Hat es die FCB-Legende übertrieben?

Kommentar zum aufbrausenden TV-Auftritt von Bayern-Patron Hoeneß

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Ein TV-Auftritt von Uli Hoeneß sorgt wieder für viel Wirbel. Aussagen über Max Eberl und den Jackson-Deal sorgen für Verwunderung und auch Ärger. Ein Kommentar

München – Wenn die deutschen Fußballmedien tagelang Gesprächsthemen haben wollen, laden sie den FCB-Ehrenpräsidenten Uli Hoeneß zum Interview oder noch besser in eine Live-Sendung ein. An der Säbener Straße werden wohl schon beim Bekanntwerden eines derartigen „Events“ zahlreiche Schweißperlen bei einigen Verantwortlichen auf der Stirn stehen. Die Aussagen des 73-Jährigen verursachen ihnen permanent Stress.

Uli Hoeneß: Der Patron des FC Bayern.

Hoeneß gibt neue Details zum Jackson-Deal preis

So auch nach dem Hoeneß-Auftritt im SPORT1-Doppelpass: Der FCB-Patron enthüllte dabei unter anderem nicht nur bisher unbekannte Details zum Last-Minute-Transfer von Nicolas Jackson, sondern schloss mit seiner Darstellung - wohl eher ungewollt - eine spätere Festverpflichtung des Stürmers de facto aus. Die Reaktion des Spielerlagers ließ nicht lange auf sich warten.

Der Rekordmeister verkündete kurz vor Transferschluss stolz die Leihe des senegalesischen Nationalspielers vom FC Chelsea, laut übereinstimmenden Medienmeldungen für eine Leihgebühr von 16,5 Millionen Euro. Dies korrigierte Hoeneß im DoPa: „Der Spieler und sein Berater übernehmen drei Millionen Euro. Das heißt, der Spieler kostet 13,5 Millionen.“ Damit bestätigte er indirekt, dass Jackson selbst finanzielle Abstriche in Kauf nahm, um den Wechsel nach München zu ermöglichen.

Unnötige Hoeneß-Einschätzung mit großem Ärger-Potenzial

An dieser Information ist nichts zu kritisieren, der 24-Jährige erscheint dabei sogar in einem positiven Licht. Bei der Darstellung von neuen Details zur angeblichen Kaufpflicht wird es aber schon heikler. Diese liegt bei 65 Millionen Euro - Hoeneß bestätigte die Summe - wird aber erst unter besonderen Bedingungen wirksam. So präzisierte der frühere Bayern-Manager, dass es sich dabei um mindestens 40 Startelfeinsätze handeln würde, um die Kaufpflicht auszulösen. Und konnte sich leider seine eigene Einschätzung dazu nicht verkneifen: „Das macht er nie!“ Damit verdeutlichte er, dass man beim FC Bayern nicht mit einer (automatischen) Festverpflichtung Jacksons planen würde.

FC Bayern zittert sich in Augsburg zum Sieg – die Stars in der Einzelkritik

Fussball Testspiel, FC Bayern Muenchen - Tottenham Hotspur
Manuel Neuer: Hatte lange nicht allzu viel zu tun und musste trotzdem wach bleiben. Die Augsburger nämlich gaben sich nach dem 3:0 nicht auf. Beim Anschlusstreffer durch Jakic war Neuer ohne Chance, beim zweiten FCA-Treffer sah er den Ball zu spät. Note: 3  © IMAGO/Jerry Andre
Konrad Laimer: Schaltete sich in gewohnter Weise häufig nach vorne ein, ließ bei seinen Flanken aber zu oft die nötige Präzision vermissen. Note: 3
Konrad Laimer: Soll auf der rechten Verteidigerposition der bessere Sacha Boey sein – und ist das auch meist. Gegen Augsburg gewohnt wuselig und fleißig, hatte dazu einige gute Ideen. Auf dem Weg zum 1:0 war der Ball an seinem Fuß, vor dem 2:0 bediente der Österreicher Luis Diaz direkt. Als Augsburg dann aber aufkam, verlor Laimer fast die Nerven. Vor dem 1:3 hinderte er Jakic nicht am Volleyschuss und ärgerte sich richtig. Sah später Gelb. Note: 2 © IMAGO/Ulrik Pedersen/DeFodi Images
Fußball, Franz Beckenbauer Supercup 2025, 20250816, VfB Stuttgart - FC Bayern München
Dayot Upamecano: Kam für Minjea Kim zurück in die Startelf und harmonierte gut mit Jonathan Tah, solange es nicht viel zu tun gab. Allerdings schaffte es das Innenverteidiger-Duo im Kollektiv nicht, Saad zu stoppen, der den Ball nach der Pause zum 1:3 in den Strafraum spielte. Wie ein Fels in der Brandung wirkt er (noch) nicht. Note: 4  © IMAGO/Markus Fischer
FC Bayern Muenchen FCB vs Tottenham Hotspur Spurs
Jonathan Tah: Ist als Abwehrboss gesetzt, das verdeutlichte der dritte Startelfeinsatz hintereinander. War präsent und laut, mit seinem Körpereinsatz aber bisweilen an der Grenze zum Vertretbaren. Wirkte anfangs sicher, kam in der zweiten Halbzeit aber ins Schwimmen. Note: 4  © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER
CALCIO
Josip Stanisic: War umtriebig und irgendwie immer überall. Aber das konnte nicht über anfängliche Unsicherheiten am Ball und Ungenauigkeiten im Passspiel nach vorne hinwegtäuschen. Machte ordentlich Kilometer, leistete sich dann aber leider auch den Ballverlust vor dem 2:3 und wurde zunehmend unsicherer. Note: 4  © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Joshua Kimmich: Wenn man unbedingten Willen personifizieren will, kann man die Kamera einfach auf Kimmich richten. Leitete gleich die erste Chance ein, als noch keine Minute Spielzeit auf der Uhr stand. Und war am 2:0 durch Diaz beteiligt, weil er den Ball in der Entstehung gedankenschnell weiterleitete. Solide, allerdings bei ruhenden Bällen mit Luft nach oben. Note: 3  © IMAGO/Noah Wedel
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Leon Goretzka: Hatte diesmal wieder den Vorzug vor Aleksandar Pavlovic bekommen und versuchte, das Spiel neben Kimmich aus der Zentrale heraus anzutreiben. War zunächst aber hinten wichtig, als er einen Augsburger Konter in höchster Not abfing (11.). Danach ohne groben Fehler, aber auch ohne Geistesblitz. Note: 4 © IMAGO/Noah Wedel
Fussball Telekom Cup / FC Bayern Muenchen -Tottenham Hotspur 4-0
Michael Olise: Wurde wie Luis Diaz von seinen Mitspielern gesucht und hätte früh treffen können, als Augsburgs Keeper im Aufbauspiel schludrig war. Olises Versuch aber war so mau, dass Finn Dahmen locker hielt (3.). Es ging nicht alles so leicht vom Fuß wie noch letzte Woche gegen Leipzig, aber der Franzose biss sich so lange ins Spiel, bis er halt doch traf. Feine Einzelaktion keine drei Minuten nach dem Seitenwechsel – sein 3:0 war wichtig, weil Bayern danach den Faden verlor. Hatte das 4:2 auf dem Fuß, als es 3:2 stand. Scheiterte allerdings an Dahmen. Note: 2  © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Fussball Supercup Saison 2025/2026 VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen
Serge Gnabry: Gehört aktuell zur ersten Wahl und soll als Ersatz-Musiala aus der Zentrale die richtigen Nadelstiche setzen. War aktiv, presste gut, und war zur Stelle, als Kanes feiner Ball in der 28. Minute in den Strafraum flog. Das 1:0 per Kopf war verdient. Auch in der Folge einer der Auffälligsten. Note: 2 © IMAGO/Markus Ulmer
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Luis Diaz: Vergab die erste Chance nach 30 Sekunden – und wie! Obwohl das Tor bereits leer war, legte Diaz den Ball mit dem Außenrist einfach quer. Deutlich näher am 1:0 war er in der 15. Minute nach einem feinen Konter und Zuspiel von Michael Olise. Gelingen allerdings wollte es erst, als die Nachspielzeit der ersten Halbzeit gerade rum war. Zuspiel Laimer, Tor Diaz, 2:0. Hatte nach der Pause mehrere Chancen auf das 4:1, aber noch ein Treffer gelang ihm nicht. Bei einigen Abspielen agierte er schlampig, zum Schluss vergab er noch eine Riesen-Chance. Note: 3  © IMAGO/Noah Wedel
GER, VfB Stuttgart vs. FC Bayern Muenchen, Fussball, Herren, Franz-Beckenbauer-Supercup 2025, Supercup, Spielzeit 2025/2026, 16.08.2025
Harry Kane: Zeigte in seinem 100. Pflichtspiel für den FC Bayern gleich mal im Mittelfeld, wie schwer er vom Ball zu trennen ist. Weil der Jubilar aber von den Mitspielern lange nicht allzu gut in Szene gesetzt wurde, nahm er das selbst in die Hand. Viel zu frei chippte Kane den Ball zum 1:0 in den Strafraum, wo ihn Gnabry verwertete. Ansonsten mal hier, mal da: klärend im eigenen Strafraum, mit Auge für Olise vor dem 3:0, per Hacke für Laimer. Aber eben ohne eigenen Treffer. Note: 3 © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Franz Beckenbauer Supercup 2025 Supercup VfB Stuttgart - FC Bayern Muenchen 1 : 2 am 16.08.2025 in Stuttgart
Sacha Boey: Ab 71. im Spiel, o. B. © IMAGO/Laci Perenyi
CR Flamengo v FC Bayern München: Round Of 16 - FIFA Club World Cup 2025
Aleksandar Pavlović: Ab 71. im Spiel, o. B. © IMAGO/Allstar Picture Library Ltd
02.08.2025, Fussball Testspiel, FC Bayern - Olympique Lyon
Minjae Kim: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Lennart Karl: Einwechslung in der 68. Minute, feierte somit sein Bundesligadebüt – ohne Bewertung.
Lennart Karl: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
CALCIO
Raphaël Guerreiro: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/STUDIO FOTOGRAFICO BUZZI SRL
Jonah Kusi-Asare: Feierte in der 86. Minute nach Einwechselung ebenfalls sein Bundesliga-Debüt – ohne Bewertung.
Jonah Kusi-Asare: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
GER, FC Bayern Muenchen vs. Tottenham Hotspur, Fussball, Telekom Cup, Testspiel, Saison 2025/2026, 07.08.2025
Tom Bischof: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
VfB Stuttgart - FC Bayern München
Jonas Urbig: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Revierfoto
Jamal Musiala: Ohne Einsatz im Kader.
Jamal Musiala: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/David Klein
Franz-Beckenbauer-Supercup 2025, VfB Stuttgart - FC Bayern München; 16.08.2025
Sven Ulreich: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader.
Wisdom Mike: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Markus Ulmer
Alphonso Davies: Ohne Einsatz im Kader.
Alphonso Davies: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader.
Leon Klanac: Ohne Einsatz im Kader. © IMAGO/Mladen Lackovic
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader.
Hiroki Ito: Ohne Einsatz im Kader. © DeFodi/Imago

Derartige Äußerungen in der Öffentlichkeit sind taktisch nicht nur äußerst ungeschickt, sondern lösen auch Reaktionen aus. So meldete sich Jackson-Berater Diomansy Kamara wenige Stunden nach den Hoeneß-Aussagen via Instagram zu Wort: „Viele reden, aber nur wenige sagen die Wahrheit.“ Ohne den 73-Jährigen namentlich zu erwähnen, deutete Kamara eindeutig an, dass er mit den getätigten Aussagen alles andere als einverstanden ist. Dennoch wollte er selbst nicht öffentlich nachlegen: „Unsere einzige Priorität ist das entscheidende Spiel Senegals um die WM-Qualifikation. Der Rest wird zu gegebener Zeit geklärt.“

Hoeneß könnte Eberls Verhandlungsposition mit Chelsea erschwert haben

Grundsätzlich ist an der Logik von den Hoeneß-Aussagen wenig auszusetzen: Nur ganz wenige Bayernspieler werden in der anlaufenden Spielzeit auf über 40 Startelfeinsätze kommen. Nachdem Jackson auch als Back-Up zu Harry Kane eingeplant ist, erscheint dies bei ihm tatsächlich fast ausgeschlossen. Schlägt der 24-Jährige beim FCB trotzdem ein, wird es zur neuen Saison sicherlich Verhandlungen über eine - nach unten angepasste - Ablösesumme geben. Nicht nur der Spielerseite, auch dem FC Chelsea könnten die Hoeneß-Statements jedoch bitter aufstoßen, Max Eberl & Co. könnten das wiederum ausbaden müssen.

Hoeneß-Kritik an Eberl - ungewollt?

Apropos Max Eberl: Auch wenn der FCB-Patron durchaus durchklingen ließ, dass man an der Säbener Straße grundsätzlich mit seiner Arbeit zufrieden ist und von Vereinsseite keineswegs an eine Beendigung der Zusammenarbeit denken würde, bekam der 51-Jährige von Hoeneß in aller Öffentlichkeit mehr Breitseiten ab, als dieser möglicherweise selbst austeilen wollte.

Eberl wäre zu empfindlich - verglichen mit Hoeneß und seinem früheren „Streitpartner“ Karl-Heinz Rummenigge, er müsse sich an die „Teamarbeit“ beim Rekordmeister noch gewöhnen und solange mit den Einmischungen des Patrons rechnen, bis dieser - zusammen mit Rummenigge - der Meinung sei, dass er tatsächlich der richtige Nachfolger sei. Dieses Statement galt schon für die bereits gechassten Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić, wohl aber neben Eberl, Sportdirektor Christoph Freund auch für den aktuellen CEO Jan-Christian Dreesen.

Hoeneß-Einfluss mehr und mehr kontraproduktiv

Hoeneß schimpft zwar bei der Finanzierung von internationalen Topvereinen auf deren Modell mit milliardenschweren ausländischen Investoren mit all ihrem Einfluss, betrachtet aber den FC Bayern selbst nach wie vor nicht nur als seinen Herzensverein, sondern auch als ein Projekt, bei dem nur er selbst wissen kann, was gut und richtig, aber auch schlecht und falsch ist.

Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit fcbayerntotal.com

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Der 73-Jährige wird immer der „Mister FC Bayern“ bleiben, sein Anteil an der grandiosen Entwicklung des Rekordmeisters ist unendlich groß, aber er sollte nun darauf aufmerksam gemacht werden, dass sein permanentes Einwirken auf ärgerliche Weise immer kontraproduktiver wird. Seine eigene Fehlerhaftigkeit bei öffentlichen Auftritten nimmt zeitgleich erheblich zu: Mal verwechselt er Newcastle (United) mit Nottingham (Forrest), mal verrechnet er sich auffällig: 16,5 minus 3 sind eben nicht 13! Alles im Namen des FC Bayern - nicht gut!

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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