VonIngo Durstewitzschließen
Der Europa-League-Check der Bundesliga Die Meisterschaft ist entschieden, die aktuell ersten Fünf der Liga ziehen wohl in die Champions League ein. Die FR blickt voraus, wer sonst noch europäisch spielen darf.
Leitfigur Kevin Trapp war es, der schon vor einigen Wochen, als noch diese negative Wolke über Frankfurt schwebte und festhing, das Restprogramm der Eintracht ins Auge fasste und mit einem Wort treffend umschrieb: „Brutal.“ Seitdem haben die Hessen in Stuttgart verloren, 0:3, aber gegen den FC Augsburg gewonnen, 3:1 – trotz 0:1-Rückstands und dank einer Steigerung im zweiten Abschnitt – gerade in punkto Willen, Leidenschaft, Widerstandsgeist.
Das war ein wichtiger Erfolg, ein Brustlöser, Platz sechs ist erst einmal zementiert. Fünf Punkte Vorsprung haben die Frankfurter auf den SC Freiburg – und zwölf Zähler sind insgesamt nur noch zu vergeben. Klingt nicht schlecht.
Platz sechs ist deshalb so attraktiv, weil er zur internationalen Teilnahme berechtigt – mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Europa League, dem Lieblingswettbewerb der Eintracht, den sie vor zwei Jahre sogar gewann. Die Helden von Sevilla waren in der Hitze Andalusiens geboren, auch wenn nicht mehr allzu viele von ihnen noch den Adler auf der Brust tragen. So ist das heutzutage, gerade in Frankfurt ist die Fluktuation hoch. Findet nicht jeder dolle.
Um in der Europa League an den Start zu gehen, müsste die Eintracht den aktuellen Rang halten, Leverkusen entweder den DFB-Pokal gewinnen oder Deutschland in der Uefa-Koeffizienten-Ranglisten den zweiten Platz hinter Italien bewahren. Dafür spricht momentan eine ganze Menge. Im allerbesten Fall könnten die Hessen sogar als Sechste noch in die Königsklasse einziehen, nämlich dann, wenn Borussia Dortmund die Champions League gewinnt – und in der Bundesliga nicht unter die besten Vier kommt. Momentan ist der BVB Fünfter, und eine gewisse Pikanterie bietet der letzte Spieltag: Da erwartet die Eintracht RB Leipzig, das sich einen Zweikampf mit dem BVB um Platz vier liefert. Den haben die Sachsen momentan inne, und vielleicht würde sich die Eintracht mit einer Niederlage am letzten Spieltag einen Gefallen tun. Weiß man aber nicht, kommt auf die Tabellensituation an, den Ausgang der Champions League, und irgendwie ist das sowieso alles ziemlich verworren und wenig wahrscheinlich. So oder so: Würde sie tatsächlich den sechsten Platz halten, wäre die Saison eine doch noch sehr passable – trotz des indiskutablen Abschneidens im Pokal und der Conference League. Aber der Einzug ins internationale Geschäft wäre in diesem Jahr des Mega-Umbruchs und ohne Ersatz für Himmelsstürmer Randal Kolo Muani eine gute Sache. Die sich auch Trainer Dino Toppmöller ans Revers heften könnte, der in seiner Premierensaison sicher nicht alles richtig gemacht hat, der aber die teils beißende Kritik nicht verdient – und ohnehin nie gejammert hat. Er wird aus dieser Saison lernen. Aber: das Restprogramm. Das hat es in sich, gegen drei der ersten Vier muss die Eintracht antreten. Das ist kein Zuckerschlecken. Andererseits kann sie zwei Topteams zu Hause empfangen, und Leverkusen sowie Leipzig waren im Waldstadion immer gern gesehene Gäste. Es soll Menschen geben, die schon auf die erste Leverkusener Niederlage gesetzt haben - in Frankfurt. Überraschend wäre es nicht. Und für die Eintracht die halbe Miete für Platz sechs. Der ist heiß begehrt.
Das Restprogramm
Bayern München (A)
Bayer Leverkusen (H)
Borussia Mönchengladbach (A)
RB Leipzig (H)
FR-Tipp: Die Eintracht hält Rang sechs, Leverkusen und Leipzig liefern die Punkte ab. dur
