Tuchels Traum-Elf beim FC Bayern: Wie kam es zu dem Transfer-Desaster
VonHanna Raif
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Philipp Kessler
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Der desaströse Deadline Day beim FC Bayern hallt noch immer nach. Trainer Thomas Tuchel muss nun mit dem arbeiten, was er hat. Dabei hatte er ganz andere Vorstellungen.
DFB-Pokalsieger (2017), Champions-League-Sieger (2021), Deutscher Meister (2023)
Bevorzugtes Spielsystem:
3-4-2-1
FC Bayern: Das Desaster beim Deadline Day hallt noch nach
Die einen (Thomas Tuchel) sagen so, die anderen (die übrigen Herren der Transfer-Taskforce) so. Aber für Uli Hoeneß ist das alles halb so wild. In der Sportbild erklärte der Ehrenpräsident mit Blick auf Gerüchte um interne Differenzen: „Das ist eine Masche, um uns auseinanderzudividieren.“ So weit die offizielle Version. Und überhaupt: „Man kann doch mal unterschiedlicher Meinung sein.“
In der Tat ist es so, dass eine gesunde Streitkultur zur DNA dieses Vereins gehört. Und trotzdem ist das für den Sommer installierte Gremium – und dessen Wirken – kein Thema, das nun, da das Transferfenster geschlossen ist, einfach abgehakt werden kann.
Uneinigkeit in der Transfer-Taksforce? Coach zu mehr Kreativität aufgefordert
Vielmehr haben die letzten Tage, in denen sich einige Mitglieder der Taskforce kurze Auszeiten gönnen, während Tuchel mit seiner Rumpftruppe schwitzt, die verschiedenen Ansichten nur bestärkt. Die Bosse fordern den Coach nach dem verkorksten Deadline Day zu mehr Kreativität auf – und Tuchel ärgert sich immer noch.
Ein Vorwurf, der zu hören ist: Die Taskforce habe zu träge agiert und deshalb einen Wunschspieler nach dem anderen von der Liste streichen müssen.
Tuchels Elf beim FC Bayern: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Es ist kein Geheimnis, dass Tuchels Traumelf anders aussieht als die, die der 50-Jährige nun zur Verfügung hat. Und die Gründe dafür sind vielschichtig. Sie liegen irgendwo zwischen den Ansichten von bis zu acht meinungsstarken Männern, die jeweils eigene Netzwerke pflegen und bemühen.
Es geht um Berater und Mittelsmänner, Spieler und Entscheidungsträger. Und Beispiele für gescheiterte Deals haben die vergangenen Wochen zu Genüge geliefert.
Neuer Sechser beim FC Bayern? Christoph Freund nimmt sich der Sache an
Sein Wunschkeeper Kepa sagte Tuchel in letzter Sekunde ab („ich war schon fast in München“). Und auch der Fall Ryan Gravenberch ist bezeichnend. Weil das Umdenken zum Verkauf erst zwei Wochen vor Ende der Frist stattfand und die Realisierung des Liverpool-Wechsels dauerte, lief den Bossen beim Kauf von Tuchels Königstransfer Joao Palhinha die Zeit davon.
Ein gewünschter Sechser soll nun im Winter kommen, Sportdirektor Christoph Freund ist längst mit der Aufgabe betraut. Bis dahin aber muss es mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Konrad Laimer gehen – der allerdings auf mehreren Positionen gebraucht wird.
Goretzka wählt ungewöhnliches Modell: Die neuen Luxus-Wagen der Bayern-Stars
Denn auch auf der Baustelle rechts hinten herrschte intern kein Konsens. Tuchel wollte Benjamin Pavard halten, bis der sogar bei Hoeneß am Tegernsee vorstellig wurde, um seinem Wechselwunsch Nachdruck zu verleihen.
Kurz bevor der Franzose dann mit Mailand klar war, wurde es hektisch: Nach Informationen unserer Zeitung haben Bayern-Verantwortliche über Mittelsmänner sogar noch versucht, ManCitys Kyle Walker zum Umdenken zu bringen. Vergeblich, genau wie das Werben um Trevoh Chalobah, das im Schatten des komplizierten Palhinha-Deals fast unterging.
Nun „ist’s, wie es ist“, sagte Tuchel jüngst. Öffentlich wählte er die Formulierung „dünner Kader“ – intern wohl eine andere. Hanna Raif, Philipp Kessler