Europapokal

Was Eintracht Frankfurt in der Conference League erwartet

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Erfolgreich gegen Fußballexoten: Die Eintracht siegt 2013 in Baku gegen Qarabag Agdam, angeführt von Alex Meier und Seppl Rode.
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Von Juve bis zu den Bruno’s: Der kleinste europäische Wettbewerb kann für Eintracht Frankfurt ein großes Abenteuer werden. Eine Klublegende weiß davon zu berichten.

Alex Meier erlebte bei Eintracht Frankfurt tolle Momente. Er erlebt sie ja immer noch, etwa als Jugendtrainer, oder als Botschafter des hessischen Erstligisten, der auf quasi jeder Vereinsveranstaltung im Mittelpunkt steht, nicht nur optisch, dieser baumlange Bezopfte, sondern auch emotional. Selfies, Selfies und noch mal Selfies wollen die Leute ergattern, mitunter sogar traditionelle Autogramme. Die Beliebtheit des Ex-Kickers nimmt nicht ab, sie nimmt zu.

Viele tolle Momente also, die es einzuordnen gilt, was Alex Meier für die klubeigenen Medien vor einiger Zeit tat.

Nummer eins, sein absolutes Highlight: DFB-Pokalsieg 2018, der Coup gegen die Bayern, Bruda Ante, Anführer Prince, Forrest Mijat, zwar ohne Meier auf dem Rasen, dafür mit ihm am Pokal.

Nummer zwei: 2015 die Krönung zum Bundesliga-Torschützenkönig, 19 Buden, vor Lewandowski, Robben, Aubameyang.

Nummer drei: Europa-League-Quali, Auswärtsspiel in Aserbaidschan, in Baku, gegen Qarabag Agdam, 2:0, zwei Meier-Tore.

Es ist auf den ersten Blick schon erstaunlich, dass sich der mittlerweile 40-Jährige eben jene Reise in die Untiefen des europäischen Fußballs herauspickt, wenn es um die Höhen seiner Karriere geht. Auf den zweiten „hat es mir dort einfach sehr gefallen“. Das Feeling, die Umstände. Meier erinnert sich an jenes Duell, bei dem auch Seppl Rode und Kevin Trapp mitmischten (und der Neu-Madrilene Joselu ein Bankdasein fristete) noch genau: „Der Platz bestand aus Sand mit grünen Spänen, die haben sie eingefärbt.“ Dazu die Heimfans, „die haben sie mit einem Lautsprecher lauter gedreht“. Eine unvergessliche Reise sei es damals gewesen, gegen einen gar nicht mal schlechten Gegner, „die Nummer 70, ein Brasilianer“, so Meier, „der war gut.“ Marinaldo Cicero da Silva, kurz: Chumbinho. Wer kennt ihn nicht?

Es gab in den vergangenen Europa-Jahren der Eintracht eben nicht nur Barcelona, Sevilla, London oder Neapel, auch einige Fußballexoten begegneten den Hessen auf ihrem Weg. Der FC Vaduz zum Beispiel, Liechtenstein. Oder Flora Tallinn, Estland, mit deren Verantwortlichen die Frankfurter noch heute Kontakt halten. Und es könnten sich frische Bande knüpfen, bald stehen weitere Abenteuer auf dem Alten Kontinent an, feiert die Eintracht ihre Premiere im kleinsten und doch größten Vereinswettbewerb der Uefa: der Conference League.

Wirtschaftlich attraktiv

184 Teams aus 54 Landesverbänden treten an, bereits kommende Woche beginnt die erste von deren vier Qualifikationsrunden, schließlich will das Teilnehmerfeld für die Gruppenphase auf 32 Mannschaften reduziert werden. Die Eintracht ist wie die anderen Klubs der Top-5-Ligen aus Spanien (Athletic Bilbao), aus Italien (Juventus Turin), England (Aston Villa) und Frankreich (OSC Lille) für die letzte Quali-Runde, die sogenannten Playoffs (24. und 31. August), gesetzt.

Aus Spanien wäre eigentlich CA Osasuna dabei gewesen, doch die Uefa schloss den Klub aufgrund eines Vergehens von vor neun Jahren aus. Damals waren ehemalige Osasuna-Funktionäre in Spielmanipulationen verwickelt. Manager Angel Maria Vizcay wurde gar zu einer Haftstrafe von acht Jahren und acht Monaten verurteilt. Fast ein Jahrzehnt später wird der Verein, dessen handelnde Personen seinerzeit gar nicht im Amt waren, vom Verband hart bestraft. Sehr seltsam. Osasuna nimmt das nicht klaglos hin, zieht vor den Sportgerichtshof Cas in Lausanne.

So oder so: In den Qualirunden zuvor mühen sich einige bekannte und weniger bekannte Klubs durch den aufgeblähten Modus. Eine Auswahl: AZ Alkmaar, Rapid Wien, Dynamo Kiew, FC Basel, Club Brügge, Besiktas und Fenerbahce Istanbul. Dazu auch SS Cosmos (San Marino), FC Bruno’s Magpies (Gibraltar), FK Tobyl Qostanai (Kasachstan) und nicht ganz uninteressant aus Dino-Toppmöller-Sicht: F91 Düdelingen. Der Ex-Klub des neuen Eintracht-Trainers.

Wenngleich der gerade vom Pokertisch auf den Rasen zurückgekehrte Neu-Paderborner Max Kruse einst schlappmaulte, „irgendwie keinen Bock“ auf die große Fußballwelt der Kleinen zu haben, nimmt die Eintracht den auf den letzten Bundesliga-Metern der vergangenen Saison noch errungenen Einzug in die Conference-League-Playoffs gerne an. Der Frankfurter Finanzvorstand Oliver Frankenbach betont den Wert des Wettbewerbs: „Die Conference League wäre beim Erreichen der Gruppenphase wirtschaftlich ein attraktiver Wettbewerb. Es würde sich lohnen. Gerade mit einem erfolgreichen Abschneiden wäre sie finanziell eine gute Erlösquelle.“

In der vergangenen Runde gab es von der Uefa ein Startgeld in Höhe von fast drei Millionen Euro. Zudem: 500 000 Euro pro Dreier, 650 000 für den Gruppensieg, eine Million fürs Erreichen des Viertelfinals, zwei fürs Halbfinale, drei fürs Finale, noch mal deren zwei für den Endspielerfolg. Das kann sich läppern hin bis zum Cupfinale am 29. Mai 2024 in Athen, das noch den zusätzlichen Anreiz bietet, bei erfolgreichem Abschneiden in der Folgesaison sicher für die Europa League qualifiziert zu sein. Von TV- und Marketinggeldern sowie den Zuschauereinnahmen an dieser Stelle noch gar keine Rede.

Natürlich wird sich weisen müssen, wie in Frankfurt der neue Wettbewerb, der bisher vom AS Rom und West Ham United gewonnen wurde, im Umfeld und auch bei den Spielern angenommen wird, ob es womöglich gar eine Europa-Müdigkeit geben könnte. Allzu wahrscheinlich aber erscheint das nicht. Eher im Gegenteil. Manch Reise an sonst vermutlich eher nicht besuchte Fußballorte könnte Kult werden. Wie Tallinn, wie Baku. Alex Meier kann das alles nur empfehlen.

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