Stuttgarter Respektlosigkeit gegenüber Bayern-Wunschspieler Woltemade
VonPeter Grad
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Offensichtlicher kann der Wechselwunsch eines Spielers nicht sein: Nick Woltemade möchte künftig für den FC Bayern auflaufen. Das Verhalten des VfB Stuttgart bleibt stur. Ein Kommentar.
Stuttgart / München – Es ist wohl eine der unglaublichsten Transfer-Sagas in der Historie der Fußball-Bundesliga: Der FC Bayern bietet für einen Spieler, der vor einem Jahr hauptsächlich Insidern bekannt war und ablösefrei vom SV Werder Bremen zum VfB Stuttgart gewechselt ist, eine Rekordsumme nach der anderen und im Schwabenland stellt man sich weiterhin quer. Vor allem die Spielerseite - Nick Woltemade und Berater Danny Bachmann - zeigt sich zunehmende genervt, enttäuscht bis entsetzt.
Nach übereinstimmenden Medienberichten startete der FC Bayern am Mittwoch einen dritten Anlauf, um den 2-fachen Nationalstürmer an die Säbener Straße zu holen. Dabei kam es erstmals zu einem direkten Austausch zwischen den Vereinsverantwortlichen. Gemeinsam mit der Spielerseite legte der Rekordmeister ein Angebot vor, das dem VfB eine fixe Ablöse von 60 Millionen Euro, zusätzliche Bonuszahlungen in Höhe von fünf Millionen Euro sowie eine zehnprozentige Weiterverkaufsbeteiligung eingebracht hätte. Der VfB Stuttgart lehnte dennoch erneut ab.
Gewaltiges drittes Angebot des FCB für Woltemade
Laut Sky-Reporter Florian Plettenberg herrschte nach dem rund 20-minütigen Videocall spürbare Frustration. Auch ein Grund: Woltemade und sein Berater hatten sich beim ablösefreien Wechsel aus Bremen im Sommer 2024 eine Weiterverkaufsbeteiligung gesichert – im Falle eines Bayern-Transfers würde man rund zehn Millionen Euro kassieren. Um den Deal voranzutreiben, ist das Lager des 23-Jährigen nun sogar bereit, komplett auf diese Summe zu verzichten.
Der VfB will immer mehr - Frustration, aber keine Aufgabe auf der „Gegenseite“
Laut Transferexperte Fabrizio Romano glauben die Bayern dennoch nach wie vor an einen erfolgreichen Abschluss. Speziell der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen treibe die Gespräche weiter voran. Der Poker ist also noch nicht beendet.
Woltemade demonstriert erstmals seine Unzufriedenheit
Währenddessen soll sich der U21-Vize-Europameister erstmals die Unzufriedenheit in aller Öffentlichkeit ansehen lassen. Beim öffentlichen Training des VfB Stuttgart zeigte er sich laut kicker ungewohnt passiv. Anstatt wie gewohnt mit vollem Einsatz dabei zu sein, saß er zeitweise teilnahmslos auf einem Ball und beobachtete das Geschehen mürrisch. Nach der Einheit verließ er den Platz, ohne Autogramme zu geben, und verschwand direkt in die Kabine – ein ungewohntes Bild für den sonst stets engagierten Offensivspieler.
Berater Bachmann erneuert scharfe Kritik am VfB
Sein Berater Danny Bachmann hatte in den vergangenen Tagen persönlich in München mit den Bayern-Bossen über eine Lösung aus der verfahrenen Situation gesprochen. Nach dem nun gescheiterten dritten Versuch übte er zum wiederholten Male scharfe Kritik am VfB: „Die von Herrn Wehrle in dieser Woche geforderte Lösung im Rahmen einer fragwürdigen Deadline wurde heute mit dem Gesamtpaket von Interessent und Spielerseite zusammen in Höhe von mehr als 60 Millionen Euro plus Weiterverkaufsbeteiligung geliefert.“
Die Stuttgarter Forderungen seien „marktfremd“ und stehe „im krassen Widerspruch“ zu vorherigen Absprachen – zumal Woltemade vor einem Jahr ablösefrei gekommen sei und im Gehaltsgefüge außerdem nur im unteren VfB-Mittelfeld liege. Der Poker um den Nationalstürmer hat damit eine neue emotionale Dimension erreicht. Dabei wurde ihm auch in den vergangenen zwölf Monaten in Stuttgart keineswegs der rote Teppich ausgerollt. Nachfolgend eine Chronologie.
Stuttgart meldet Woltemade nicht für die Champions League
Obwohl Woltemade in der Saisonendphase 2023/24 in Bremen Stammspieler gewesen war, fand er sich in Stuttgart zunächst ausschließlich auf der Ersatzbank wieder, bestenfalls wurde er sehr spät eingewechselt. Coach Sebastian Hoeneß und die VfB-Verantwortlichen hatten sogar so wenig Vertrauen in seine Leistungen, dass man ihn nicht einmal für die Ligaphase der Champions League meldete. Eine große Enttäuschung für Woltemade, ein großer Fehler des Vereins, der letztendlich als deutscher Vizemeister sang- und klanglos ausschied.
Die Spielerfrauen der Bayern-Stars – von der Jugendliebe bis zur Profisportlerin
Kurz vor Weihnachten 2024 wurde der 23-Jährige Stammspieler in Stuttgart, zeigte beständig gute Leistungen, traf regelmäßig in der Bundesliga und besonders im DFB-Pokal, im welchem er den VfB als Torschützenkönig des Wettbewerbs zum Gewinn schoss. Sein Marktwert stieg in der Rückrunde von einem mittleren einstelligen Millionenwert auf 30 Millionen Euro zum Ende der Spielzeit. Auch bei der U21-EM glänzte er, wurde abermals Torschützenkönig und führte die DFB-Auswahl zum Vize-Titel.
Kein seriöses VfB-Angebot an Woltemade
Die Entwicklung wurde natürlich auch in Stuttgart wahrgenommen - sowohl wohlwollend als auch bangend. Es war klar, dass Woltemade Interessenten haben würde. So bot man ihm auch eine Gehaltsaufstockung von 1,5 Millionen auf vergleichsweise mickrige 2,5 Millionen an, wenn er seinen Kontrakt verlängern würde.
Zum Vergleich: Deniz Undav und Chris Führich verdienen im selben Klub jeweils 4,5 Millionen Euro. Laut übereinstimmenden Medienmeldungen soll der 1,98-Meter-lange Schlaks dies verwundert bis verärgert abgelehnt haben. Kein Wunder also, dass er sehr offen für das Interesse des FC Bayern war: Dort soll er einen Vertrag bis 2030 unterschreiben und jährlich 7,5 Millionen Euro plus 2,5 Millionen an möglichen Bonuszahlungen verdienen können.
Woltemade-Berater früh über VfB verärgert
Und was taten die Schwaben? Sie ignorierten mehr oder weniger die Angebote des deutschen Rekordmeisters. Der hat in seinem zweiten Angebot den aktuellen Marktwert des 2-fachen deutschen A-Nationalspielers mit 50 Millionen Euro plus fünf Millionen an Boni fast verdoppelt. Bachmann bereits im Juli fassungslos: „Wenn ein Bundesliga-Rekordangebot von 55 Millionen nicht einmal für ein gemeinsames persönliches Treffen reicht, stellt sich die Frage, was der VfB eigentlich für außergewöhnlich hält. Das war so nicht abzusehen.“
Tatsächlich gab es in der 62-jährigen Geschichte der Bundesliga noch nie so einen teuren Wechsel innerhalb der Liga und auch der VfB-Transfereinnahme-Rekord (Benjamin Pavard, 32 Millionen) würde nahezu pulverisiert werden.
Respektlosigkeit des VfB gegenüber der Spielerseite
Bis heute ist nichts darüber bekannt, dass die Verantwortlichen in Stuttgart das vergleichsweise bescheidene aktuelle Salär von Woltemade in diesem Kontext noch einmal anheben wollten. Wohl auch in dem Wissen, dass der Shooting-Star der vergangenen BL-Spielzeit seine sportliche Zukunft ausschließlich beim amtierenden Deutschen Meister sieht. Dafür zeigen er und sein Berater gegenüber dem Noch-Verein ein großes bislang offenbar ignoriertes Entgegenkommen.
Wie motiviert würde ein Fußball-Profi in die nächste Saison mit einem Verein gehen, wenn er permanent von diesem heftig enttäuscht wurde? Ein erfolgreiches Kapitel VfB Stuttgart & Nick Woltemade ist längst nicht mehr vorstellbar. Nun geht es auch in verstärktem Maße um einen respektvollen Umgang miteinander. Das aktuelle Verhalten der Schwaben stellt das krasse Gegenteil dar.