Schwankende Meinungen

„Glatte 1“ bis „Zumutung“: Wacken-Tatort spaltet die ARD-Zuschauer

Der neue „Tatort“ überzeugte nicht alle ARD-Zuschauer. In den sozialen Medien gehen die Meinungen über Borowskis Wacken-Einsatz auseinander.

Kiel – Seit 2002 hat Kriminalhauptkommissar Klaus Borowski, gespielt von Axel Milberg (67), bereits mehr als 40 Fälle gelöst. Der Kieler „Tatort“ ist seine Einsatzstelle und sein neuester Fall führte ihn ausgerechnet zum Heavy-Metal-Festival Wacken. Für einige Zuschauer die perfekte Kombination, für andere ein absoluter TV-Reinfall.

ARD-Publikum gespalten: Wacken-Tatort überzeugt nicht alle

Die Handlung von „Tatort – Borowski und das unschuldige Kind von Wacken“, der am 26. November in der ARD ausgestrahlt wurde: Als eine Babyleiche bei Kiel gefunden wird, führt die Spur die Ermittler über Umwege zum Wacken-Festival. Hier mieten sich Klaus Borowski und seine Kollegin Mila Sahin, gespielt von Almila Bagriacik (33), in einer Pension ein und mischen sich unter das Heavy-Metal-Volk. Die 2.000 Dorfbewohner im Kreis Steinburg an der Westküste kommen ihnen irgendwie alle verdächtig vor und das Ermitteln auf dem Festival zwischen 70.000 Besuchern stellt sich dabei ebenfalls nicht als leicht heraus.

Stefan Frank, Martin Gruber, Wolf Sander: Die kultigsten Serien-Ärzte aller Zeiten

Stefan Frank, Martin Gruber und Wolf Sander zählen bis heute zu den kultigsten Serienärzten.
Stefan Frank, Martin Gruber, Wolf Sander: In der deutschsprachigen Fernsehwelt gibt es unzählige legendäre Serienärzte. © IMAGO/United Archives; ZDF/Erika Hauri; ZDF/Mirko Friebel (Fotomontage)
Sigmar Solbach steht als Dr. Stefan Frank vor der Kamera.
Im Arztkittel und immer bereit, alles für seine Patienten zu tun: So kennen Zuschauer Dr. Stefan Frank (Sigmar Solbach). Von 1995 bis 2001 zeigte RTL Geschichten aus dem Leben vom „Arzt, dem die Frauen vertrauen“, bei denen es neben dem Alltag im Krankenhaus auch stets über das Privatleben des Mediziners ging. © IMAGO/United Archives
Hans Sigl spielt bei „Der Bergdoktor“ die Rolle des Dr. Martin Gruber.
Seit 2008 verkörpert Hans Sigl bei „Der Bergdoktor“ die Rolle des Dr. Martin Gruber – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Im Leben des sympathischen Landarztes geht es stets turbulent und dramatisch zu, aber für jede Menge Heimatfeeling ist trotzdem gesorgt. © ZDF/Erika Hauri
Vor Hans Sigl spielte Gerhard Lippert die Rolle des Bergdoktors.
Vor Hans Sigl spielte Gerhard Lippert (l.) die Rolle des Bergdoktors. In der von 1992 bis 1997 bei Sat.1 ausgestrahlten gleichnamigen Serie begeisterte er als Dr. Thomas Burgner die Zuschauer. © IMAGO/United Archives
Nick Wilder ist als Schiffsarzt Dr. Sander beim ZDF-Traumschiff zu sehen.
Wie auch die beiden Bergdoktoren praktizierte Dr. Wolf Sander (Nick Wilder, r.) abseits einer gewöhnlichen Praxis. Denn von 2011 bis 2020 war er Schiffsarzt auf dem ZDF-Traumschiff und erlebte mit Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen, l.) etliche Abenteuer bei Wellengang. © ZDF/Mirko Friebel
In der ZDF-Serie „Der Landarzt“ spielte Christian Quadflieg die Rolle des Dr. Karsten Mattiesen.
Stolze 22 Staffeln wurden von „Der Landarzt“ zwischen 1987 und 2013 produziert. Von den diversen Protagonisten der ZDF-Serie gilt Dr. Karsten Mattiesen (Christian Quadflieg) heute als absoluter Kult und sein Serientod am Ende von Staffel vier erschütterte Zuschauer zutiefst. © dpa/Horst Ossinger
Die Handlung von „Die Schwarzwaldklinik“ war eine echte Familienangelegenheit.
Die Handlung von „Die Schwarzwaldklinik“ war eine echte Familienangelegenheit. Im Zentrum der von 1985 und 1989 ausgestrahlten Serie standen Dr. Udo Brinkmann (Sascha Hehn) und seine Eltern Dr. Christa Brinkmann (Gaby Dohm) und Prof. Dr. Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow). Vater, Mutter und Sohn im selben Beruf zu sehen, verlieh dem ZDF-Format eine ganz besondere Dynamik. © dpa/dpaweb/Rolf Haid
Im Vergleich zum „Landarzt“ und „Bergdoktor“ ähnelte „Doctor‘s Diary“ mehr den großen US-amerikanischen Krankenhausserien.
Im Vergleich zum „Landarzt“ und „Bergdoktor“ ähnelte „Doctor‘s Diary“ mehr den großen US-amerikanischen Krankenhausserien. Im Zentrum der Handlung stand das Berufsleben von Dr. Greetchen Haase (Diana Amft, m.), Dr. Marc Meier (Florian David Fitz, l.) und ihren Kollegen – und natürlich auch jede Menge Liebesdrama.  © dpa/Karlheinz Schindler
Christine Urspruch war von 2014 bis 2019 im ZDF in der Arztserie „Dr. Klein“ zu sehen.
„Tatort“-Zuschauer kennen Christine Urspruch als Rechtsmedizinerin Silke Haller – von 2014 bis 2019 war sie aber im ZDF in ihrer ganz eigenen Arztserie „Dr. Klein“ zu sehen. Darin verkörperte sie die Rolle der kleinwüchsigen Dr. Valerie Klein. Gleich zwei Arztrollen auf dem Lebenslauf zu haben – keine schlechte Leistung. © dpa/Wolfram Kastl
Ulrich Reinthaller steht als Dr. Markus Kampmann bei „Hallo, Onkel Doc!“ vor der Kamera.
Der Beginn von „Hallo, Onkel Doc!“ ist ziemlich tragisch: nach einer missglückten OP, bei der eine seiner Patientinnen starb, kehrt Kinderchirurg Dr. Markus Kampmann (Ulrich Reinthaller) von den USA nach Heidelberg zurück, wo er fortan im Krankenhaus arbeitet. Auch dort muss er sich vielen Herausforderungen stellen – am Ende gehen die Dinge aber meistens doch gut aus für den sympathischen Arzt. © IMAGO/United Archives
Mehr als 100 Folgen umfasste die ARD-Serie „Praxis Bülowbogen“, in der der Berliner Arzt Dr. Peter Brockmann (Günther Pfitzmann) im Mittelpunkt stand.
Mehr als 100 Folgen umfasste die ARD-Serie „Praxis Bülowbogen“, in der der Berliner Arzt Dr. Peter Brockmann (Günther Pfitzmann) im Mittelpunkt stand. 1996 liefen die letzten Episoden rund um den taffen Mediziner und seine Kollegen – die Praxis in der Bülowstraße bekam das Fernsehpublikum aber auch weiterhin zu sehen. © IMAGO/United Archives
Als Nachfolgeserie von „Praxis Bülowbogen“ steht bei „Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen“ der Nachfolger von Peter Brockmann im Mittelpunkt: Peter Sommerfeld (Rainer Hunold).
Als Nachfolgeserie von „Praxis Bülowbogen“ steht bei „Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen“ der Nachfolger von Peter Brockmann im Mittelpunkt: Peter Sommerfeld (Rainer Hunold). Aus der Gruppe der vielen deutschen Serienärzte sticht er vor allem durch seine Hilfsbereitschaft hervor und scheut sich nicht davor, auch in seiner Freizeit für seine Patienten da zu sein. © IMAGO/POP-EYE
„In aller Freundschaft“ läuft seit 1998 in der ARD.
In gewisser Weise ist „In aller Freundschaft“ sowas wie das deutsche „Grey‘s Anatomy“. Seit 1998 zeigt die ARD wöchentlich neue Folgen aus der „Sachsenklinik“. Obwohl sich die Besetzung über die Jahre hinweg stark verändert hat, ist einer seit der ersten Stunde an dabei: Dr. Roland Heilmann (l., Thomas Rühmann).  © IMAGO/United Archives
Aus der ARD ist „In aller Freundschaft“ nicht mehr wegzudenken. Weil die Show so erfolgreich ist, gibt es inzwischen auch den Ableger „Die jungen Ärzte“.
Aus der ARD ist „In aller Freundschaft“ heute nicht mehr wegzudenken. Weil die Show so erfolgreich ist, gibt es inzwischen auch den Ableger „Die jungen Ärzte“. Im Zentrum der Handlung stehen die Mediziner des Johannes-Thal-Klinikums in Erfurt, allen voran Dr. Matteo Moreau (3.v.l., Mike Adler) und Prof. Dr. Karin Patzelt (2.v.r., Marijam Agischewa). © ARD/Markus Nass
Auch in der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“, die zwischen 2004 und 2020 im Ersten lief, ist das Privatleben von Hauptfigur Dr. Christian Kleist (Francis Fulton-Smith) stets zentrales Thema.
In den meisten Arztserien – sei es „Grey‘s Anatomy“ oder „Der Bergdoktor“ – steht neben dem stressigen Klinikalltag auch das Leben der Ärzte im Vordergrund. Auch in der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“, die zwischen 2004 und 2020 im Ersten lief, sind das Privatleben und die Familie von Hauptfigur Dr. Christian Kleist (Francis Fulton-Smith) stets zentrales Thema. © ARD/Volker Roloff
Die letzte Folge von „Herzschlag – Das Ärzteteam Nord“ liegt zwar schon mehr als 20 Jahre zurück, an die souveränen und tapferen Charaktere der ZDF-Serie erinnern sich aber heute bestimmt noch viele.
Die letzte Folge von „Herzschlag – Das Ärzteteam Nord“ liegt zwar schon mehr als 20 Jahre zurück, an die souveränen und tapferen Charaktere der ZDF-Serie erinnern sich aber heute bestimmt noch viele. Hauptfigur der in Husum spielenden Serie war Dr. Tilman Behrens (Silvan-Pierre Leirich, r.), der im Klinikum Nord im Ärzteteam von Prof. Dr. Roland Wagner (Christoph Quest, l.) arbeitete. © IMAGO/United Archives

Eine „Tatort“-Folge mit dem Wacken-Festival zu kombinieren, war aber nicht jedermanns Sache. Auf X (ehemals Twitter), Instagram und Facebook sind die Kommentare zwiegespalten. „Das Ermittlerteam einfach grausam. Die Dialoge grausam“, wettert ein X-Nutzer. Ein anderer findet: „Bescheiden. Grottenschlechte Schauspieler. Insgesamt Szenario wie aus den 80ern.“

Das Phänomen „Tatort“

Seit der Ausstrahlung der ersten „Tatort“-Folge „Taxi nach Leipzig“ am 29. November 1970, hat sich das wöchentliche Krimi-Format zu einem wahren TV-Phänomen entwickelt und beschert der ARD mit jeder neuen Folge ein Millionenpublikum. Bis heute sind stolze 102 Ermittler in der Erfolgssendung zu sehen gewesen – die meisten Einsätze kann dabei das Münchner Duo Ivo Batic (Miroslav Nemec, 68) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, 64) verzeichnen. Von den 22 stetig wechselnden Schauplätzen und Teams – darunter Ludwigshafen, Wien, Stuttgart, Hamburg, Zürich und Bremen – gelten Frank Thiel (Axel Prahl, 62) und Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, 58) aus Münster als die am beliebtesten, wie eine Umfrage von t-online aus dem Jahr 2022 ergeben hat. 

(Quellen: daserste.de, t-online.de)

Ein weiterer geht sogar so weit zu sagen: „Der neue Borowski-‚Tatort‘ war spannungsfrei, langweilig und im Ganzen eine Zumutung!“ Und ein anderer Fan urteilt derweil: „Ich hätte mir die Story abgekoppelt von Wacken gewünscht. Wer, zum Henker, denkt sich sowas aus?“

Trotz harter Kritik: Wacken-Tatort von vielen ARD-Zuschauern gelobt

Zum Glück sind Geschmäcker aber verschieden und so gibt es auch zahlreiche ARD-Zuschauer, die die ungewöhnliche Handlung feiern. „Tränen am Schluss“, „Sehr spannend, gute Story“ oder „Trauriger, guter Tatort“, heißt es in den Kommentaren bei X. „Dieser Tatort war grandios: Glatte 1“, schreibt ein weiterer Fan.

Der neue Kieler „Tatort“ kam nicht bei allen ARD-Zuschauern gleich gut an.

Den einzigen Makel, den echte Wacken-Kenner finden: das Wetter. Speziell, wenn es um 2023 geht, wurde das Festival eindeutig zu trocken und ohne die obligatorischen Matsch-Mengen dargestellt. Ein Zuschauer schreibt: „Hat mir gut gefallen, allerdings waren die Wetterverhältnisse in Wacken völlig unrealistisch dargestellt.“

Zeitgleich mit dem ARD-Krimi lief im ZDF das „Traumschiff“ mit Florian Silbereisen. Im Quotenduell mit dem Wacken-Tatort ging die Kult-Show aber unter. Verwendete Quellen: X, Instagram

Rubriklistenbild: © NDR/Thorsten Jander

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