Perfekter Reha-Plan von Manuel Neuer geht auf – weil er auf bestimmte Dinge verzichtete
VonPhilipp Kessler
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Die Leidenszeit von Manuel Neuer neigt sich dem Ende zu. Der FC Bayern kann mit seiner Rückkehr auch auf ein benötigtes Maß an Führung hoffen.
München – Die Laune ist bestens. Hier ein Foto, dort ein kleiner Ratsch, dazu nette Worte mit Freundin Anika Bissel und natürlich: zweimal Jubel. Das 2:0 des FC Bayern gegen Hertha BSC verfolgte Manuel Neuer am Sonntag in der Allianz Arena wie gewohnt aus dem Unterrang der Haupttribüne, aber die Bilder, die da vom verletzten Kapitän die Runde machten, waren deutlich positiver als noch zuletzt.
Das lag zum einen daran, dass seinen Kollegen der Sprung zurück an die Tabellenspitze gelang. Aber auch daran, dass seine lange Reha sich auf der Zielgeraden befindet. Neuers Leidenszeit ist nach fünf Monaten so gut wie vorbei – und der FC Bayern bald wieder Chefsache.
Manuel Neuer
Geboren:
27. März 1986 in Gelsenkirchen
Spiele für den FC Bayern:
322 Einsätze
A-Länderspiele
117 Einsätze für Deutschland
Manuel Neuer vor Comeback beim FC Bayern – 1. Juli als Zieldatum
„Es macht Spaß, jeden Tag einen Schritt voranzukommen. Wir sind alle optimistisch“, betont Neuer. Ein genaues Datum für sein Comeback gibt es noch nicht, aber dass die Tage ab sofort rückwärts gezählt werden können, berichtet jeder, der Neuers tägliche Arbeit im Kraftraum verfolgt. Zwei, drei Wochen, vielleicht ein paar Tage mehr, wird es noch dauern, ehe der Kapitän den Schritt zurück auf den Rasen wagen wird.
Super im Fluss, heißt es, sei der 37-Jährige in seiner Reha; der Plan, den er kurz nach seinem Skiunfall und der anschließenden OP am Unterschenkel mit den Ärzten ausgeklügelt hat, ist voll aufgegangen. Im absoluten Soll ist Neuer, der noch im Laufe der Rückrunde für leichtes Lauftraining auf den Platz gehen wird. Am 1. Juli dann will – und wird – er bei vollen Kräften sein, um die Vorbereitung zu starten. Als Nummer eins, versteht sich.
Manuel Neuer vor Comeback beim FC Bayern – strikte Reha statt Stadionbesuche
All das, was da in den vergangenen Monaten passiert ist, hat Reha-Patient Neuer verfolgt. Er hat aber bewusst sein eigenes Ziel in den Vordergrund gestellt und auf Dinge verzichtet, die er wenig beeinflussen konnte. So war es nach tz-Informationen etwa kein Zufall, dass Neuer erst Mitte Februar zum Heimspiel gegen PSG das erste Mal als Zuschauer in der Allianz Arena gesehen wurde – und auch nicht, dass er sich die Reisen zu den Auswärtsspielen in Paris und Manchester sparte.
Stets im Kopf hatte er das Verletzungsrisiko, mit Krücken auf rutschigen Arena-Stufen, dazu 90 unkomfortable Minuten, dicht an dicht. Auch Flugreisen wären der Genesung nicht förderlich gewesen, genau wie 48 Stunden fernab der heimischen Trainingsgeräte. Champions-League-Trips liefen für Neuer unter dem Motto „Drei verlorene Trainingstage“.
Manuel Neuer vor Comeback beim FC Bayern – stetiger Austausch mit der Mannschaft in schwierigen Zeiten
Der Fleiß zahlt sich jetzt aus. Neuer brennt auf die Rückkehr – und auch das Team sehnt seinen Kapitän herbei. Dass Neuers Führung der Mannschaft fehlt, war in der verkorksten Rückrunde zu hören. Man sieht sich zwar täglich, tauscht sich aus. Neuer aber hat sich nicht in den Vordergrund gedrängt oder gar Ansprachen gehalten.
Dass die Gemengelage in seinem Club nicht gut ist, ist ihm bewusst. Und es war wichtig für ihn, den Unmut über seine persönliche Situation – und das Aus von Intimus und Torwarttrainer Toni Tapalovic – einmal öffentlich kundzutun. Nach dem SZ-Interview im Februar aber war der Kopf frei und der Fokus wieder gesetzt. Die Reaktionen? Nebensache.
Was wird aus Sane? Vertragslaufzeiten der Bayern-Stars
Neuer macht sein Ding, dabei wird es bleiben. Und so ist es auch nur logisch, dass er den Konkurrenzkampf im Tor nicht scheut. Thomas Tuchel baut auf seinen Kapitän, auch der Austausch mit Tapalovic-Nachfolger Michael Rechner ist konstruktiv und gewinnbringend – und Yann Sommer würden beim Wunsch nach einem Wechsel keine Steine in den Weg gelegt werden. Auch das Tor ist, davon kann man ausgehen, ab Juli wieder: Chefsache. (pk)