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„Vollkatastrophe“ bis „erfrischend anders“: Wirrer „Tatort“ spaltet die ARD-Zuschauer

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Am Sonntagabend zeigte die ARD mit „Murot und das Paradies“ den neuesten „Tatort“ aus Hessen. Die ungewöhnliche Handlung sorgte bei den Zuschauern jedoch für gespaltene Gemüter.

Wiesbaden – In der mehr als 50 Jahre langen Historie des „Tatorts“ gab es schon so einige Folgen, die vom üblichen Erfolgsrezept à la „Ermittler jagt Ganove“ abgewichen sind und experimentellere Töne angeschlagen haben. „Murot und das Paradies“, der neueste Fall des hessischen Kommissars Felix Murot (Ulrich Tukur, 66), konnte am Sonntagabend mit einer besonders skurrilen Handlung aufwarten – die den Zuschauern nicht nur Lob und Euphorie entlockte.

„Realitätsfern“ und „Vollkatastrophe“: ARD-Publikum zerreißt neuen „Tatort“

Ausgangspunkt von „Murot und das Paradies“ ist, wie so oft beim „Tatort“, ein Mordfall. Zwei Bänker, denen der Bauchnabel entfernt worden ist, führen den Kommissar, der zu Beginn des Films mit einer Depression zu kämpfen hat, auf eine wilde Reise – von Szenen im Weltall bis hin zu einem Abstecher ins Deutschland der Nazi-Zeit. Was schon auf dem Papier nach einem Fiebertraum klingt, scheint auch bei vielen Zuschauern am Sonntagabend gnadenlos durchgefallen zu sein.

Stefan Frank, Martin Gruber, Wolf Sander: Die kultigsten Serien-Ärzte aller Zeiten

Stefan Frank, Martin Gruber und Wolf Sander zählen bis heute zu den kultigsten Serienärzten.
Stefan Frank, Martin Gruber, Wolf Sander: In der deutschsprachigen Fernsehwelt gibt es unzählige legendäre Serienärzte. © IMAGO/United Archives; ZDF/Erika Hauri; ZDF/Mirko Friebel (Fotomontage)
Sigmar Solbach steht als Dr. Stefan Frank vor der Kamera.
Im Arztkittel und immer bereit, alles für seine Patienten zu tun: So kennen Zuschauer Dr. Stefan Frank (Sigmar Solbach). Von 1995 bis 2001 zeigte RTL Geschichten aus dem Leben vom „Arzt, dem die Frauen vertrauen“, bei denen es neben dem Alltag im Krankenhaus auch stets über das Privatleben des Mediziners ging. © IMAGO/United Archives
Hans Sigl spielt bei „Der Bergdoktor“ die Rolle des Dr. Martin Gruber.
Seit 2008 verkörpert Hans Sigl bei „Der Bergdoktor“ die Rolle des Dr. Martin Gruber – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Im Leben des sympathischen Landarztes geht es stets turbulent und dramatisch zu, aber für jede Menge Heimatfeeling ist trotzdem gesorgt. © ZDF/Erika Hauri
Vor Hans Sigl spielte Gerhard Lippert die Rolle des Bergdoktors.
Vor Hans Sigl spielte Gerhard Lippert (l.) die Rolle des Bergdoktors. In der von 1992 bis 1997 bei Sat.1 ausgestrahlten gleichnamigen Serie begeisterte er als Dr. Thomas Burgner die Zuschauer. © IMAGO/United Archives
Nick Wilder ist als Schiffsarzt Dr. Sander beim ZDF-Traumschiff zu sehen.
Wie auch die beiden Bergdoktoren praktizierte Dr. Wolf Sander (Nick Wilder, r.) abseits einer gewöhnlichen Praxis. Denn von 2011 bis 2020 war er Schiffsarzt auf dem ZDF-Traumschiff und erlebte mit Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen, l.) etliche Abenteuer bei Wellengang. © ZDF/Mirko Friebel
In der ZDF-Serie „Der Landarzt“ spielte Christian Quadflieg die Rolle des Dr. Karsten Mattiesen.
Stolze 22 Staffeln wurden von „Der Landarzt“ zwischen 1987 und 2013 produziert. Von den diversen Protagonisten der ZDF-Serie gilt Dr. Karsten Mattiesen (Christian Quadflieg) heute als absoluter Kult und sein Serientod am Ende von Staffel vier erschütterte Zuschauer zutiefst. © dpa/Horst Ossinger
Die Handlung von „Die Schwarzwaldklinik“ war eine echte Familienangelegenheit.
Die Handlung von „Die Schwarzwaldklinik“ war eine echte Familienangelegenheit. Im Zentrum der von 1985 und 1989 ausgestrahlten Serie standen Dr. Udo Brinkmann (Sascha Hehn) und seine Eltern Dr. Christa Brinkmann (Gaby Dohm) und Prof. Dr. Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow). Vater, Mutter und Sohn im selben Beruf zu sehen, verlieh dem ZDF-Format eine ganz besondere Dynamik. © dpa/dpaweb/Rolf Haid
Im Vergleich zum „Landarzt“ und „Bergdoktor“ ähnelte „Doctor‘s Diary“ mehr den großen US-amerikanischen Krankenhausserien.
Im Vergleich zum „Landarzt“ und „Bergdoktor“ ähnelte „Doctor‘s Diary“ mehr den großen US-amerikanischen Krankenhausserien. Im Zentrum der Handlung stand das Berufsleben von Dr. Greetchen Haase (Diana Amft, m.), Dr. Marc Meier (Florian David Fitz, l.) und ihren Kollegen – und natürlich auch jede Menge Liebesdrama.  © dpa/Karlheinz Schindler
Christine Urspruch war von 2014 bis 2019 im ZDF in der Arztserie „Dr. Klein“ zu sehen.
„Tatort“-Zuschauer kennen Christine Urspruch als Rechtsmedizinerin Silke Haller – von 2014 bis 2019 war sie aber im ZDF in ihrer ganz eigenen Arztserie „Dr. Klein“ zu sehen. Darin verkörperte sie die Rolle der kleinwüchsigen Dr. Valerie Klein. Gleich zwei Arztrollen auf dem Lebenslauf zu haben – keine schlechte Leistung. © dpa/Wolfram Kastl
Ulrich Reinthaller steht als Dr. Markus Kampmann bei „Hallo, Onkel Doc!“ vor der Kamera.
Der Beginn von „Hallo, Onkel Doc!“ ist ziemlich tragisch: nach einer missglückten OP, bei der eine seiner Patientinnen starb, kehrt Kinderchirurg Dr. Markus Kampmann (Ulrich Reinthaller) von den USA nach Heidelberg zurück, wo er fortan im Krankenhaus arbeitet. Auch dort muss er sich vielen Herausforderungen stellen – am Ende gehen die Dinge aber meistens doch gut aus für den sympathischen Arzt. © IMAGO/United Archives
Mehr als 100 Folgen umfasste die ARD-Serie „Praxis Bülowbogen“, in der der Berliner Arzt Dr. Peter Brockmann (Günther Pfitzmann) im Mittelpunkt stand.
Mehr als 100 Folgen umfasste die ARD-Serie „Praxis Bülowbogen“, in der der Berliner Arzt Dr. Peter Brockmann (Günther Pfitzmann) im Mittelpunkt stand. 1996 liefen die letzten Episoden rund um den taffen Mediziner und seine Kollegen – die Praxis in der Bülowstraße bekam das Fernsehpublikum aber auch weiterhin zu sehen. © IMAGO/United Archives
Als Nachfolgeserie von „Praxis Bülowbogen“ steht bei „Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen“ der Nachfolger von Peter Brockmann im Mittelpunkt: Peter Sommerfeld (Rainer Hunold).
Als Nachfolgeserie von „Praxis Bülowbogen“ steht bei „Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen“ der Nachfolger von Peter Brockmann im Mittelpunkt: Peter Sommerfeld (Rainer Hunold). Aus der Gruppe der vielen deutschen Serienärzte sticht er vor allem durch seine Hilfsbereitschaft hervor und scheut sich nicht davor, auch in seiner Freizeit für seine Patienten da zu sein. © IMAGO/POP-EYE
„In aller Freundschaft“ läuft seit 1998 in der ARD.
In gewisser Weise ist „In aller Freundschaft“ sowas wie das deutsche „Grey‘s Anatomy“. Seit 1998 zeigt die ARD wöchentlich neue Folgen aus der „Sachsenklinik“. Obwohl sich die Besetzung über die Jahre hinweg stark verändert hat, ist einer seit der ersten Stunde an dabei: Dr. Roland Heilmann (l., Thomas Rühmann).  © IMAGO/United Archives
Aus der ARD ist „In aller Freundschaft“ nicht mehr wegzudenken. Weil die Show so erfolgreich ist, gibt es inzwischen auch den Ableger „Die jungen Ärzte“.
Aus der ARD ist „In aller Freundschaft“ heute nicht mehr wegzudenken. Weil die Show so erfolgreich ist, gibt es inzwischen auch den Ableger „Die jungen Ärzte“. Im Zentrum der Handlung stehen die Mediziner des Johannes-Thal-Klinikums in Erfurt, allen voran Dr. Matteo Moreau (3.v.l., Mike Adler) und Prof. Dr. Karin Patzelt (2.v.r., Marijam Agischewa). © ARD/Markus Nass
Auch in der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“, die zwischen 2004 und 2020 im Ersten lief, ist das Privatleben von Hauptfigur Dr. Christian Kleist (Francis Fulton-Smith) stets zentrales Thema.
In den meisten Arztserien – sei es „Grey‘s Anatomy“ oder „Der Bergdoktor“ – steht neben dem stressigen Klinikalltag auch das Leben der Ärzte im Vordergrund. Auch in der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“, die zwischen 2004 und 2020 im Ersten lief, sind das Privatleben und die Familie von Hauptfigur Dr. Christian Kleist (Francis Fulton-Smith) stets zentrales Thema. © ARD/Volker Roloff
Die letzte Folge von „Herzschlag – Das Ärzteteam Nord“ liegt zwar schon mehr als 20 Jahre zurück, an die souveränen und tapferen Charaktere der ZDF-Serie erinnern sich aber heute bestimmt noch viele.
Die letzte Folge von „Herzschlag – Das Ärzteteam Nord“ liegt zwar schon mehr als 20 Jahre zurück, an die souveränen und tapferen Charaktere der ZDF-Serie erinnern sich aber heute bestimmt noch viele. Hauptfigur der in Husum spielenden Serie war Dr. Tilman Behrens (Silvan-Pierre Leirich, r.), der im Klinikum Nord im Ärzteteam von Prof. Dr. Roland Wagner (Christoph Quest, l.) arbeitete. © IMAGO/United Archives

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„Total realitätsfern“, schimpft ein Fan bei X (vormals Twitter), „Der Fantasyfilm gestern war wieder eine Vollkatastrophe“, befindet ein anderer. „Nur noch dämlich“, urteilt ein besonders entsetzter Zuschauer und übt scharfe Kritik an der „Psychologisierung“ des Films, dem „gähnend langweilige[n] Spannungsbogen“ sowie der „hanebüchene[n] überdrehte[n]“ Geschichte. Ein besonders kreativer User hat derweil einen Vorschlag für eine neue und „konventionellere“ Ausgabe der Krimireihe: „Könnte nicht einfach mal wieder eine Zahnarztgattin aus Grünwald ihren Ehemann vergiften und mit dem Gärtner durchbrennen?“

Das Phänomen „Tatort“

Seit der Ausstrahlung der ersten „Tatort“-Folge „Taxi nach Leipzig“ am 29. November 1970, hat sich das wöchentliche Krimi-Format zu einem wahren TV-Phänomen entwickelt und beschert der ARD mit jeder neuen Folge ein Millionenpublikum. Bis heute sind stolze 102 Ermittler in der Erfolgssendung zu sehen gewesen – die meisten Einsätze kann dabei das Münchner Duo Ivo Batic (Miroslav Nemec, 68) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, 64) verzeichnen. Von den 22 stetig wechselnden Schauplätzen und Teams – darunter Ludwigshafen, Wien, Stuttgart, Hamburg, Zürich und Bremen – gelten Frank Thiel (Axel Prahl, 62) und Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, 58) aus Münster als die am beliebtesten, wie eine Umfrage von t-online aus dem Jahr 2022 ergeben hat. 

(Quellen: daserste.de, t-online.de)

Trotz harter Kritik: Neuer Hessen-„Tatort“ von vielen Zuschauern gelobt

Für seine ungewöhnliche Story hagelte es für den neuesten Hessen-„Tatort“ von vielen Seiten Kritik, zahlreiche ARD-Zuschauer zeigten sich dem Krimistreifen gegenüber aber um einiges versöhnlicher. „Grandios“, schwärmt ein Fan, „Großes Tennis“, befindet eine andere, bemängelt aber dennoch, dass der Film zu Beginn „zu gewollt tiefsinnig“ gewesen sei. „Erfrischend anders“, schreibt eine X-Nutzerin, während das Fazit einer anderen lautet: „Tiefsinn und Unsinn, Banales und Bizarres, Verwirrspiel – doch, es machte Spaß, sich darauf einzulassen.“

Der neueste Hessen-„Tatort“ mit dem Titel „Murot und das Paradies“ kam bei einigen Zuschauern alles andere als gut an.

Auch nach mehr als 50 Jahren Sendezeit gelingt es dem „Tatort“ noch immer zu polarisieren. Der Abschiedsfall von Heike Makatsch vor zwei Wochen, „Aus dem Dunkel“, zog gespaltene Reaktionen mit sich und auch der neueste Fall aus Wien vom vergangenen Wochenende ließ aufgrund eines nur schwer verständlichen Dialekts viele Zuschauer genervt zurück. Verwendete Quellen: ARD; X

Rubriklistenbild: © HR/Bettina Müller (Fotomontage)

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