VonMelanie Gottschalkschließen
Vor der anstehenden Ski-Weltcup Saison herrscht Ärger. Marcel Hirscher profitiert von einer speziellen Wildcard, die ihm eine günstigere Startnummer verschafft.
München – Es ist erst wenige Monate her, dass Ski-Superstar Marcel Hirscher völlig überraschend sein Comeback ankündigte. Für seinen alten Verband – Österreich – wird er jedoch nicht an den Start gehen. In der kommenden Weltcup-Saison fährt er unter der Flagge der Niederlande.
Seine sogenannte Wildcard, die seine Teilnahme überhaupt erst ermöglicht, sorgt bei einigen im Ski-Zirkus allerdings für Unmut.
Ski-Superstar Hirscher bekommt Wildcard – und sorgt für Diskussionen
Ende Juli wurde bekannt, dass Ski-Stars wie Hirscher, die in ihrer Karriere den Gesamtweltcup, den Disziplinenweltcup, Olympia- oder WM-Gold gewonnen haben, nach einer Wettkampfpause von zwei bis zehn Jahren vom Internationalen Ski-Verband (FIS) während einer Saison eine Wildcard erhalten. Dadurch macht Hirscher einen großen Sprung in der Starterliste.
Warum das ein Problem ist? Wäre es nach der alten Regelung gegangen, hätte Hirscher mit einer 60er-Nummer starten müssen, durch seine Wildcard kann er jetzt wahrscheinlich mit der 31 an den Start gehen. Ein enormer Vorteil, denn je höher die Startnummer ist, desto schwieriger sind normalerweise die Pistenverhältnisse.
ÖSV-Geschäftsführer schimpft über neue Regelung
ÖSV-Geschäftsführer Christian Scherer gefällt diese neue FIS-Regelung überhaupt nicht. „Das Verhalten der FIS kommt einem absoluten Affront gegenüber den Mitgliederverbänden gleich. Es ist wirklich sehr bedauerlich, dass die FIS aus Vorkommnissen der jüngeren Vergangenheit – Stichwort Fluorverbot – nichts lernt und leider die Fachgremien nicht entsprechend involviert. Die derzeitigen Diskussionen hätte man sich allesamt sparen können, wenn man einem koordinierten Prozess gefolgt wäre und die Stakeholder abgeholt hätte“, sagte er gegenüber der Schweizer Zeitung Blick.
Wenige Tage nach seiner Aussage konkretisierte er diese noch einmal. Denn es gehe nicht um das Comeback von Marcel Hirscher. Nur die „Art und Weise, wie die FIS diese Regelung eingeführt hat“, stöße Scherersauer auf. „Die dadurch entstandenen Diskussionen sind für alle Beteiligten – sowohl für die aktiven Athleten und Athletinnen als auch für jene, die zurückkommen möchten – unangenehm und hätten vermieden werden können“, sagte Scherer gegenüber Krone.at.
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FIS und Skirennfahrer haben unterschiedliche Auffassungen von der Situation
Die FIS hatte nach der Einführung der Regelung angegeben, die Idee käme aus dem Fahrerlager selbst. „Wenn die FIS so etwas behauptet, ist das nicht die Wahrheit. Ich kenne keinen Rennfahrer, der von dieser Regeländerung gewusst hat“, widersprach Slalom-Vizeweltmeister AJ Ginnis dieser Darstellung im Blick. Ähnlich äußerte sich Justin Murisier. „Für Marcel Hirscher wird jetzt eine Regel verändert, die definitiv nicht fair ist gegenüber einem jungen Athleten, der sich eine günstige Startnummer knallhart erarbeiten muss“, sagte er.
Die neue Regelung sorgt also für Unmut, FIS-Präsident Johan Eliasch soll laut Informationen von Blick und Krone.at unangenehm berührt sein. Ob die neue Wildcard-Regelung also bestehen bleibt, ist fraglich. Für Marcel Hirscher ist der Weg indes frei. (msb)
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