Trainer Nuri Şahin musste gehen

„Wir schämen uns“: BVB-Krisenfigur mit verspäteter Einsicht

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Nach der ersten Partie ohne Nuri Şahin (2:2 gegen Werder Bremen) äußerte sich Julian Brandt, ein Symbol der BVB-Krise, aufschlussreich.

Dortmund – Nach dem 2:2 gegen Werder Bremen herrschte bei Borussia Dortmund am Samstag eine gewisse Unklarheit darüber, wie das Ergebnis zu bewerten sei. Der BVB verspielte eine 2:0-Führung, musste jedoch 70 Minuten in Unterzahl spielen. Die Mannschaft zeigte eine gewisse Leidenschaft, ließ jedoch erneut spielerische Klasse und Killerinstinkt vermissen.

Interimstrainer Mike Tullberg, der vor seinem Bundesliga-Debüt gegen Werder nur eine vollwertige Trainingseinheit absolvieren konnte, wurde in seiner Rolle auch für das Champions-League-Spiel gegen Schachtar Donezk bestätigt. Nach der Trennung von Nuri Şahin ist der BVB noch nicht bereit, einen dauerhaften Nachfolger zu präsentieren. Die Entlassung des ehemaligen Profis war selbstverständlich auch im Umfeld des Spiels gegen Bremen ein großes Thema.

Besonders bemerkenswert waren die Äußerungen von Julian Brandt.

Julian Brandt übernimmt spät Verantwortung für die BVB-Krise

Er erklärte: „Wir wissen, dass wir in den letzten Wochen super schlecht Fußball gespielt haben. Dafür fühlen wir uns schuldig und schämen uns dafür, dass wir den Verein in so eine Situation gebracht haben, Nuri Şahin zu entlassen. Ich persönlich hätte gerne mit ihm weitergearbeitet“, so Brandt beim TV-Sender Sport1.

Als Vizekapitän ist Brandt eines der Gesichter der Krise bei Borussia Dortmund. In den vergangenen Wochen blieb er oft deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück und konnte seiner zugedachten Führungsrolle nicht ansatzweise gerecht werden. Auch gegen Werder Bremen unterliefen ihm viele Fehler, doch er bereitete zumindest das Tor von Serhou Guirassy vor und bemühte sich bis zur Auswechslung auch in der Defensive.

Julian Brandt wird seiner Rolle als Vizekapitän beim BVB nicht gerecht.

Brandt scheint nun erkannt zu haben, dass die Mannschaft Şahin im Stich ließ und die Vereinsführung kaum eine andere Wahl hatte, als den Trainer zu wechseln.

Brandt: In Dortmund „gibt es nur gut und ganz, ganz schlecht“

Nach außen hin präsentiert sich die Führung des BVB dabei in einem denkbar schlechten Licht. Interna werden regelmäßig an die Medien weitergegeben, der kaum verhohlene Machtkampf zwischen Sportdirektor Sebastian Kehl und Kaderplaner Sven Mislintat hat sich zu einer peinlichen Farce entwickelt.

Şahin sprach das Thema direkt nach seinem letzten Spiel als BVB-Trainer in Bologna an und forderte, dass der Verein „endlich zur Ruhe finden“ müsse und keine „Nebenkriegsschauplätze“ mehr existieren dürften.

Auch die Spieler um Brandt nehmen das endlose Gerede wahr. „Nebenschauplätze gibt es nur, wenn es nicht läuft. Wenn es gut läuft, gibt es die gar nicht. Es gibt nur gut und ganz, ganz schlecht, vor allem in diesem Verein“, erklärte der 28-Jährige. Es liegt an den vermeintlichen Führungsspielern wie Brandt, die Krise zu überwinden. Das Unentschieden gegen Werder war lediglich ein sehr kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Marco Steinbrenner/DeFodi Images

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