Eintracht-Allrounder vor dem Absprung

Eintracht: Bei Jakic bahnt sich ein Winterwechsel an

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Ein seltener Anblick: Kristijan Jakic im Eintracht-Trikot auf dem Platz.
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Eintracht-Allrounder Kristijan Jakic kommt unter Trainer Dino Toppmöller nicht zum Zuge. Der Kroate strebt eine Veränderung schon in der nächsten Transferperiode an. Der Klub würde ihm keine Steine in den Weg legen - wenn die Ablöse stimmt.

Um den Frankfurter Eisenmann im Mittelfeld, Kristijan Jakic, ist es in den letzten Wochen, ja Monaten ganz schön ruhig geworden. Zumindest auf dem Fußballfeld. Für Aufsehen und ein paar Lacher sorgte der 26-Jährige hingegen erst kürzlich, als die Multimediabteilung ein ganz lustiges Video postete, in dem der Eintracht-Abräumer von Kumpel Hrvoje Smolcic ganz schön aufs Korn genommen wurde.

In einem Fußballsimulations-Duell an der Spielkonsole zog Verteidiger Smolcic seinem Landsmann ganz schön das Fell über die Ohren, 7:1 oder so, das letzte Tor erzielte Freund Smolcic auch noch mit dem virtuellen Kristijan Jakic – gegen den echten Kristijan Jakic. Der bebte. Hatte sich kaum noch im Griff, Adrenalin und Zorneslevel stiegen in gleichem Maße. Schimpfworte auf Kroatisch, Kategorie ganz sicher nicht jugendfrei, fluteten den Raum, und als er dann zum Schluss die ganze Tragweite des Klamauks mitbekommen hatte und ihm vor Augen geführt wurde, dass er gegen den in einem Nebenraum spielenden Eintracht-E-Sportler Emil Köhler so böse verloren hatte, liefen ihm sogar ein paar Schweißperlen über die Stirn. „Das war echt gefährlich“, sagte er lachend. „Ich wollte Smola töten.“ Wollte er natürlich nicht, war nur ein Spaß. Aber die lustige PR-Aktion war gelungen.

Rein sportlich gesehen, um den Bogen zum Eingang zu spannen, ist Kristijan Jakic das Lachen gehörig vergangen. Der Kroate aus dem Bergdörfchen Imotski kommt unter Trainer Dino Toppmöller kaum zum Zug. Das liegt zum einen an einer hartnäckigen und nicht näher definierten Knieblessur, die ihm zum Zuschauen zwang und wegen der er zwischen September und Oktober sechs Pflichtspiele verpasste. Aber das liegt nun auch schon wieder fast einen Monat zurück und seitdem durfte er genau noch einmal das Feld betreten. Im Conference-League-Heimspiel gegen HJK Helsinki wurde er nach 65 Minuten für Ellyes Skhiri eingewechselt, da stand es bereits 5:0 für die Eintracht.

Insgesamt kommt er auf nur zwei Bundesligaeinsätze, einmal stand er in der Startelf am zweiten Spieltag in Mainz. Seitdem schaut er zu, zuletzt schaffte er es zweimal gar nicht mehr in den Kader. Seinen Platz in der kroatischen Nationalelf ist er inzwischen ebenfalls los. Was Wunder? Wer im Verein nicht zum Zug kommt, hat kaum Argumente für eine Nominierung in die Landesauswahl.

Was also ist nur los mit Kristijan Jakic, der in der zurückliegenden Saison eine verlässliche Größe war, durch seine Vielseitigkeit bestach, mal rechter Verteidiger spielte oder rechter Innenverteidiger, gerne auch mal Libero, selten hingegen im defensiven Mittelfeld, seiner angestammten Position. Der brettharte Zweikämpfer kam auf 36 Pflichtspiele, stand in sieben der acht Champions-League-Partien in der Anfangsformation. Er nahm bei Oliver Glasner eine wichtige Rolle ein, der Ex-Coach lobte den Sportsgeist des Allrounders, die tadellose Einstellung und seinen Teamgedanken. Egal, wo er ihn aufbot, Jakic lieferte.

Doch das Eintracht-Spiel ist, wenn man so will, über den für 3,5 Millionen Euro von Dinamo Zagreb gekommenen Sechser hinweg gerauscht. Die Spielweise des rustikalen Kämpfers ist unter Dino Toppmöller nicht so sehr gefragt, das System des neuen Coaches fußt auf Spielstärke, technisches Vermögen und Passsicherheit. Da hapert es beim 26-Jährigen. Er gehört eher der Fraktion Blut, Schweiß und Tränen an, macht keine Kompromisse. Fußballerisch hat er seine Defizite, keine Frage.

Und: Die Konkurrenz ist zu groß, Ellyes Skhiri und Hugo Larsson schlugen voll ein, Kapitän Sebastian Rode ist sogar noch verletzt, doch Toppmöller sieht auch Eric Dina Ebimbe und sogar Methusalem Makoto Hasebe noch vor Jakic. Zudem will der Klub schon im Winter nachlegen, weil ihm die Personaldecke hinter dem Duo Skhiri/Larsson zu dünn ist. Am deutschen Nationalspieler Pascal Groß besteht Interesse.

Zudem: Skhiri weilt im Januar mit Tunesien beim Afrika-Cup, und Kapitän Rode ist ob seiner Verletzungsanfälligkeit keine verlässliche Größe. Trotzdem spielt Jakic keine Rolle. Auch in der Abwehr werden seine Dienste kaum mehr gebraucht, sollte die eingespielte Formation mit Tuta/Koch/Pacho gesprengt werden, wie aktuell, da Robin Koch mit einer Wadenverletzung auf Eis liegt, rückt Jakic-Kumpel Hrvoje Smolcic ins Team oder eben auch Makoto Hasebe. Jakic nicht.

Der ist mit der Situation natürlich gänzlich unzufrieden, denkt über einen Vereinswechsel nach, schon jetzt im Winter. Das ist nachvollziehbar, denn Jakic braucht Spielzeit, um sich für einen Platz in der kroatischen Nationalelf zu empfehlen. Eine Rückkehr in den Kreis der „Kockasti“, der Karierten, ist sein großes Ziel. Schließlich war er auch bei der Weltmeisterschaft in Katar im Kader der Kroaten, kam aber nicht zum Einsatz. Für Jakic war es dennoch ein großes Erlebnis.

Die Eintracht würde dem verdienten Spieler, der in jedem Spiel sein Herz auf dem Platz lässt, keine Steine in den Weg legen – wenn die Ablöse stimmt. Jakics Marktwert wird auf immerhin noch sieben Millionen Euro taxiert. Vielleicht kommt es aber zunächst zu einem Leihgeschäft. Die Frankfurter Verantwortlichen schätzen den Spieler menschlich sehr, sportlich scheint die Zeit in Frankfurt hingegen abzulaufen.

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