Kommentar zum aufbrausenden TV-Auftritt von Bayern-Patron Hoeneß
VonPeter Grad
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Ein TV-Auftritt von Uli Hoeneß sorgt wieder für viel Wirbel. Aussagen über Max Eberl und den Jackson-Deal sorgen für Verwunderung und auch Ärger. Ein Kommentar
München – Wenn die deutschen Fußballmedien tagelang Gesprächsthemen haben wollen, laden sie den FCB-Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß zum Interview oder noch besser in eine Live-Sendung ein. An der Säbener Straße werden wohl schon beim Bekanntwerden eines derartigen „Events“ zahlreiche Schweißperlen bei einigen Verantwortlichen auf der Stirn stehen. Die Aussagen des 73-Jährigen verursachen ihnen permanent Stress.
So auch nach dem Hoeneß-Auftritt im SPORT1-Doppelpass: Der FCB-Patron enthüllte dabei unter anderem nicht nur bisher unbekannte Details zum Last-Minute-Transfer von Nicolas Jackson, sondern schloss mit seiner Darstellung - wohl eher ungewollt - eine spätere Festverpflichtung des Stürmers de facto aus. Die Reaktion des Spielerlagers ließ nicht lange auf sich warten.
Der Rekordmeister verkündete kurz vor Transferschluss stolz die Leihe des senegalesischen Nationalspielers vom FC Chelsea, laut übereinstimmenden Medienmeldungen für eine Leihgebühr von 16,5 Millionen Euro. Dies korrigierte Hoeneß im DoPa: „Der Spieler und sein Berater übernehmen drei Millionen Euro. Das heißt, der Spieler kostet 13,5 Millionen.“ Damit bestätigte er indirekt, dass Jackson selbst finanzielle Abstriche in Kauf nahm, um den Wechsel nach München zu ermöglichen.
Unnötige Hoeneß-Einschätzung mit großem Ärger-Potenzial
An dieser Information ist nichts zu kritisieren, der 24-Jährige erscheint dabei sogar in einem positiven Licht. Bei der Darstellung von neuen Details zur angeblichen Kaufpflicht wird es aber schon heikler. Diese liegt bei 65 Millionen Euro - Hoeneß bestätigte die Summe - wird aber erst unter besonderen Bedingungen wirksam. So präzisierte der frühere Bayern-Manager, dass es sich dabei um mindestens 40 Startelfeinsätze handeln würde, um die Kaufpflicht auszulösen. Und konnte sich leider seine eigene Einschätzung dazu nicht verkneifen: „Das macht er nie!“ Damit verdeutlichte er, dass man beim FC Bayern nicht mit einer (automatischen) Festverpflichtung Jacksons planen würde.
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Derartige Äußerungen in der Öffentlichkeit sind taktisch nicht nur äußerst ungeschickt, sondern lösen auch Reaktionen aus. So meldete sich Jackson-Berater Diomansy Kamara wenige Stunden nach den Hoeneß-Aussagen via Instagram zu Wort: „Viele reden, aber nur wenige sagen die Wahrheit.“ Ohne den 73-Jährigen namentlich zu erwähnen, deutete Kamara eindeutig an, dass er mit den getätigten Aussagen alles andere als einverstanden ist. Dennoch wollte er selbst nicht öffentlich nachlegen: „Unsere einzige Priorität ist das entscheidende Spiel Senegals um die WM-Qualifikation. Der Rest wird zu gegebener Zeit geklärt.“
Hoeneß könnte Eberls Verhandlungsposition mit Chelsea erschwert haben
Grundsätzlich ist an der Logik von den Hoeneß-Aussagen wenig auszusetzen: Nur ganz wenige Bayernspieler werden in der anlaufenden Spielzeit auf über 40 Startelfeinsätze kommen. Nachdem Jackson auch als Back-Up zu Harry Kane eingeplant ist, erscheint dies bei ihm tatsächlich fast ausgeschlossen. Schlägt der 24-Jährige beim FCB trotzdem ein, wird es zur neuen Saison sicherlich Verhandlungen über eine - nach unten angepasste - Ablösesumme geben. Nicht nur der Spielerseite, auch dem FC Chelsea könnten die Hoeneß-Statements jedoch bitter aufstoßen, Max Eberl & Co. könnten das wiederum ausbaden müssen.
Hoeneß-Kritik an Eberl - ungewollt?
Apropos Max Eberl: Auch wenn der FCB-Patron durchaus durchklingen ließ, dass man an der Säbener Straße grundsätzlich mit seiner Arbeit zufrieden ist und von Vereinsseite keineswegs an eine Beendigung der Zusammenarbeit denken würde, bekam der 51-Jährige von Hoeneß in aller Öffentlichkeit mehr Breitseiten ab, als dieser möglicherweise selbst austeilen wollte.
Eberl wäre zu empfindlich - verglichen mit Hoeneß und seinem früheren „Streitpartner“ Karl-Heinz Rummenigge, er müsse sich an die „Teamarbeit“ beim Rekordmeister noch gewöhnen und solange mit den Einmischungen des Patrons rechnen, bis dieser - zusammen mit Rummenigge - der Meinung sei, dass er tatsächlich der richtige Nachfolger sei. Dieses Statement galt schon für die bereits gechassten Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić, wohl aber neben Eberl, Sportdirektor Christoph Freund auch für den aktuellen CEO Jan-Christian Dreesen.
Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com
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Der 73-Jährige wird immer der „Mister FC Bayern“ bleiben, sein Anteil an der grandiosen Entwicklung des Rekordmeisters ist unendlich groß, aber er sollte nun darauf aufmerksam gemacht werden, dass sein permanentes Einwirken auf ärgerliche Weise immer kontraproduktiver wird. Seine eigene Fehlerhaftigkeit bei öffentlichen Auftritten nimmt zeitgleich erheblich zu: Mal verwechselt er Newcastle (United) mit Nottingham (Forrest), mal verrechnet er sich auffällig: 16,5 minus 3 sind eben nicht 13! Alles im Namen des FC Bayern - nicht gut!