VonThomas Kilchensteinschließen
Der neue Trainer Dino Toppmöller verspricht attraktiven Fußball, findet die Mannschaft jetzt schon „super“ und ist überglücklich, „wieder Teil von Eintracht Frankfurt zu sein“
Dieser Tage war Dino Toppmöller mal wieder im Stadtwald, er kennt das Areal ja längst. Nicht erst seit seiner Unterschrift unter einen frischen Dreijahresvertrag als Cheftrainer bei Eintracht Frankfurt, es hat ja vorher schon Gespräche gegeben, sehr gute natürlich. „Nach dem ersten Anruf von Markus Krösche war ich gecatcht“, sagt der 42-Jährige auf neudeutsch. Auch den Sportvorstand der Frankfurter kennt Dino Toppmöller berufshalber schon eine ganze Weile, in Leipzig, bei RB, hatten beide schon einmal zusammengearbeitet, beide übrigens seinerzeit nicht in führender Position, als zweite Männer sozusagen.
Als Toppmöller letztmals am Spielfeldrand stand, war es ebenfalls Sommer, und Bayern München hat den sich größer als gedacht fühlenden Hessen gerade eine schöne Abreibung verpasst, 1:6 am ersten Spieltag, 0:5 zur Pause. Den Rasen kennt er als Spieler aus der ruhmreichen Zweitliga-Saison 2002/2003, die mit dem Aufstieg in die erste Liga nach einem wundersamen 6:3 endete.
Und den ganz großen Blick von oben hatte er ohnehin schon viel länger, als zwölf-, 13 Jahre alter Junge guckte er zuweilen von der Haupttribüne zu, wie unten Vater Klaus den Fußball 2000 spielen ließ. Nur das Proficamp kannte der zweifache Familienvater logischerweise noch nicht. Aber terra incognita ist das Areal im Stadtwald für Dino Toppmöller wahrlich nicht.
Dessen Abstecher nach Frankfurt nutzte sein neuer Arbeitgeber prompt, Toppmöller vor die vereinseigene Kamera zu bitten. Einzelgespräche, gar Interviews der örtlichen Presse, hatte der Klub hingegen ausdrücklich nicht vorgesehen. Auch eine offizielle Vorstellung des neues starken Mannes wurde erstaunlicherweise in den Juli verlegt, kurz vor dem Trainingsauftakt am 10. Juli. Kein Problem hatte hingegen die für positive Stimmung zuständige Medienabteilung, Toppmöller selbst zu ersten Eindrücken zu befragen.
Klare Prinzipien
Man kann dem neuen Chef also durchaus abnehmen, wenn er im schwarz-weißen TV-Sender sagt, stets ein Auge auf die Eintracht gerichtet zu haben, selbst aus neutraler Position, als noch nicht abzusehen war, dass es mit Oliver Glasner enden würde. Seit 2016 sei es „stetig bergauf“ gegangen, „das Gesamtpaket ist einfach sensationell“, die Stadt „toll“, die Mannschaft „super“, sagte Dino Toppmöller. „Die Art und Weise, wie Eintracht in der Symbiose mit ihren Fans gespielt hat, ist etwas, das jeden, egal ob Spieler oder Trainer, catcht, das hat mich begeistert“. Wie die Anhängerschaft „Stadien in Heimspiele verwandelt“ sei schlicht „einmalig in Europa“, lobhudelte der neue Trainer, insofern war ihm die Entscheidung leicht gefallen, das Engagement in Frankfurt anzunehmen. Zumal er - nach dem Rausschmiss bei Bayern München - ohnehin gerade ohne Job war. Die Entwicklung, die sein neuer Brötchengeber genommen habe, sei „sensationell“, und er sei überglücklich, „wieder Teil von Eintracht Frankfurt“ sein zu dürfen.
Er war das ja schon als Spieler in der zweiten Liga, groß waren sein Fußstapfen da allerdings nicht. In der Hinrunde der Saison 2002/03 kam er ganze 40 Minuten zum Einsatz, die Rückrunde gestaltete sich besser für ihn, drei Tore erzielte er, darunter den 1:0-Siegtreffer gegen Greuther Fürth und beide Tore zum 2:0 gegen Oberhausen im vorletzten Spiel, weswegen es überhaupt zu diesem erstaunlichen Krimi am 34. Spieltag kommen konnte, bei dem er - beim Stand von 3:3 - nach einer Stunde für zweifachen Torschützen Bakary Diakité ausgewechselt wurde. „Wir hatten eine super coole Truppe mit Nikolov, Bindewald, Schur, Skela, den jungen Jones, Streit und mir“, erzählte er. Dennoch war er nur ein Jahr geblieben, ein Fehler, wie er mal einräumte, seine Gehaltsforderungen seinerzeit waren zu hoch.
Sich selbst bezeichnete Toppmöller bei Eintracht-TV als „umgänglichen Typen“, der viel kommuniziert, klare Ideen, Vorstellungen und Prinzipien“ habe, an die sich alle zu halten hätten. „Ich versuche mich, in die Spieler hinein zu versetzen,“ Fußball will er, selbstverständlich, nach vorne spielen lassen, attraktiv und offensiv. „Wir wollen die Zuschauer begeistern und emotionalisieren“, vor allem, wenn das Waldstadion mit dann 60 000 Anhängern noch dichter besetzt sein wird als jetzt. „Dieses positive Energie wollen wir mitnehmen.“
Neue Assistenten
Mit ihm kommen seine beiden Co-Trainer Erwin Bradasch, 42, ein Ex-Profi und gebürtiger Darmstädter, den er noch aus Luxemburger Zeiten bei F91 Düdelingen kennt und schätzt, der ihm bei der täglichen Trainingsarbeit assistieren wird und der für klare Ansagen bekannt ist. „Er hat eine gute Verbindung zur Mannschaft.“ Nelson Morgado, 36, Portugiese und wie Randal Kolo Muani in Paris-Bondy geboren, zuletzt beim AS Monaco tätig, ist ein Analyst, der die eigen Spielideen weiter vorantreiben soll, „er sucht permanent nach neuen Ideen.“ Auch er hat in Luxemburg mit Toppmöller gearbeitet.
Und als sicher dürfte sein, dass künftig das eine oder andere Mal auch Vater Klaus zuschauen wird, dann oben auf der Haupttribüne, wo vor 30 Jahre der Filius gesessen hat. „Mein Vater ist megastolz, dass ich wie er meine erste Station in der Bundesliga bei der Eintracht antrete. Er wird mir alle Daumen drücken“. Und vielleicht sogar einen Rat geben? Vielleicht lieber nicht: Toppmöller Senior blieb seinerzeit nur zehn Monate.
