Bundesliga

Ein Schlag in die Magengrube von Mainz 05

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Dominik Kohr, Nadiem Amiri und Armindo Sieb stehen und hocken im Regen.
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Nach dem späten Bremer Ausgleich durch Jens Stage bleibt Mainz 05 weiter sieglos im eigenen Stadion und rutscht auf den vorletzten Platz.

Am Ende weinte auch der Himmel. Das passte zur Trübsal, die beim FSV Mainz 05 derzeit herrscht. Nach dem spät erlittenen 1:1-Ausgleichstreffer gegen ein lange desolates Werder Bremen wussten Spieler und Fans geraume Zeit nach dem Abpfiff nicht so recht, wohin mit sich. Es herrschte fast Grabesstimmung in der ausverkauften Arena, weil auch die Gästefans ihre überrascht-fröhliche Gefühlslage offenbar erst einmal sortieren mussten.

Dass Werder sich nach acht Spieltagen mit zwölf Punkten auf einem einstelligen Tabellenplatz breitmacht, hatte in der Hansestadt kein Mensch erwartet. Klassischer Fall von Überperfomance.

Für den neuen Vorletzten Mainz 05 gilt das Gegenteil. Gegen Bremen ließ zum Ende hin die Kraft nach (der Dreifachbelastung in Liga, Pokal und Conference League geschuldet), aber irgendwie schien die Abwehr dennoch dicht zu halten. Bis der Beste vieler schlechter Bremer, Jens Stage, kurz vor Schluss aus dem Stand volley traf und die Führung von Silvan Widmer egalisierte, weil erschöpfte Gastgeber zu große Lücken ließen.

„Es hat sich angefühlt wie ein Schlag in den Magen“, sagte Niko Bungert hinterher. Der 05-Sportdirektor ist als Mann bekannt, der nicht zu überschäumenden Gefühlswallungen neigt, aber diesmal trug er seine Enttäuschung sichtbar vor sich her. „Sehr, sehr bitter. Ein Heimsieg hätte uns gut getan.“ Gerade deshalb, weil es im fünften Versuch der erste der bisher so vermaledeiten Saison in der Liga gewesen wäre.

Kick & Rush

Bei den Bremern ihrerseits sahen bis zum unvorhersehbaren Ausgleich nur die dunkelgrünen Retrotrikots gut aus. Was dazu führte, dass Sportboss Clemens Fritz hinterher nicht viel fröhlicher aussah als der Mainzer Kollege Bungert. Denn Fritz hatte ja auch gesehen, wie niveauarm die Hanseaten dem konsequenten Mainzer Kick & Rush begegnet waren.

Victor Boniface etwa war in seinen XXL-Klamotten nah dran an dem, was die „Bild“-Zeitung früher unter der Rubrik „Hat sein Geld nicht verdient“ mit der Note 0 bewertete. Tatsächlich war der lustlos wirkende Mittelstürmer an diesem Nachmittag eine Null. Besser wurde es für die Bremer erst, als der unerträglich lauffaule Boniface endlich runter war.

Werder kann sich ausruhen, Mainz war vergangene Saison so gut, dass man jetzt die Conference League am Hals hat. Am frühen Donnerstagabend kommt Tabellenführer AC Florenz in die Mainzer Arena. Trainer Bo Henriksen dürfte eine B-Elf aufstellen, weil am Sonntagabend die Partie bei Eintracht Frankfurt um Bundesligapunkte die wichtigere ist.

Erschöpfter Nebel

Schon jetzt, noch nah am Saisonbeginn, sind Abnutzungssymptome nicht zu negieren. Selbst ein vermeintliches Perpetuum Mobile wie Paul Nebel hätte gegen Werder eine frühzeitigere Auswechslung gut getan. Trainer Bo Henriksen erklärte die zuvor sichtbar auf Schlichtheit und hohe lange Bälle angelegte Spielweise so: „Es ist wichtig für uns, dass wir einfach spielen.“ Diese Vorgabe sei hilfreich für mental angeschlagene Spieler.

Wahrscheinlich hat der Däne recht. Torschütze Widmer brachte die ambivalente Gefühlslage verbal so zusammen: „Wir stecken unten drin im Sumpf, aber wir sind überzeugt davon, uns da rauszukämpfen.“ Coach Henriksen stimmte zu: „Wenn wir so weitermachen wie diesmal, gehen wir nicht unter.“

Und tatsächlich kann der mickrige Punkt ja zumindest statistisch als Fortschritt interpretiert werden: Alle vier Bundesligaheimspiele davor waren schließlich verloren gegangen.

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