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Hanna Raif
Philipp Kessler
Vinzent Tschirpke
„Einfach abschalten“: Die Spieler des FC Bayern bekamen eine Auszeit bis Ende Juli. Dann geht es Schlag auf Schlag – und am Tegernsee wird‘s diesmal eng.
Es ist vollbracht. Knapp vier Wochen nach der Abreise in die USA hat der Tross des FC Bayern wieder Münchner Boden unter den Füßen. Am Montagmittag verabschiedeten sich die Spieler nach dem knapp zehnstündigen Flug aus Orlando in den mehr als wohlverdienten Urlaub – und zwar in der Absicht, eine Anordnung von höchster Stelle umzusetzen. „Es ist wichtig, dass sie mental jetzt abschalten und Kraft tanken. Nächste Saison wollen wir dann die nächsten Schritte gehen“, hatte Vincent Kompany nach dem bitteren Aus gegen PSG im Viertelfinale der Club-WM gesagt. Seine unmissverständliche Botschaft: 21 Tage ohne Ball!
Der Trainer meint sie ernst, und zwar so ernst, dass nicht vor 29. Juli – also dem Dienstag in drei Wochen – wieder gemeinsam trainiert werden soll. Drei volle Kalenderwochen wollte er seinen Stars gönnen, drei volle Kalenderwochen kriegen sie. Zwar hätte man freilich gerne noch eine Woche Arbeit bis zum Finale der Club-WM dran gehängt und weiter um den Titel gespielt. Aber es hat trotz des intern hochgelobten Teamspirits auch jeder gemerkt, dass die Akkus nach bald einem Kalenderjahr ohne echte Pause immer leerer werden.
„Die Jungs sollen abschalten“, hatte auch Sportvorstand Max Eberl gesagt und zudem betont: „Wir spielen noch – andere fangen schon wieder an.“ In der Tat war unter anderem in Stuttgart und Frankfurt am Montag Trainingsauftakt.
Eberl will niemanden sehen: „Elementar wichtig!“
Die Bayern werden nun alle Viere von sich strecken – und auf das bauen, was in den USA trotz des herben Endes entstanden ist. „Viel zusammengewachsen“ sei in der gemeinsamen Zeit im Teamcamp in Orlando, sagt Manuel Neuer, der sich sicher ist: „Das wird uns für die Zukunft helfen.“ Trotzdem sprach der Kapitän allen aus der Seele, als er auch zugab: „Jetzt will ich einfach abschalten, es war eine harte Saison für uns.“ Eberl bezeichnete es sogar als „elementar wichtig“, sich jetzt „drei Wochen nicht zu sehen. Das hilft allen Beteiligten. Dann kann man mit neuem Mut an die neue Saison gehen.“
Das wird vonnöten sein, denn schon die Mini-Vorbereitung wird es in sich haben. Bereits in der Woche nach dem Trainingsstart steht der erste Test gegen Europa-League-Sieger Tottenham Hotspur an (7. August), am 12. August dann geht es gegen Grasshopper Zürich. Der Ernstfall wartet im Supercup am 16. August gegen Pokalsieger VfB Stuttgart, Bundesliga-Start ist am 22. August gegen RB Leipzig. Das Motto für die kommende Saison hat Neuer – der die freie Zeit für eine große Hochzeitsfeier mit seiner Anika nutzen wird – bereits formuliert: „Mit dem FC Bayern ist zu rechnen.“
In Rottach-Egern sind schon andere zu Gast
Ob auch am Tegernsee mit dem FC Bayern zu rechnen ist, weiß man vor Ort übrigens noch nicht. Bis gestern hatte die Vereinsführung des FC Rottach-Egern noch nichts vom großen Nachbarn gehört, der das Stadion am Birkenmoos in den letzten Jahren regelmäßig im Rahmen eines Trainingslagers genutzt hatte. Wäre Kompanys Team bis 13. Juli in den USA geblieben, wäre die Zeit zu knapp gewesen. Nach dem Viertelfinal-Aus aber galt es als nicht komplett ausgeschlossen, einen mehrtägigen Stopp am Tegernsee einzulegen. Das Problem allerdings: Borussia Mönchengladbach und der VfB Stuttgart haben sich auch eingebucht – viel Spielraum hat der FC Bayern daher nicht.
Gladbach gastiert vom 18. bis 25. Juli, also vor dem Trainingsstart der Bayern. Der VfB-Besuch aber (28. Juli bis 2. August) fällt in die potenzielle Reisezeit der Bayern. Erst in der Woche ab 3. August könnte der Rekordmeister am Seeufer aufschlagen – vier Tage vor dem ersten Spiel. Klingt schon wieder nach Stress...
Rubriklistenbild: © Leonie Asendorpf/dpa



