weltmeister des neuen Formats. Im spektakulären Endspiel gegen Boca Juniors gewannen die Rossoneri mit 4:2.
AC Milan (Italien) wurde 2007 der erste europäische Klub-Weltmeister des neuen Formats. Im spektakulären Endspiel gegen Boca Juniors gewannen die Rossoneri mit 4:2. © Imago
Manchester United FC (England) triumphierte 2008 mit einem knappen 1:0 gegen LDU Quito. Trotz Unterzahl war es ein verdienter Titel – das Tor erzielte Wayne Rooney.
Manchester United FC (England) triumphierte 2008 mit einem knappen 1:0 gegen LDU Quito. Trotz Unterzahl war es ein verdienter Titel – das Tor erzielte Wayne Rooney. © Imago
FC Barcelona (Spanien) sicherte sich 2009 erstmals den Titel. Gegen Estudiantes aus Argentinien gelang in der Verlängerung ein 2:1 – Messi traf per Brust zum Sieg.
FC Barcelona (Spanien) sicherte sich 2009 erstmals den Titel. Gegen Estudiantes aus Argentinien gelang in der Verlängerung ein 2:1 – Messi traf per Brust zum Sieg. © Imago
Inter Mailand (Italien) dominierte 2010 das Finale gegen TP Mazembe mit 3:0. Der Klub krönte sein Triple-Jahr mit einem souveränen Weltpokal-Sieg.
FC Internazionale Milano (Italien) dominierte 2010 das Finale gegen TP Mazembe mit 3:0. Der Klub krönte sein Triple-Jahr mit einem souveränen Weltpokal-Sieg. © Imago
FC Barcelona (Spanien) dominierte 2011 eines der einseitigsten Finalspiele aller Zeiten. Gegen Santos siegten sie mit 4:0 – Messi, Xavi & Co. auf dem Höhepunkt.
FC Barcelona (Spanien) zeigte 2011 eines der einseitigsten Finalspiele aller Zeiten. Gegen Santos siegten sie mit 4:0 – Messi, Xavi & Co. auf dem Höhepunkt. © Imago
Corinthians (Brasilien) holte 2012 den zweiten Titel der Vereinsgeschichte. Im Finale gegen Chelsea war ein spätes Tor entscheidend – und São Paulo feierte.
Corinthians (Brasilien) holte 2012 den zweiten Titel der Vereinsgeschichte. Im Finale gegen Chelsea war ein spätes Tor entscheidend – und São Paulo feierte. © Imago
FC Bayern München (Deutschland) gewann 2013 mit 2:0 gegen Raja Casablanca. Das Finale war die Krönung des historischen Triple-Jahres unter Jupp Heynckes.
FC Bayern München (Deutschland) gewann 2013 mit 2:0 gegen Raja Casablanca. Das Finale war die Krönung des historischen Triple-Jahres unter Jupp Heynckes. © Imago
Real Madrid (Spanien) holte 2014 seinen ersten Klub-WM-Titel. Mit dem 2:0 gegen San Lorenzo zeigte das Team eine abgeklärte Leistung auf dem Weg zur Weltkrone.
Real Madrid CF (Spanien) holte 2014 seinen ersten Klub-WM-Titel. Mit 2:0 gegen San Lorenzo zeigte das Team eine abgeklärte Leistung auf dem Weg zur Weltkrone. © Imago
FC Barcelona (Spanien) gewann 2015 erneut – mit einem 3:0 gegen River Plate. Messi, Suárez und Neymar brillierten in einem einseitigen Finale.
FC Barcelona (Spanien) gewann 2015 erneut – mit einem 3:0 gegen River Plate. Messi, Suárez und Neymar brillierten in einem einseitigen Finale. © Imago
Real Madrid (Spanien) sicherte sich 2016 den Titel gegen Kashima Antlers. In einem spannenden Spiel traf Cristiano Ronaldo dreimal – 4:2 nach Verlängerung.
Real Madrid CF (Spanien) sicherte sich 2016 den Titel gegen Kashima Antlers. In einem spannenden Spiel traf Cristiano Ronaldo dreimal – 4:2 nach Verlängerung. © Imago
Real Madrid (Spanien) verteidigte 2017 den Titel. Gegen Grêmio aus Brasilien reichte ein Ronaldo-Freistoß zum 1:0 – es war der dritte Titel binnen vier Jahren.
Real Madrid CF (Spanien) verteidigte 2017 den Titel. Gegen Grêmio aus Brasilien reichte ein Ronaldo-Freistoß zum 1:0 – es war der dritte Titel binnen vier Jahren. © Imago
Real Madrid (Spanien) krönte 2018 eine beispiellose Klub-WM-Ära mit dem dritten Titel in Folge. Gegen Al Ain gewannen die Königlichen das Finale souverän mit 4:1.
Real Madrid CF (Spanien) krönte 2018 eine beispiellose Klub-WM-Ära mit dem dritten Titel in Folge. Gegen Al Ain gewannen sie das Finale souverän mit 4:1. © Imago
Der FC Liverpool (England) feierte 2019 seinen ersten Klub-WM-Titel. Roberto Firmino schoss das entscheidende Tor gegen Flamengo in der Verlängerung.
Der FC Liverpool (England) feierte 2019 seinen ersten Klub-WM-Titel. Roberto Firmino schoss das entscheidende Tor gegen Flamengo in der Verlängerung. © William Volcov via www.imago-images.de
FC Bayern München (Deutschland) gewann 2020 gegen Tigres mit 1:0. Damit sicherte sich der Klub sechs Titel in einem Jahr – ein historisches Kunststück.
FC Bayern München (Deutschland) gewann 2020 gegen Tigres mit 1:0. Damit sicherte sich der Klub sechs Titel in einem Jahr – ein historisches Kunststück. © Imago
Chelsea FC (England) holte 2021 erstmals die Klub-WM. In einem umkämpften Finale gegen Palmeiras fiel der Siegtreffer per Elfmeter in der Verlängerung.
Chelsea FC (England) holte 2021 erstmals die Klub-WM. In einem umkämpften Finale gegen Palmeiras fiel der Siegtreffer per Elfmeter in der Verlängerung. © Imago
Real Madrid (Spanien) feierte 2022 mit einem 5:3 gegen Al Hilal seinen insgesamt fünften Klub-WM-Titel – Rekord! Ein offensives Feuerwerk im Finale.
Real Madrid CF (Spanien) feierte 2022 mit einem 5:3 gegen Al Hilal seinen insgesamt fünften Klub-WM-Titel – Rekord! Ein offensives Feuerwerk im Finale. © Imago
Manchester City (England) dominierte das Finale 2023 gegen Fluminense mit 4:0. Pep Guardiolas Team krönte damit das historische Triple-Jahr.
Manchester City FC (England) dominierte das Finale 2023 gegen Fluminense mit 4:0. Pep Guardiolas Team krönte damit das historische Triple-Jahr. © Imago

1997 erklomm der BVB den Fußballthron

Am 2. Dezember 1997 schrieben Michael Zorc und Heiko Herrlich Geschichte: Im Olympiastadion von Tokio besiegte der BVB als amtierender Champions-League-Sieger sein Pendant aus Südamerika, den brasilianischen Klub Cruzeiro Belo Horizonte, mit 2:0 und krönte sich zum Weltpokal-Sieger. Offiziell firmierte das Spiel seinerzeit übrigens eher unwürdig als „Toyota-Cup“.

Dortmunds Brasilianer Julio César spornte seine Mannschaftskollegen vor dem Spiel an: „Das ist ein Weltpokal-Finale! So etwas erreicht man nur einmal im Leben. Reißt Euch zusammen!“ Für Südamerikaner hatte der Pokal seinerzeit den höheren Stellenwert. Cruzeiro kaufte sogar namhaft ein, um die Chancen zu erhöhen, holte etwa Nationalspieler Bebeto.

Zorc und Herrlich schreiben BVB-Geschichte

Stattdessen war es in der 34. Minute aber Michael Zorc, der den BVB in Führung brachte. Auf Vorlage von Stéphane Chapuisat vollendete der Mittelfeldmann per Linksschuss. Der Routinier, der bereits seit 1981 das schwarz-gelbe Trikot trug, krönte damit gewissermaßen seine außergewöhnliche BVB-Laufbahn. Die Entscheidung fiel in der 85. Minute durch Heiko Herrlich, der BVB war inzwischen in personeller Überzahl.

So brannte nichts mehr an, Dortmund feierte den Titel, gleichzeitig das einzige echte Erfolgserlebnis unter Trainer Nevio Scala, der den im Sommer in die Chefetage gewechselten Ottmar Hitzfeld nie gleichwertig ersetzen konnte.

Julio César holte 1997 mit dem BVB den Weltpokal: Ein Vorbild für die Mannschaft Niko Kovač.

Was war der Weltpokal eigentlich?

Der Weltpokal, offiziell „Intercontinental Cup“ genannt, war der Vorläufer der heutigen FIFA Klub-WM. Von 1960 bis 2004 traf dabei jährlich der Sieger der Champions League in Europa auf den Gewinner der Copa Libertadores in Südamerika. Ein einziges Spiel entschied über den inoffiziellen Weltmeister-Titel im Vereinsfußball.

Im Gegensatz zur heutigen Klub-WM mit 32 Teams war der Weltpokal viele Jahre lang ein reines Duell zwischen Europa und Südamerika. Die Bedeutung war dennoch immens: Real Madrid, AC Mailand, Bayern München, alle großen Vereine träumten von diesem Titel. Für den BVB war der Sieg ein Beweis, zur absoluten Weltspitze zu gehören.

BVB feierte „Krönung unserer Vereinsarbeit“

Das Preisgeld war im Vergleich zu den Millionen-Summen der heutigen FIFA Klub-WM allerdings geradezu unbedeutend. Doch der sportliche Wert war immens. „Der Weltpokal gehört zu den Titeln eines großen Vereins. Er zählt für mich fast mehr als der Gewinn der Champions League, da der Weltpokal den Sieg in der Champions League beinhaltet und voraussetzt“, feier der damalige Präsident Dr. Gerd Niebaum den Triumph.

Der Weltpokal war für ihn „die bisherige Krönung unserer Vereinsarbeit. Deutsche Meisterschaft, Gewinn der Champions League, Weltpokal – ein Zyklus ist abgeschlossen“, so Niebaum.

Was wurde aus den BVB-Helden?

Michael Zorc bleibt Borussia Dortmund sein Leben lang treu. Nach seiner aktiven Laufbahn wurde er Sportdirektor und prägte über zwei Jahrzehnte die Vereinspolitik. Erst 2022 trat der Weltpokal-Held zurück. Seine Verbundenheit zum BVB ist legendär.

Heiko Herrlich schlug nach der Spielerkarriere, die auch wegen eines Hirntumors früher als erhofft endete, eine Trainerlaufbahn ein. Mit Stationen beim DFB, bei Jahn Regensburg, Bayer Leverkusen und dem FC Augsburg führte ihn sein Weg auch in die Bundesliga.

Spielplan zur Klub-WM 2025

Laden Sie sich unseren übersichtlichen Spielplan zur FIFA-Klub-WM 2025 HIER kostenlos herunter und behalten Sie alle Begegnungen und Termine im Überblick. Tragen Sie alle Ergebnisse in die vorgesehenen Felder ein und fiebern Sie mit Ihrem Lieblings-Team mit.

Von 1997 zu 2025: Revolution im Weltfußball

Die FIFA Klub-WM 2025 hat mit dem Weltpokal von 1997 nur noch wenig gemein. Statt zwei Teams kämpfen nun 32 Mannschaften aus allen Kontinenten um die Krone. Das Turnier in den USA dauert einen Monat, es werden Preisgelder von insgesamt über 1 Milliarde Dollar ausgeschüttet.

Die mediale Aufmerksamkeit ist explodiert. Die Klub-WM dürfte 2025 von Milliarden Menschen beobachtet werden, der Streaminganbieter DAZN zeigt sie weltweit kostenfrei. Real Madrid, Manchester City, Paris Saint-Germain, die Top-Teams aus Südamerika: die Konkurrenz ist härter denn je.

Die Grundidee bleibt, die beste Vereinsmannschaft der Welt zu ermitteln. 1997 durfte sich der BVB mit diesen Federn schmücken. 28 Jahre nach dem Weltpokal-Triumph hat der BVB erneut die Chance auf den Weltmeistertitel. Die Umstände haben sich dramatisch verändert, doch der Traum bleibt derselbe.

Rubriklistenbild: © Montage/IMAGO / Team 2/ osnapix

Kommentare