Das für die WM 2022 neu erbaute al-Janoub-Stadion in der katarischen Stadt al-Wakrah war eines der letzten Designs der irakischen Architektin Zaha Hadid.
Doha – Das al-Janoub-Stadion gilt als eines der letzten Vermächtnisse der 2016 verstorbenen und vielfach preisgekrönten irakischen Architektin Zaha Hadid, der Königin der Kurven. Der beeindruckende Bau liegt südlich der Hauptstadt Doha in al-Wakrah und soll nach der WM 2022 dem örtlichen al-Wakrah SC als Heimspielstätte dienen.
Das al-Janoub-Stadion: Hintergründe zum Bau
Das Gebiet um al-Wakrah ist eine der am längsten durchgängig besiedelten Regionen von Katar. Über viele Jahrhunderte lebten die Menschen hier vom Fischfang und vom Perlentauchen. Diese Traditionen greift das al-Janoub-Stadion mit seinem ungewöhnlichen Design auf, denn das wellenförmige Dach erinnert ganz bewusst an den Rumpf der arabischen Fischerboote, Dhow genannt. Sie werden nach der Rückkehr vom morgendlichen Fischfang am Strand umgedreht, damit sie ihren Besitzern tagsüber Schatten spenden.
Auch der örtliche Sportverein, der al-Wakrah SC, blickt auf eine lange Tradition zurück und die Fußballmannschaft gewann 1999 und 2001 zweimal die katarische Meisterschaft. Nach der WM 2022 wird sie im al-Janoub-Stadion ihre Heimspiele in der katarischen Liga, der Qatar Stars League, austragen. In der direkten Umgebung entstehen weitere Sportstätten für andere Sportarten des Vereins, darunter eine multifunktionale klimatisierte Turnhalle.
Nachhaltigkeit und Kühlung
Die ungewöhnliche Form des Daches trägt zur natürlichen Kühlung des Stadions bei und reduziert den Betrieb der Klimaanlagen. Rund um das Stadion entstehen neue Grünflächen, die mit regionalen Wüstenpflanzen mit geringem Wasserbedarf bepflanzt werden und mit Joggingstrecken und Fahrradwegen ein Sportangebot für die örtliche Bevölkerung darstellen.
Wie viele Plätze hate das al-Janoub-Stadion?
Um den Vorschriften der FIFA für WM-Stadien zu genügen, wurde das al-Janoub-Stadion mit einer Kapazität von 40.000 Sitzplätzen erbaut. Allerdings soll diese nach dem Ende der WM 2022 auf die Hälfte reduziert werden. Damit erhält der al-Wakrah SC eine bedarfsgerechte Spielstätte für den Ligabetrieb. Die entfernten Sitze sollen an andere Länder gespendet werden, um dort die Fußball-Infrastruktur zu verbessern.
Der Sitzplan des al-Janoub-Stadions ist in vier Preiskategorien unterteilt. Die günstigsten Plätze befinden sich im Oberrang hinter dem Tor, während die beiden Geraden komplett der ersten Preiskategorie entsprechen.
al-Wakrah ist die Endhaltestelle der Roten Linie der Metro von Doha. Vom U-Bahnhof können Fußballfans mit dem Taxi zum Stadion gelangen. Alternativ fahren die Busse der Linie 119 vom zentralen Busbahnhof Al Ghanim im Herzen von Doha bis zum al-Janoub-Stadion.
al-Janoub-Stadion: Infos zu den Spielen der WM 2022
Im Rahmen der WM 2022 finden im al-Janoub-Stadion von al-Wakrah insgesamt sieben Spiele statt. Die angegebenen Zeiten sind Ortszeiten. In Deutschland ist es jeweils zwei Stunden früher.
- 22. November, 22 Uhr: Frankreich – Australien
- 24. November, 13 Uhr: Schweiz – Kamerun
- 26. November, 13 Uhr: Tunesien – Australien
- 28. November, 13 Uhr: Kamerun – Serbien
- 30. November, 18 Uhr: Australien – Dänemark
- 2. Dezember, 18 Uhr: Ghana – Uruguay
- 5. Dezember, 18 Uhr: Achtelfinale
al-Janoub-Stadion: Skandale und Kontroversen
Beim Bau der Stadien für die WM 2022 kam es zu Kontroversen um die Arbeitsbedingungen der ausländischen Bauarbeiter. Davon war auch das al-Janoub-Stadion betroffen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisierten die unhygienischen Massenunterkünfte, die unsicheren Arbeitsstätten und die langen Arbeitszeiten ohne Pause trotz hoher Temperaturen. Dazu wurde den Bauarbeitern häufig über Monate zu wenig oder gar kein Lohn ausgezahlt.