- schließen
Helen French
Michelle Anskeit
Thi Thuy Minh Nguyen
Nadja Rödig
Das Film- und Serienjahr 2023 ist der Exfreund, über den deine Freundin sagt, du brauchst dir keine Sorgen zu machen.
Was war das für ein Jahr für uns Serien- und Filmnerds? Wir sind in pinken Klamotten unter schwärzen Anzügen ins Kino gerannt, haben einen scheinbaren Action-Anime angefangen – der sich als absolut seelenzerstörend herausgestellt hat – und haben an die 200 Spielstunden „The Last Of Us“ angehäuft, nachdem wir herausfinden durften, dass wir pedrosexuell sind. (Und stolz darauf.)
Du findest dich in einem dieser Erlebnisse wieder? Dann musst du deine Gefühle sicher erstmal sortieren wie die aufgerissenen Verpackungen deiner Weihnachtsgeschenke. Wir (Helen, Thuy, Chelly und Nadja) helfen dir beim emotionalen Recycling und zeigen dir unsere persönlichen Highlights aus 2023. Die ganz nebenbei die Messlatte für alle zukünftigen Film- und Serienjahre in die Unendlichkeit und noch viel weiter legen.
Hinweis: Ab hier gilt Spoileralarm!
Helen: „Barbie“ - „I‘m Just Ken“
Die Ironie, im neonpinken, ultra-popfeministischen Film des Jahres *den männlichen Gegenpart* am besten zu finden, ist mir nicht entgangen. Aber sorry: Greta Gerwig hätte Ryan Gosling nicht so viel Macht geben dürfen. Ken bekommt die besten Sprüche im Film. Er ist verantwortlich für zwei heftige Ohrwürmer von Songs. Und Ryan Gosling wurde schlicht und ergreifend für die Rolle des blondierten Himbos geboren. Seine Kenergie ist einfach zu stark.
Die absurde Powerballade über Kens subjektive Misere ist der Moment im Film, an den ich noch am häufigsten gedacht habe. So oft, dass „I‘m Just Ken“ in meinem Spotify-Jahresrückblick aufgetaucht ist. Und das ist mir nur ein bisschen peinlich!
Nadja: „Oppenheimer“ - Oppenheimers Rede
Wer „Barbie“ sagt, muss auch „Oppenheimer“ sagen. Das Schicksal (auch bekannt als die Filmindustrie) hat dafür gesorgt, dass die beiden Filme 2023 denselben Starttermin bekommen haben. Und wir damit den „Barbenheimer“-Trend, der mit einigen Memes auch seine problematische Seite hatte.
Mehr als den Starttermin und ihren Erfolg haben die beiden Filme allerdings kaum gemeinsam. Außer natürlich, dass sie zu unseren persönlichen Highlights des Jahres zählen! An „Oppenheimers“ stärksten Moment muss ich nicht so oft denken wie an „I‘m just Ken“, das will ich auch gar nicht. Denn das Gefühl war schon im Kino erdrückend.
Für mich ist es nicht der Trinity-Test selbst, bei dem die erste Atombombe im Rahmen des Manhatten-Projekts gezündet wurde. Es ist Szene danach, als Oppenheimer seine Rede vor versammelter Mannschaft in Los Alamos hält. Eine Siegesrede unter riesigem Applaus und Fußtrampeln. Die Welt wird sich diesen Tag merken, Japan ihn nie vergessen. Der Applaus geht weiter, nur herrscht absolute Stille, während Oppenheimer eine Vision der Auswirkungen seiner Erfindung vor sich sehen kann.
Mir ging es, wie den vereinzelten Menschen, die Oppenheimer in der Menge sieht: die schreien, weinen, sich übergeben. Der Horror überwiegt das Gefühl des Erfolgs und wenn Christopher Nolan dafür mal nicht eine Oscarnominierung erhält.
Nadja: „Gift“ - Das eigentliche Gift kommt nicht von einer Schlange
Für Fans von Regisseur Wes Anderson war 2023 DAS Jahr! Nicht nur, dass mit „Asteroid City“ endlich ein neuer Film in die Kinos gekommen ist, Netflix hat auch noch eine Reihe von Kurzfilmen veröffentlicht. Alle basierend auf Geschichten von Roald Dahl (der Autor von „Matilda“ und „Charlie und die Schokoladenfabrik“). Und hat jemals schon irgendetwas so sehr Wes Anderson geschrien wie diese Filme?
Anderson dreht seinen Stil für die Dahl-Reihe auf 300 und lässt die Geschichten wortwörtlich von seinen Hauptfiguren erzählen. Also besser: vorlesen … während sie Vorgelesenes spielen wie auf einer Theaterbühne. Wie gewohnt ist alles knallbunt und die Charaktere drüber. Was die Erzählung angeht, sticht aber ein Film heraus: „Gift“.
Während Dahl selbst oft (und mit gutem Grund) Antisemitismus und Rassismus vorgeworfen wurde, ist es auch seine Hauptfigur, die sich als nicht von einer Schlange vergiftet herausstellt. Anderson selbst macht ein paar kleine Änderungen, die das Gift noch deutlicher als das zeigen, was es ist: nicht heilbaren Rassismus.
Helen: „The Last Of Us“ Folge 3 - „Liebe mich, wie ich es will“
Ich gestehe: Was Videospielverfilmungen betrifft, war ich bis 2023 grundsätzlich eher pessimistisch und als großer Fan der „The Last Of Us“-Spiele noch zusätzlich skeptisch. Ich hatte fest damit gerechnet, dass die Verfilmung ein seelenloser Cashgrab und den Spielen nicht gerecht werden würde. Tja, und dann fiel mir meine Arroganz auch ziemlich schnell vor die Füße. „The Last Of Us“ war von Anfang bis Ende eine der absolut besten Serien des Jahres und der Hype um speziell die dritte Folge absolut gerechtfertigt.
Eine gesamte Folge, 76 Minuten(!), werden in eine vermeintlich zusammenhangslose, herzzerreißende queere Liebesgeschichte investiert. Bill (Nick Offerman) und Frank (Murray Bartlett), zwei Überlebende, die einander finden und retten. Und die das große Glück erleben, miteinander ein langes Leben verbringen zu können. Die Folge ist so gut, dass man in kürzester Zeit vergessen hat, dass es sich eigentlich um Joel (Pedro Pascal) und Ellie (Bella Ramsey) dreht. Ich wäre völlig einverstanden damit gewesen, für den Rest der Staffel einfach Bill und Frank beim Erdbeerpflücken zuzusehen.
In solch einem postapokalyptischen Drama ist das Happy End, das die beiden bekommen, geradezu radikal! Queere Figuren werden in Geschichten schließlich so häufig für tragische Plotmomente ausgeschlachtet, dass das Erzählmuster im englischsprachigen Raum als „Bury your Gays“ („Begrabt eure Schwulen“) bekannt ist.
Im Serienkontext wird das Thema zementiert: „Männer wie wir“ (Bill und Joel) leben, um sich um jemanden zu kümmern. Solange es diese eine Person gibt, die es wert ist, gerettet zu werden, haben sie einen Lebenssinn. Und das ist es wert, alles zu opfern – was Joel später noch selbst feststellt.
Thuy: „Jujutsu Kaisen“ Staffel 2 - Der versteckte Schatz Arc
Die erste Hälfte der 2. Staffel von „Jujutsu Kaisen“ beinhaltet nur fünf Folgen und ist auch bekannt als „Hidden Inventory“ oder „Premature Death“ Arc, im Deutschen „Der versteckte Schatz“. Sie erzählt die Vorgeschichte von Satoru Gojos Jugend an der Jujutsu High. Zumindest nicht-Manga-Leser:innen werden also komplett aus der eigentlichen Story (aus Staffel 1 und dem Film) gerissen, wo ja eigentlich Yuji Itadori der Hauptcharakter ist und nicht Gojo.
Im Fokus der Staffel ist eine Mission, die Gojo mit seinem besten Freund Suguru Geto durchführen soll. Neben Gojo, geht es also auch um die Sichtweise von Geto. Die Vorgeschichte gibt komplett neue Einblicke in Gojos Charakter und bildet die Basis für einen vieeeeeeeeeel größeren kommenden Arc: den Shibuya Vorfall.
Ich liebe die Staffel besonders, weil sie komplett neue Einblicke in den stärksten Charakter, Gojo, gibt und erklärt, wie aus seinem besten Freund ein so großer Antagonist der Serie geworden ist. Gleichzeitig ist die Staffel einfach nur tragisch, weil sie so leichtlebig und unbekümmert angefangen hat und die letzten Momente traurig sind und mein Herz herausgerissen haben. Aber na ja, wie's aussieht, stehe ich auf Trauer und Schmerz in meinen Serien.
Chelly: Netflix‘ „One Piece“ Folge 6 - Sanjis Backstory
Ich gebe zu, dass ich vor dem Start der Live-Action-Serie von Netflix skeptisch war. Viele in unserer Redaktion sind große Fans des Mangas und auch vom Anime. Aus dem Grund haben wir bereits im Juni dieses Jahres einen Artikel veröffentlicht, in dem wir geteilt haben, worüber wir uns bei der „One Piece“-Realverfilmung Sorgen gemacht haben, aber auch, worauf wir uns freuten.
Nachdem ich der Serie dann eine Chance gegeben habe, war ich von der ersten Folge an überzeugt. Nicht nur der Strohhut-Kapitän Ruffy, sondern auch andere Charaktere haben mich direkt begeistert. Und nein, ich rede nicht nur über Zorro, auch wenn ihn alle aus einem guten Grund lieben. Vor allem ist mir nämlich Sanji und seine Geschichte ins Auge gestochen.
Ich werde mich für immer an den Moment erinnern, in dem ich das erste Mal die Vergangenheit des Strohhut-Kochs gesehen habe. Der ist als Kind gemeinsam mit einem gefürchteten Piraten namens Rotfuß Jeff über Bord gegangen und auf einer einsamen Insel gestrandet. Dort teilt Jeff die vorhanden Vorräte scheinbar fair auf. Erst nach quälenden Tagen der Hungersnot erfährt Sanji, dass Jeff ihm alles Essbare gegeben hat und selbst zu extremen Maßnahmen greifen musste.
Der Anblick von Jeffs ausgehungertem Körper und seinem fehlenden Bein war für mich schon als Kind verstörend, aber die Netflix-Serie hat noch einmal ein Detail aus dem Manga genommen, was damals im Anime gar nicht vorkam. Jeff verliert nämlich nicht durch eine Rettungsaktion sein Bein, nein. Er isst es. Weil er für Sanji hungert, um ihn zu retten. Diese Szene alleine hat die Serie für mich in den Anime-Adaptionen-Olymp gehoben.
Nadja: „The Crown“ Staffel 6 - Abschied von Prinzessin Diana
Schließen wir diesen Jahresrückblick und unser Dasein als emotionale Sandsäcke mit einer dafür verantwortlichen Serie. „The Crown“ hat sein großes Finale in zwei Teile zum Jahresende hin aufgeteilt. Mir hat allerdings schon Teil 1 den Rest gegeben. Da die Serie das Leben von Königin Elizabeth II. und ihrer Familie behandelt, war natürlich klar, dass auch das Schicksal von Lady Di eine große Rolle spielen würde. Aber niemand hat uns darauf vorbereitet, wie realistisch sich die Serie anfühlen würde.
Nicht nur, dass die Darsteller:innen von „The Crown“ den echten Royals zum Verwechseln ähnlich sehen. Nein, sie spielen sie auch noch so überzeugend, als würde man sich eine Hochglanzdoku ansehen. Das macht das Drama aber umso schmerzhafter, besonders in der letzten Staffel mit Diana.
Schon die erste Szene zeigt einen Ausschnitt Dianas Verfolgung durch die Paparazzi, die schließlich in ihrem Unfall endet. Doch bis die Tragödie in der Serie tatsächlich so weit ist, sehen wir zunächst Dianas letzte Wochen und Tage. Wie sie keine Ruhe findet, belagert und beurteilt wird. Man wünscht sich ein besseres Ende für sie und weiß natürlich die ganze Zeit, dass sie es nie bekommen wird. Mich hat selten eine Serie so mitgenommen.
Was waren deine Film- und Serienhighlights aus 2023? Verrate es uns in den Kommentaren!
Mehr Rückblicke für dich:
Das Beste von BuzzFeed Deutschland gibt es jetzt auch auf WhatsApp. Hier kannst du unseren Kanal abonnieren.
Rubriklistenbild: © Warner Bros/Netflix










