„Vollkatastrophe“ bis „erfrischend anders“: Wirrer „Tatort“ spaltet die ARD-Zuschauer
VonLukas Einkammerer
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Am Sonntagabend zeigte die ARD mit „Murot und das Paradies“ den neuesten „Tatort“ aus Hessen. Die ungewöhnliche Handlung sorgte bei den Zuschauern jedoch für gespaltene Gemüter.
Wiesbaden – In der mehr als 50 Jahre langen Historie des „Tatorts“ gab es schon so einige Folgen, die vom üblichen Erfolgsrezept à la „Ermittler jagt Ganove“ abgewichen sind und experimentellere Töne angeschlagen haben. „Murot und das Paradies“, der neueste Fall des hessischen Kommissars Felix Murot (Ulrich Tukur, 66), konnte am Sonntagabend mit einer besonders skurrilen Handlung aufwarten – die den Zuschauern nicht nur Lob und Euphorie entlockte.
„Realitätsfern“ und „Vollkatastrophe“: ARD-Publikum zerreißt neuen „Tatort“
Ausgangspunkt von „Murot und das Paradies“ ist, wie so oft beim „Tatort“, ein Mordfall. Zwei Bänker, denen der Bauchnabel entfernt worden ist, führen den Kommissar, der zu Beginn des Films mit einer Depression zu kämpfen hat, auf eine wilde Reise – von Szenen im Weltall bis hin zu einem Abstecher ins Deutschland der Nazi-Zeit. Was schon auf dem Papier nach einem Fiebertraum klingt, scheint auch bei vielen Zuschauern am Sonntagabend gnadenlos durchgefallen zu sein.
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„Total realitätsfern“, schimpft ein Fan bei X (vormals Twitter), „Der Fantasyfilm gestern war wieder eine Vollkatastrophe“, befindet ein anderer. „Nur noch dämlich“, urteilt ein besonders entsetzter Zuschauer und übt scharfe Kritik an der „Psychologisierung“ des Films, dem „gähnend langweilige[n] Spannungsbogen“ sowie der „hanebüchene[n] überdrehte[n]“ Geschichte. Ein besonders kreativer User hat derweil einen Vorschlag für eine neue und „konventionellere“ Ausgabe der Krimireihe: „Könnte nicht einfach mal wieder eine Zahnarztgattin aus Grünwald ihren Ehemann vergiften und mit dem Gärtner durchbrennen?“
Das Phänomen „Tatort“
Seit der Ausstrahlung der ersten „Tatort“-Folge „Taxi nach Leipzig“ am 29. November 1970, hat sich das wöchentliche Krimi-Format zu einem wahren TV-Phänomen entwickelt und beschert der ARD mit jeder neuen Folge ein Millionenpublikum. Bis heute sind stolze 102 Ermittler in der Erfolgssendung zu sehen gewesen – die meisten Einsätze kann dabei das Münchner Duo Ivo Batic (Miroslav Nemec, 68) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, 64) verzeichnen. Von den 22 stetig wechselnden Schauplätzen und Teams – darunter Ludwigshafen, Wien, Stuttgart, Hamburg, Zürich und Bremen – gelten Frank Thiel (Axel Prahl, 62) und Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, 58) aus Münster als die am beliebtesten, wie eine Umfrage von t-online aus dem Jahr 2022 ergeben hat.
(Quellen: daserste.de, t-online.de)
Trotz harter Kritik: Neuer Hessen-„Tatort“ von vielen Zuschauern gelobt
Für seine ungewöhnliche Story hagelte es für den neuesten Hessen-„Tatort“ von vielen Seiten Kritik, zahlreiche ARD-Zuschauer zeigten sich dem Krimistreifen gegenüber aber um einiges versöhnlicher. „Grandios“, schwärmt ein Fan, „Großes Tennis“, befindet eine andere, bemängelt aber dennoch, dass der Film zu Beginn „zu gewollt tiefsinnig“ gewesen sei. „Erfrischend anders“, schreibt eine X-Nutzerin, während das Fazit einer anderen lautet: „Tiefsinn und Unsinn, Banales und Bizarres, Verwirrspiel – doch, es machte Spaß, sich darauf einzulassen.“