FC Bayern: Achtelfinal-„Freilos“ FC Chelsea gewinnt die Klub-WM
VonPeter Grad
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Die Klub-WM in den USA endete mit einem in der Höhe fast schon sensationellen Finalsieg des FC Chelsea gegen CL-Sieger PSG. Ausgerechnet die Londoner, die sich so viele FCB-Fans als Achtelfinalgegner gewünscht hätten.
New Jersey / München - Paris Saint-Germain wird nicht als dritter Sextupel-Sieger nach dem FC Barcelona (2009) und dem FC Bayern (2020) in die Fußballgeschichte eingehen. Völlig überraschend unterlag der amtierende Königsklassengewinner nach den Siegen gegen die Mitfavoriten FC Bayern (Viertelfinale; 2:0) und Real Madrid (Halbfinale; 4:0) dem Conference-League-Gewinner Chelsea im Endspiel der Klub-Weltmeister sang-, klang- und kraftlos mit 0:3. Die Londoner zählten bis zum Finale eigentlich nie so richtig zum Favoritenkreis des Turniers.
Chelsea lediglich im erweiterten Favoritenkreis
Blickte man vor dem erstmals mit 32 Teams aus allen Kontinenten ausgetragenen Weltturnier auf die Teilnehmerliste, konnte man ein halbes Dutzend Vereine identifizieren, die zum Favoritenkreis gehörten: Topfavorit PSG, dann wurden erstaunlich oft Manchester City und Real Madrid genannt. Beide Giganten im Weltfußball, beide reisten nach einer sehr enttäuschenden Saison in die USA, die sie mit einem WM-Titel noch ein wenig hätten versüßen können. Danach der FC Bayern, etwas erholt von den zahlreichen schweren Verletzungen im Saisonendspurt, CL-Finalist Inter Mailand und dahinter der FC Chelsea, den aber niemand so richtig auf dem Schirm hatte.
Alle sechs Turnierfavoriten qualifizierten sich in der Gruppenphase für das Achtelfinale, vier als Gruppensieger, zwei als Gruppenzweite, der FC Bayern und Chelsea. Während der Vierte der Premier League schon am zweiten Spieltag den Gruppensieg mit einem 1:3 gegen CR Flamengo aus Brasilien verspielte, waren die Münchner nach zwei Spieltagen mit zwei Siegen bei 12:1 Toren bereits für die KO-Runde qualifiziert, als zu dem Zeitpunkt - gemessen am Torverhältnis - beste Turniermannschaft.
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FCB-Wunschgedanke - nach Gruppensieg über Chelsea ins Finale - scheitert
So wurde bei den FCB-Fans vor dem letzten Gruppenspiel gegen Benfica Lissabon viel spekuliert: Bereits ein Unentschieden gegen den Europapokal-„Lieblingsgegner“ (keine einzige Niederlage in 13 Spielen seit 1976) hätte den Gruppensieg bedeutet, der allerdings den FC Chelsea als AF-Gegner beschert hätte. Verliert man gegen Benfica geht es zwar zunächst gegen vermeintlich schwächeren Gegner aus Rio, dann aber warten schnell die ganz dicken Brocken: PSG im Viertelfinale und Madrid im Halbfinale.
Die unnötige 0:1-Niederlage - nicht zuletzt auch Vincent Kompanys Totalrotation geschuldet - bedeutete dann tatsächlich den auf dem Papier wesentlich komplizierteren Weg. Die beste „südamerikanische Mannschaft“ (Ex-FCB-Spieler Rafinha), dann PSG - und es wären im Halbfinale tatsächlich auch die Königlichen geworden. Nicht wenige Bayernanhänger schimpften wegen dieser vermeidbaren Konstellation.
„Chelsea-Pforte“ ins Finale geht plötzlich weit auf, während Bayern scheitert
Und es kam noch schlimmer: Während die Bayern sehr starke Brasilianer eliminieren mussten (4:2), spielte sich PSG mit großer Leichtigkeit ins Viertelfinale (4:0 gegen Inter Miami). Auf der anderen Tableau-Hälfte konnte Chelsea beim 4:1-Sieg nach Verlängerung, der durch einen Platzverweis begünstigt wurde, gegen Benfica nicht wirklich überzeugen und die als größte Widersacher auf dem Weg ins Finale eingeschätzten ManCity und Inter strauchelten im Achtelfinale auf blamable Weise. Alles sehr bitter für die Bayern.
Und es wurde noch bitterer: Das 0:2-Aus gegen den CL-Sieger PSG, welcher im Halbfinale dann auch noch ein völlig desolates Real Madrid mit 4:0 pulverisierte. Dass dabei die zweite Hälfte der Pariser auch schon weit unter Durchschnitt war, war nicht einmal eine Randnotiz.
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Chelsea im Endspiel gegen PSG klarer Außenseiter - eine Fehleinschätzung
Chelsea hatte es auf seiner Seite - ohne City und Inter - gegen Palmeiras (2:1 im Viertelfinale) und Fluminense (2:0 im Halbfinale) wesentlich leichter. Beide liegen in der brasilianischen Liga hinter Flamengo und werden von Experten auch schwächer als der FCB-Gegner eingeschätzt. Aber im Endspiel gegen den „Sextupel-Aspiranten“ galten die Londoner als krasser Außenseiter.
Was für eine Fehleinschätzung: Während PSG schon im Spiel gegen Real Madrid die Körner und Konzentration ausgingen, was sich im Endspiel auf erstaunliche Weise fortsetzte, wurde Chelsea von Runde zu Runde stärker. Dazu beigetragen hat in erheblichem Maße ab dem Viertelfinale auch Neuzugang João Pedro, der im Halbfinale seinen Ausbildungsverein Fluminense im Alleingang abschoss und gegen PSG das vorentscheidende 3:0 erzielte.
Jetzt könnte man als genervter FCB-Fan natürlich spekulieren: Hätte man gegen Benfica nicht verloren, wäre man im Achtelfinale auf Chelsea - noch nicht ansatzweise in der Galaform des Endspiels und ohne Pedro - getroffen, dann die beiden brasilianischen Teams und im Endspiel das ausgelaugt wirkende Paris Saint-Germain - „wäre wäre Fahrradkette“ (Fußball-Philosoph Lothar Matthäus).
Erst die späte 0:1-Niederlage von Botafogo gegen Atlético Madrid machte PSG übrigens zum Gruppensieger. Wäre das Tor nicht gefallen, wären die Pariser auf der Chelsea-Tableau-Hälfte gelandet und dort bereits im Viertelfinale dessen Gegner gewesen. Hätten die Bayern in diesem Fall einen „Spaziergang ins Finale“ genießen können?
Der FCB hatte durchaus eine realistische Chance, den Klub-WM-Titel mit an die Säbener Straße zu nehmen, sowohl als Gruppensieger als auch als -zweiter. Rückblickende Spekulationen bringen nichts, das Turnier war für den Modus ein typisches und der FC Chelsea ganz zum Ende ein verdienter Gewinner. Als sich der deutsche Rekordmeister durch die Pleite gegen Benfica jedoch nicht als Gruppensieger für die Partie gegen den späteren Weltmeister hatte qualifizieren können, ärgerten sich einige Fans dermaßen darüber, als wäre Chelsea im Achtelfinale ein „Freilos“ gewesen.