VonAndreas Knoblochschließen
Im Finale der Basketball-Weltmeisterschaft kämpft Deutschland gegen Serbien um den Titel. Beim Gegner steht ein ganz besonderer Trainer an der Seitenlinie.
Manila - Es war der viel zitierte „Thriller in Manila“, in Anlehnung an den 1975 ausgetragenen Boxkampf zwischen Muhammed Ali und Joe Frazier („Thrilla in Manila“), den die deutsche Basketball-Nationalmannschaft im Halbfinale gegen die USA gewann. Nun trifft sie im Finale und einem womöglich weiteren Thriller auf Serbien und ein altes, bekanntes Basketball-Gesicht: Svetislav Pesic.
Basketball-Finale Deutschland gegen Serbien viel mehr als ein WM-Endspiel – zumindest für Pesic
Für den 74-Jährigen ist das die absurde Fügung eines Schicksals, mit der in diesem Rahmen niemand gerechnet hatte. Pesic aber hatte das Finalspiel (auch bei uns im Live-Ticker) auf seiner Wunschliste. „Ich habe mir dieses Finale gewünscht, und es ist so gekommen“, sagte Serbiens Nationalcoach. Deutschland ist Pesics zweite Heimat, er selbst holte den größten Erfolg der DBB-Geschichte, kann den noch größeren am 10. September eigenhändig verhindern.
Er war der Vater des historischen EM-Triumphes von 1993. Bis zum laufenden WM-Turnier der größte Erfolg im deutschen Basketball. „Jetzt soll der Bessere gewinnen“, so Pesic vor dem großen Showdown am Sonntag (14.40 Uhr MESZ/ZDF und MagentaSport) in Manila. Es ist ihm deutlich anzumerken, wie sehr Pesic in Deutschland verwurzelt ist. Noch bevor das Finale gegen die Deutschen feststand, huschte Pesic ein Lächeln über das Gesicht, als er auf die mögliche Traumpaarung angesprochen wurde.
Serbien-Trainer Pesic wohnt in Deutschland, sein Sohn arbeitet für Bayern München
Natürlich, schließlich wohnt er mit seiner Familie noch immer in Deutschland, sein Sohn Marko ist Geschäftsführer von Top-Klub Bayern München. Dort war Pesic senior selbst von 2012 bis 2016 Trainer, holte 2014 den Meistertitel, nachdem ihm dies mit Alba Berlin in den Neunziger- und frühen Zweitausender-Jahren viermal gelungen war.
Nun auf der gegnerischen Seite zu stehen, dürfte sich einerseits merkwürdig anfühlen, aber auch als serbischer Auswahlcoach schließt sich für Pesic ein Kreis. 2002 hatte er den nicht mehr existenten Vorgängerstaat Jugoslawien in den USA zum umjubelten Final-Triumph gegen den amerikanischen Gastgeber geführt. Für Pesic müssen die 21 Jahre jedoch wie eine Ewigkeit wirken: „Ich befinde mich hier in Manila in einer anderen Situation, alles ist neu für mich.“ Neu war der Erfolg auch für die deutsche Öffentlichkeit, die aus den Glückwünschen gar nicht mehr herauskam.
Deutschlands Gegner Serbien bei der WM ohne Megastar Nikola Jokic
Die aktuelle serbische Generation ist wieder einmal eine unheimlich talentierte. Selbst ohne Superstar Nikola Jokic, der vor dem Turnier abgesagt hatte, weil er sich nach dem Gewinn der NBA-Meisterschaft mit den Denver Nuggets ausgelaugt fühlte. Kurios: Mit dem zweimaligen NBA-MVP waren die Serben im Vorjahr überraschend im EM-Viertelfinale in Berlin gescheitert.
Doch auch dieser Tage ist Jokic irgendwie in Manila dabei. Nach jedem Spiel, verriet Anführer Bogdan Bogdanovic, schreibe er dem Team. Pesic selbst wollte die Aufmerksamkeit lieber auf seine aktuelle Mannschaft lenken. „Jokic wird Teil des Teams sein. Er ist im Moment der beste Spieler der Welt, ein toller Mensch“, sagte Pesic, aber: „Jetzt ist nicht die Zeit, um viel über Jokic zu sprechen. Jetzt ist die Zeit, über die Spieler zu sprechen, die hier sind.“
Derweil fehlt nicht nur Jokic, auch Topspieler wie Vasilije Micic oder Nikola Kalinic sind auf den Philippinen nicht dabei. Dazu musste Pesic einige Verletzungen im aktuellen Kader moderieren, Borisa Simanic verlor nach einem Ellenbogenschlag im Vorrundenspiel gegen den Südsudan gar eine Niere. Trotzdem überrollten die Serben angeführt vom überragenden NBA-Star Bogdanovic (Atlanta Hawks), der WM-MVP werden könnte, erst im Viertelfinale Litauen (87:68) und dann in der Vorschlussrunde Kanada (95:86). Die Deutschen um Dennis Schröder werden gewarnt sein. (ank mit SID-Material)
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