Schweizer schlägt zurück

WM-Vergabe an Saudi-Arabien: FIFA-Chef Infantino klagt „Doppelmoral des Westens“ an

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Gianni Infantino gibt selten Interviews. Kürzlich jedoch äußerte er sich ausführlich zu verschiedenen Themen – und schlägt gegen seine Kritiker zurück.

Zürich – Gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino lief bis vor kurzem in der Schweiz ein Strafverfahren wegen Geheimtreffen mit dem Bundesanwalt. Solange das Strafverfahren laufe, so Infantino, wolle er keine Interviews geben.

Der Fall wurde aber eingestellt, Infantino entlastet. In einem Interview mit der Schweizer Tageszeitung Tages-Anzeiger äußerte sich Infantino zu Themen, die ihm und der FIFA internationale Kritik eingebracht hatten. Der FIFA-Boss redete über die Doppelmoral des Westens, Saudi-Arabien und die Kommerzialisierung des Sports.

Infantino spricht über seine Rede vor der WM in Katar 2022

„Wenn du etwas ändern willst, musst du zuerst versuchen, die Leute zu verstehen“, sagte Infantino im Interview mit dem Magazin, einer Beilage des Tages-Anzeiger. Er bezog sich auf seine einstündige Rede in einer Medienkonferenz vor dem Start der WM in Katar.

In der Rede hatte er weltweit für Schlagzeilen gesorgt. „Heute fühle ich mich afrikanisch, heute fühle ich mich schwul, heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Wanderarbeiter“, sagte Infantino damals. Zu den Äußerungen sei es spontan gekommen, er habe damit auf die „Kritik an der Vergabe nach Katar, die Attacken, die Heuchelei und die Doppelmoral gewisser Leute“ reagiert.

FIFA-Boss Gianni Infantino mit Yasser Al Meshal, Präsident des saudi-arabischen Fußballverbandes.

Infantino spricht von Doppelmoral – und meint damit den Westen

Was er mit Doppelmoral meint, erklärte Infantino kurze Zeit später. In Katar habe die FIFA versucht, hinter den Kulissen etwas zu ändern, für „die Menschenrechte und so weiter.“ Infantino ist sich sicher: „Wir haben etwas bewegt.“

Es müsse Überzeugungsarbeit geleistet werden bei denen, die es anders machen, wenn „wir das Gefühl haben, so, wie wir es machen, ist es das Beste auf der Welt“, so Infantino. Das ginge nur, wenn „du hingehst und mit ihnen redest.“ Abschließend stellte er die Frage: „Wer sind wir mit unserer Geschichte, um anderen Morallektionen zu erteilen?“

Kommerzialisierung des Sports? Infantino kontert Kritik an der FIFA

Viele Fußball-Fans kritisieren die FIFA dafür, den Weltfußball zu sehr zu kommerzialisieren. Infantino argumentiert, ohne den Weltverband würde es in vielen Ländern gar keinen „organisierten Fußballbetrieb geben, keinen Jugend- und keinen Frauenfußball.“

Die FIFA investiere ihre Einnahmen auf der ganzen Welt und würde so viele Länder in ihrem Fußballbetrieb unterstützen. Für den FIFA-Chef sei sein Verband eher klein: „Die besten Ligen der Welt hingegen generieren vier- oder fünfmal mehr Einnahmen als die FIFA.“ Das Geld ginge an die Klubs in den eigenen Ländern, anders als das der FIFA, welches für den Fußball auf der ganzen Welt eingesetzt werde.

Welcher ist Ihr Favorit? Alle EM-Bälle der Geschichte

EM 1968: Beim Turnier in Italien werden erstmals dokumentiert, Design und Name des Spielballs vorgestellt. Der „Telstar“ von Adidas wird mit dem Namenszusatz „Elast“ bestückt. Ihn Anlehnung an einen Kommunikations-Satelliten, der der eine Kugelform aufwies und durch seine Form so Inspirationsquelle für die Namensgeber war.
EM 1968: Beim Turnier in Italien werden erstmals dokumentiert, Design und Name des Spielballs vorgestellt. Der „Telstar“ von Adidas wird mit dem Namenszusatz „Elast“ bestückt. Ihn Anlehnung an einen Kommunikations-Satelliten, der der eine Kugelform aufwies und durch seine Form so Inspirationsquelle für die Namensgeber war. © Picture Alliance
EM 1972 und 1976: Es war „Telstar“-Jahrzehnt und das Modell „Durlast“ kam gleich dreimal zum Einsatz. Zweimal wurde das DFB-Team mit ihm Turniersieger, Europameister 72 und Weltmeister 74. Seine Ära als Glücksbringer endet im Belgrader Nachthimmel nach einem Elfmeter von Uli Hoeneß.
EM 1972 und 1976: Es war „Telstar“-Jahrzehnt und das Modell „Durlast“ kam gleich dreimal zum Einsatz. Zweimal wurde das DFB-Team mit ihm Turniersieger, Europameister 72 und Weltmeister 74. Seine Ära als Glücksbringer endet im Belgrader Nachthimmel nach einem Elfmeter von Uli Hoeneß. © IMAGO
EM 1980: Der erste „Tango“-Ball bei einer EM. Dabei ist die Variante „River Plate“ ein Erbstück der WM 1978, die passenderweise in Argentinien stattfand.
EM 1980: Der erste „Tango“-Ball bei einer EM. Dabei ist die Variante „River Plate“ ein Erbstück der WM 1978, die passenderweise in Argentinien stattfand. © Picture Alliance
EM 1984: Trotz des Namens „Tango Mundial“ kam die Gerätschaft bei der EM in Frankreich zum Einsatz. Gleichbedeutung mit der Abkehr vom reinen Lederball endete mit dem aus DFB-Sicht enttäuschenden Turnier die Amtszeit von Jupp Derwall.
EM 1984: Trotz des Namens „Tango Mundial“ kam die Gerätschaft bei der EM in Frankreich zum Einsatz. Gleichbedeutung mit der Abkehr vom reinen Lederball endete mit dem aus DFB-Sicht enttäuschenden Turnier die Amtszeit von Jupp Derwall. ©  Sven Simon/Imago
EM 1988: Etwas zurückhaltend präsentiert Eike Immel den „Tango Europa“ für die bevorstehende Heim-EM. Trotz „Tango Europa „besserer Imprägnation und hochwertiger Nähte“ des Spielgeräts, reicht es für die DFB-Elf für das Halbfinale, wo man gegen die Niederlande unterlag.
EM 1988: Etwas zurückhaltend präsentiert Eike Immel den „Tango Europa“ für die bevorstehende Heim-EM. Trotz „Tango Europa „besserer Imprägnation und hochwertiger Nähte“ des Spielgeräts, reicht es für die DFB-Elf für das Halbfinale, wo man gegen die Niederlande unterlag. © Ferdi Hartung/Imago
EM 1992: Im Finale bezwingt Überraschungsteam Dänemark die deutsche Mannschaft mit 2:0 und ist neuer Europameister: „Etrusco Unico“ ist jedoch ein alter Bekannter. Er kam bereits bei der WM in Italien und bei Olympia 92 in Barcelona zum Einsatz.
EM 1992: Im Finale bezwingt Überraschungsteam Dänemark die deutsche Mannschaft mit 2:0 und ist neuer Europameister: „Etrusco Unico“ ist jedoch ein alter Bekannter. Er kam bereits bei der WM in Italien und bei Olympia 92 in Barcelona zum Einsatz.  © Bernd Weissbrod/Picture Alliance
EM 1996: Samt Rosen und Löwen im Design, kehren das Turnier und „Questra Europa“ in das Mutterland des Fußballs zurück. Am Ende ist es jedoch das DFB-Team, das in Wembley den Pokal überreicht bekommt.
EM 1996: Samt Rosen und Löwen im Design, kehren das Turnier und „Questra Europa“ in das Mutterland des Fußballs zurück. Am Ende ist es jedoch das DFB-Team, das in Wembley den Pokal überreicht bekommt. © TEAM2/Imago
EM 2000: Der „Terrestra Silverstream“ sollte sprachlich für die zahlreichen Wasserstraßen in den Niederlanden und Belgien stehen. Seine weiche Oberfläche galt damals als revolutionär.
EM 2000: Der „Terrestra Silverstream“ sollte sprachlich für die zahlreichen Wasserstraßen in den Niederlanden und Belgien stehen. Seine weiche Oberfläche galt damals als revolutionär. © Imago / Werek
EM 2004: „Roteiro“, was auf Portugiesisch mit „Straßenkarte“ übersetzt werden kann, weist der DFB-Elf den kürzesten Weg nach Hause. Nach der Vorrunde ist für das Team von Rudi Völler Schluss.
EM 2004: „Roteiro“, was auf Portugiesisch mit „Straßenkarte“ übersetzt werden kann, weist der DFB-Elf den kürzesten Weg nach Hause. Nach der Vorrunde ist für das Team von Rudi Völler Schluss.  © Imago/Sven Simon
EM 2008: Passend zum Ambiente der gastegebenden Länder, trug der Ball den Namen „Europass“. Die DFB-Elf trägt die Kugel erfolgreich durch das Alpen-Turnier bevor sie sich im Finale gegen Spanien geschlagen geben muss.
EM 2008: Passend zum Ambiente der Gastegeber, trug der Ball den Namen „Europass“. Die DFB-Elf trägt die Kugel erfolgreich durch das Alpen-Turnier bevor sie sich im Finale gegen Spanien geschlagen geben muss. © Picture Alliance/Barbara Gindl
EM 2012: Beim Turnier und Polen und der Ukraine geht „Tango 12“ an den Start. Wie seine Vorgänger aus den 80er-Jahren kommt er klassisch daher, jedoch mit leichten Farbakzenten der Gastgeberflaggen.
EM 2012: Beim Turnier und Polen und der Ukraine geht „Tango 12“ an den Start. Wie seine Vorgänger aus den 80er-Jahren kommt er klassisch daher, jedoch mit leichten Farbakzenten der Gastgeberflaggen. © Thomas Eisenhuth/Picture Alliance
EM 2016: „Beau Jeu“ (dt. „schönes Spiel“) in den Farben der französischen Trikolore ist der Begleiter des Turniers. Im Halbfinale setzten sich ebenjene Gastgeber mit 2:0 gegen die DFB-Elf durch.
EM 2016: „Beau Jeu“ (dt. „schönes Spiel“) in den Farben der französischen Trikolore ist der Begleiter des Turniers. Im Halbfinale setzten sich ebenjene Gastgeber mit 2:0 gegen die DFB-Elf durch. © Picture Alliance/Christian Charisius
EM 2020: Erstmals fand das EM Turnier in mehreren Ländern statt. Passen dazu soll „Uniforia“ in einer Mischung aus Kunst und Fußball sinnbildlich für das grenzenlose Europa stehen.
EM 2020: Erstmals fand das EM Turnier in mehreren Ländern statt. Passen dazu soll „Uniforia“ in einer Mischung aus Kunst und Fußball sinnbildlich für das grenzenlose Europa stehen. © Imago/Anthony Bibard
EM 2024: Beim Turnier in Deutschland wird der Ball mit dem klangvollen Namen „Fußballliebe“ zum Einsatz kommen. Als Extra enthält er Darstellungen aller Turnierstadien mit dem Namen der entsprechenden Stadt.
EM 2024: Beim Turnier in Deutschland wird der Ball mit dem klangvollen Namen „Fußballliebe“ zum Einsatz kommen. Als Extra enthält er Darstellungen aller Turnierstadien mit dem Namen der entsprechenden Stadt. © Picture Alliance/Bernd von Jutrczenka

Infantino verteidigt die WM-Vergabe nach Saudi-Arabien

Die WM 2034 wird in Saudi-Arabien stattfinden. Das Land liegt im Demokratie-Index auf dem siebtletzten Platz, nicht weit entfernt von Nordkorea und Syrien. Die Vergabe in das Land sorgte für heftige Kritik – Infantino verteidigt jedoch die Entscheidung. Der DFB wurde indes für seine Zurückhaltung gegenüber der Entscheidung kritisiert.

„Ein Austragungsort muss alle unsere Kriterien erfüllen, inklusive Menschenrechte“, sagte Infantino. Alle westlichen Staatschefs würden das „hofieren“ und „Deals in Milliardenhöhe“ machen. „Auch hier zeigt sich die Doppelmoral des Westens“, so Infantino gegenüber Magazin. „Für mich als FIFA-Präsident ist Nordkorea gleich wie Südkorea. Ist Amerika gleich wie China.“ (mag)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jose Breton

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