VonThomas Kilchensteinschließen
Eintracht-Trainer Dino Toppmöller lobt die Qualität des Kaders und verspricht für die neue Saison offensiven Fußball - mal wieder.
Einen Tag vor dem Testspiel gegen die Vertretung des FC Louisville City, das bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht abgepfiffen war, war bei Dino Toppmöller das Thema „Stürmer“ aufgekommen. Er war gefragt worden, wie wohl er sich denn fühle, endlich mal in der komfortablen Situation zu stecken, bei der Vergabe der Angriffsplätze praktisch die Qual der Wahl zu haben. Das war ja im letzten Jahr komplett anders, da haben sie ihm zwei Stürmer (Rafael Borré, Randal Kolo Muani) auf den allerletzten Drücker weggekauft. Da musste der Trainer von Eintracht Frankfurt ein wenig schmunzeln, „warten wir mal ab, fragt mich noch mal am 1. September“, sagte er gequält, gebranntes Kind, der er ist.
Tatsächlich aber kann Dino Toppmöller - Stand jetzt - gar aus einem bunten Strauß an hochkarätigen Stürmern wählen, er nennt das griffig: „Wir haben eine gute Werkzeugkiste beisammen“, für jede gegnerische Abwehrformation das geeignete Mittel. Man verfüge inzwischen über Offensivkräfte „mit ganz unterschiedlichen Profilen“, flink, spiel- oder kopfballstark, je nach Lage der Dinge. Etwa Hugo Etikité, der „einen weiteren Schritt gemacht“ habe, was „seinen Fitnesslevel betrifft“ und vor Tatendrang strotzt, Oder Igor Matanovic und Can Uzun, die beide „eine tolle Runde in der zweiten Liga gespielt“ hätten.
Gerade Matanovic habe sich prima entwickelt, er sei inzwischen längst zu „einem ernsthaften Konkurrenten“ für alle anderen Stürmer gereift, ihm fehle allenfalls noch „die absolute Coolness“ vor dem Tor, aber das werde noch.Und dann Omar Marmoush, die letztjährige Frankfurter Lebensversicherung (17 Tore), da brauche man keine weiteren Worte zu verlieren. Vielleicht nur die: Er dürfte (mit Willian Pacho) noch ein heißer Verkaufskandidat sein, selbst wenn er sich in Frankfurt pudelwohl fühlt. „Wenn der Verein irgendwann ein Angebot erhalten sollte, das wirtschaftlich passt, dann kann sich manches verändern“, hatte er unlängst der „FAZ“ erzählt. So sieht das auch die Führungsetage der Hessen.
In Angriff sieht sich der Bundesligist also bestens präpariert und keinesfalls nur da: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Kader“, sagt Toppmöller, der im Trainingscamp in Kentucky inzwischen - bis auf Jean-Matteo Bahoya - alle Mann zusammen hat. „Die Kaderqualität hat noch einmal zugenommen“, frohlockt der 43 Jahre alte Fußballlehrer, unter anderem weil in diesem Jahr der personelle Umbruch deutlich kleiner ausgefallen ist und viele Spieler inzwischen wüssten, was von ihnen verlangt werde, die Spieler kennen die Abläufe.
Dazu sei durch das gestiegene individuelle Level der Konkurrenzkampf deutlich schärfer geworden, „wir sind auf allen Positionen sehr gut besetzt“, mindestens doppelt, oft gar dreifach, findet der Coach. Die Hatz auf die ersten elf Plätze ist verbissener geworden, „das sieht man in jedem Training, es geht um die Startelfmandate“, freut sich der Coach, denn: „Wir wollen uns zeigen und hoffentlich noch einen Tick besser werden“ als im letzten Jahr. Da schaffte die Eintracht bekanntlich einen erstaunlichen sechsten Platz. Noch dazu sei Stimmung und Atmosphäre im neu zusammengestellten Team außerordentlich gut, die Mischung stimme, die Jungs, bestätigt auch Altmeister Timothy Chandler, seien „sehr einfach“ zu führen.
In Louisville verriet Toppmöller en passent aber offenbar auch, dass Eintracht Frankfurt nicht mehr mit dem Transfer eines sogenannten „Leaders“ plant, selbst wenn Sportchef Markus Krösche via „Bild“ einen „20-Millionen-Euro-Transfer“ grundsätzlich nicht ausschließen will - allerdings nur, falls vorher ein Spieler für viel Geld den Klub noch verlässt.
Gedacht ist also, dass die Vakanz auf der „Sechs“ aus Bordmitteln gestopft werden soll, und zwar mit dem Brasilianer Tuta. Der 25-Jährige, der zuletzt auf dieser Position allenfalls ausgeholfen hatte, und Ellyes Skhiri (sowie eventuell Oscar Hojlund) seien für die defensive Rolle prädestiniert, „das ist die Konstellation“, sagt Toppmöller, „mit der wir in die Saison gehen wollen“. Er findet: „Im zentralen Mittelfeld sind wir schon ganz ordentlich aufgestellt“, und schließt damit, ohne explizit den Namen zu nennen, natürlich auch Hugo Larsson mit ein.
Die Ambitionen für die neue Saison, die mit einem Pokalspiel bei Eintracht Braunschweig (19. August) und einem Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund (24. August) knackig beginnt, sind also hoch, Toppmöller hat die Erwartungen, ohne Not, noch einmal nach oben geschraubt und damit natürlich auch den Druck erhöht - auf die Mannschaft und auf sich. So ganz störungsfrei und reibungslos verlief die letzte Saison ja nicht, viel Kredit hat der 43-Jährige im weiteren Frankfurter Umfeld nicht mehr. Jetzt sagt er: „Wir wollen die Zuschauer begeistern, durch aggressiven Fußball und einem Fußball, bei dem wir die Bälle hoch gewinnen, schnell nach vorne spielen und Tore schießen.“ Alle im Team hätten „Bock auf Fußball“, hätten „Bock, nach vorne zu spielen und das wollen wir beibehalten“.
Das klingt sehr hübsch. Es klingt vor allem ziemlich genau nach dem, was Dino Toppmöller auch vor einem Jahr versprochen hatte, als er als Novize bei der Eintracht begann. „Net viel Gebabbel – Frankfurt makes trouble“ hat er seine Vorstellung seinerzeit eingeleitet. Und erklärt, er wolle mit der Mannschaft einen Fußball spielen lassen, „der die Zuschauer begeistert und emotionalisiert“. Man wolle „nach vorne spielen, attraktiv und offensiv“. Er, Toppmöller, stehe für „offensiven Fußball“, das waren seine Worte vor einem Jahr. Bekanntlich hat das dann nicht so super geklappt, bis auf ein halbes dutzend guter Spiele hatten die Hessen eher langweiligen, trögen Sicherheitsfußball gespielt. Das hat man in Frankfurt noch nicht vergessen.
