Zahlen zeigen, wie gut Kompany-Fußball tatsächlich ist – zahlreiche Rekorde gebrochen
VonPhilipp Kuserau
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Mit Vincent Kompany an der Spitze präsentiert sich der FC Bayern in einem neuen Licht. Daten untermauern, wie der Belgier den Bayern eine frische Identität eingeimpft hat.
München – Vor dem Duell in der Champions League gegen Benfica Lissabon wurde beim FC Bayern vor allem über einen Begriff viel gesprochen: Druck. Dieser war nach zuvor zwei Pleiten, nur einem Sieg und Platz 25 in dem neuen Tableau der Königsklasse deutlich zu spüren beim deutschen Rekordmeister.
Gegen den Tabellendritten der portugiesischen Liga musste unbedingt ein Sieg her, sollte die direkte Qualifikation für das Achtelfinale auch in den nächsten Wochen noch ein realistisches Ziel für die Bayern bleiben. Platz eins bis acht ermöglichen bekanntlich den direkten Einzug in die K.o.-Runde – von dieser Marke waren die Münchner vor der Partie am Mittwoch noch weit entfernt. Nach Abpfiff und einem mühsam erkämpften 1:0-Sieg, bei dem Jamal Musiala den goldenen Treffer per Kopf erzielte, sah die Sache dann deutlich rosiger aus für den FCB.
Mühsamer Bayern-Auftritt gegen Benfica? Der Schein trügt
Doch war der knappe Erfolg gegen Benfica wirklich so ein hartes Stück Arbeit für die Bayern? Logisch: Im Vergleich zu den teils spektakulären Schützenfesten, die der FCB in den vergangenen Wochen darbot, wirkte der Auftritt gegen die Hauptstädter aus Portugal etwas zähflüssig.
Doch wie der Fußballanalyst Christian Pöhlmann in seinem jüngsten Blog-Beitrag bei ball-orientiert.de aufzeigt, trügt offenbar der Schein – zumindest aus statistischer Sicht.
Bayerns Defensive im Fokus: Benfica blieb in der Champions League ohne Schuss aufs Tor
Zwar fielen nicht so viele Tore aus Sicht der Münchner wie beispielsweise am ersten Königsklassen-Spieltag gegen Dinamo Zagreb (9:2) oder zuletzt im DFB-Pokal gegen Mainz (4:0). Andere Daten jedoch spiegeln die Dominanz der Roten deutlich wider. Mehr noch: Der FC Bayern unter Kompany legt teils Rekordzahlen auf.
So ist besonders die defensive Leistung gegen Benfica hervorzuheben: Zum zweiten Mal haben es die Münchner geschafft, einen Gegner ohne einen einzigen Schuss aufs Tor zu halten. Ein Novum seit der Datenerfassung im Jahr 2015, wie Pöhlmann in seinem Blog schreibt. Auch beim Bundesliga-Duell gegen Werder Bremen (5:0) am 21. September gelang dem FCB dieses defensive Kunststück. Übrigens hatten auch die Gäste aus Lissabon seit der Datenerfassung 2015 noch kein Spiel erlebt, in dem sie es nicht auf einen einzigen Schuss aufs Tor brachten.
Kompanys taktischer Einfluss macht sich gegen Benfica deutlich bemerkbar
Generell lässt sich sagen, dass sich das Abwehrverhalten der Bayern unter Kompany stark verbessert hat. So haben die Bayern in den ersten 15 Pflichtspielen dieser Saison gerade mal 71 Schüsse zugelassen. Zum Vergleich: Vergangene Spielzeit waren es unter Ex-Bayern-Coach Thomas Tuchel zu diesem Zeitpunkt bereits 137 Abschlüsse – eine deutliche Verbesserung also, die auch die scharfe Kritik am Abwehrverhalten der Münchner in den letzten Wochen in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Auch der taktische Einfluss von Kompany lässt sich laut Pöhlmann bei der Partie gegen Benfica gut veranschaulichen. Denn auch die Bayern hatten im ersten Durchgang gegen die dicht gestaffelte Defensive der Portugiesen große Probleme, sich Chancen herauszuspielen. In den ersten 30 Minuten trat die Kompany-Elf ideenlos auf. Deutlich anders lief es nach einer taktischen Umstellung: Kompany ließ Kimmich das Spiel der Bayern auf halblinks statt auf halbrechts aufbauen. Die Folge: In der Zeitspanne zwischen Minute 31 und 60 spielten sich die Bayern starke 15 Torabschlüsse heraus. Natürlich hatte auch die Hereinnahme von Leroy Sane eine positive Wirkung auf das Offensivspiel des FCB.
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Bayerns Abwehrhüne Minjae Kim legt gegen Benfica überragende Statistiken auf
Ein weiteres Markenzeichen des Kompany-Fußballs ist die Dominanz im Ballbesitz. Gegen Benfica verzeichneten die Bayern beeindruckende 75 Prozent Ballbesitz, was es ihnen ermöglichte, den Gegner fast dauerhaft im eigenen Drittel zu halten. Dieses Maß an Kontrolle wurde durch ein effektives Gegenpressing unterstützt, das zu schnellen Ballrückeroberungen führte – zugleich setzt man den Gegner durch diszipliniertes Gegenpressing unter Dauerdruck.
Um derart effektiv zu pressen, braucht es natürlich auch die geeigneten Spieler. Mit Minjae Kim und dem 50-Millionen-Euro-Neuzugang Joao Palhinha hat Kompany aber genau jene Spieler in seinen Reihen. In seiner Analyse hob Pöhlmann vor allem Minjae Kim hervor, der nach Abpfiff auf beeindruckende Zahlen blicken konnte: Der Südkoreaner hatte gegen Benfica die meisten Balleroberungen (18) aller Spieler, eine Defensiv-Zweikampfquote von 100 Prozent und eine Passquote von 100 Prozent vorzuweisen.
Fest steht: Die Bayern zeigen unter Kompany ein anderes Gesicht als in den Jahren zuvor. Ein Gesicht, das in Partien mit vielen Toren lächeln kann, aber auch eins, das mit defensiver Disziplin und Dominanz grimmig und einschüchternd dreinschauen kann. (kus)