Kampf um Europa

Eintracht Frankfurt im Verteidigungsmodus

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Plumpes Foul: Aurelio Buta (links) bringt Donyell Malen zu Fall.
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Für Eintracht Frankfurt geht es nach dem 1:3 in Dortmund nur noch darum, irgendwie Platz sechs zu behaupten. Der FC Augsburg sitzt den Hessen ein bisschen im Nacken.

Als eiskalter Torjäger ist Kristijan Jakic bisher nicht auffällig geworden. Ist ja klar. Der 26 Jahre alte Terrier hat andere Aufgaben, Löcher stopfen, Gegner piesacken, dazwischenfegen. Das kann er, da macht ihm kaum einer etwas vor, zur Not würde er auch gegen Bahnschwellen treten, wenn er damit seiner Mannschaft helfen könnte. Am Wochenende aber nun glänzte der Kroate, von Frankfurt nach Augsburg ausgeliehen, auf ungewohntem Terrain, er schnürte seinen ersten Doppelpack in der Bundesliga, zwei blitzsaubere Treffer für den FCA zum 3:1-Auswärtserfolg in Wolfsburg. Sapperlot.

Das kostete Landsmann und Ex-Eintracht-Trainer Niko Kovac den Job, Jakic brachte es seine erste Nominierung für die „Kicker“-Elf des Spieltags – und den Augsburgern, die die Mannschaft der Stunde stellen, bescherte er den vierten Sieg in Serie. Im Klassement liegen sie nun auf Rang sieben in Lauerstellung. Eintracht Frankfurt auf dem ersten regulären Europapokalplatz ist nur noch fünf Punkte entfernt. Und bei den Hessen kennt man sich ganz gut damit aus, einen Vorsprung leichtfertig zu verspielen. Und täglich grüßt das Murmeltier? „Augsburg ist näher gerückt“, hat der Frankfurter Torwart Kevin Trapp trocken festgestellt.

Jakic hat sich für die bayerischen Schwaben längst als Volltreffer erwiesen, der Abräumer im Mittelfeld ist Stammkraft und Leistungsträger, prägt das Spiel durch seine ungezügelte Kampfeslust. „Mit welcher Power er in die Zweikämpfe geht, das ist überragend“, lobt Trainer Jess Thorup.

In Frankfurt fühlte sich der Kroate zuletzt gar nicht mehr wohl, war nur noch Notnagel und Lückenbüßer, und besonders viel spricht nicht dafür, dass er an den Main zurückkehren wird. Der FC Augsburg verfügt über eine im Vertrag verankerte Kaufoption in Höhe von fünf Millionen Euro. Das ist zwar kein Pappenstiel, aber Stand jetzt sehen die Verantwortlichen diese Investition als gewinnbringend und sinnvoll. Und dass ausgerechnet einer, der bis vor wenigen Monaten noch für die Eintracht spielte, maßgeblich am Aufschwung des FCA mitwirkt und seinem Stammverein als Jäger im Nacken sitzt, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Jakic aber spielte in den Überlegungen von Dino Toppmöller kaum eine Rolle, die Eintracht verfolgt eher den spielerischen Ansatz. Jakic ist eher der Eisenmann. Gleichwohl hätte er dem Eintracht-Spiel in manchen Situationen gut getan. Wie dem auch sei.

Zu Hause eine Macht

Die Frankfurter werden nun alle Kräfte mobilisieren, um Platz sechs mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, denn seit Sonntagabend steht so ziemlich sicher fest, dass nach oben nichts mehr geht. Hätte die Eintracht RB Leipzig oder Borussia Dortmund noch attackieren wollen, hätte sie beim BVB punkten müssen, am besten in dreifacher Ausfertigung. Nach der unnötigen, aber nicht unverdienten 1:3-Niederlage ist der Zug Richtung Königsklasse abgefahren: Leipzig ist neun Punkte vorweg, Dortmund zehn. Und tschüss.

Das ist zu viel, und ehrlicherweise muss man anfügen, dass eine Champions-League-Qualifikation ohnehin höchst unrealistisch war, intern auch nie als Zielvorgabe benannt wurde und sie auch einfach nicht verdient wäre. Die Eintracht ist in der Saison des Umbruchs mit Rang sechs bestens bedient, gar keine Frage.

Diese Platzierung würde am Ende eine erneute Teilnahme an der Conference League bedeuten, den Wettbewerb, mit dem die Eintracht in dieser Saison ganz schön fremdelte und der so gar keine Magie entfalten wollte.

Im besten Fall könnte es aber auch die Europa League werden, nämlich dann, wenn die Bundesliga einen fünften Champions-League-Platz erhalten würde. Die Uefa vergibt ja an die beiden besten Verbände der laufenden internationalen Spielzeit je einen zusätzlichen Startplatz; Deutschland liegt noch auf Rang zwei der Koeffizienten-Rangliste, doch die Engländer drohen vorbeizuziehen. Oder aber Bayer Leverkusen gewinnt den DFB-Pokal, auch dann ginge es für den Bundesligasechsten in die Europa League.

Die Frankfurter haben noch alle Trümpfe in der Hand, in den verbleibenden acht Partien genießen sie gleich fünfmal Heimrecht, Union Berlin, Werder Bremen und der FC Augsburg sind Kontrahenten, die es zu schlagen gilt, aber auch gegen Bayer Leverkusen und RB Leipzig sahen sie in der Vergangenheit im heimischen Stadtwald immer gut aus.

Buta patzt wieder

Zumal die Eintracht zu Hause sehr wohl eine Macht ist. In den vergangenen eineinhalb Jahren verlor sie nur eine Partie von 22 Bundesligaspielen im Waldstadion, im November gegen den VfB Stuttgart (1:2). Zehn Punkte müsste sie wohl noch in etwa holen, in den zurückliegenden fünf Jahren kam der Sechste stets auf 50 oder mehr Zähler. Nur Hertha BSC (49, 2016/17) und Schalke 04 (48, 2014/15) reichten in der letzten Dekade mal weniger.

Es ist jedenfalls nicht davon auszugehen, dass die erwartbare Niederlage in Dortmund die Mannschaft umwerfen wird. „Es ist kein Rückschritt, dort zu verlieren“, sagt Abwehrchef Robin Koch, der sich postwendend zur deutschen Nationalmannschaft verabschiedet hat.

Die Schlappe in Westfalen war für die Eintracht dennoch ärgerlich, weil der BVB keinen Sahnetag erwischte. Doch letztlich fehlte der jungen Frankfurter Mannschaft der Mut, beherzter nach vorne zu spielen und der Borussia wehzutun. Das ist auch der große Unterschied zu vielen Heimspielen, da ist das Selbstverständnis im Spiel ein anderes, vielleicht war der Respekt vor dem BVB und dem Stadion zu groß.

Und natürlich ist es schwer, Spiele in Dortmund zu gewinnen, wenn es immer wieder nach ruhenden Bällen im eigenen Kasten einschlägt (und man andererseits seit einer gefühlten Ewigkeit kein eigenes Tor nach einem Standard geschossen hat). Und auch die individuellen Fehlleistungen ziehen sich wie ein roter Faden durch. Bezeichnend: Aurelio Buta, ohnehin völlig von der Rolle, patzte vor dem 2:1 entscheidend, brachte erst Mitspieler Willian Pacho in Bedrängnis (der seinerseits einen seltsamen Fehlpass spielte) und verursachte dann plump den Freistoß, der zum Tor führte. Das kann mal passieren, klar, ist aber in der Summe und Häufigkeit doch eine Frage der Qualität.

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