Perfect in Pink

Warum ich mich gerade wegen der Klischees auf den neuen „Barbie“-Film freue

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Barbie und der ganze Hype drumherum zeigt uns Frauen, dass wir mädchenhafte Dinge mögen dürfen, ohne uns dafür zu schämen.

Am 20. Juli kommt der langersehnte „Barbie“-Film mit Margot Robbie und Ryan Gosling in den Hauptrollen endlich in die deutschen Kinos. Sicherlich hast du mittlerweile schon von der ganzen Aufregung gehört oder fühlst sie selbst, denn das Marketing für den Film ist absolut grandios. Und mit grandios meine ich nicht nur unglaublich gut, sondern auch unglaublich groß. Mittlerweile kannst du fast nirgendwo mehr hinlaufen, ohne etwas zu dem Film zu sehen oder über ihn zu hören.

Barbie ist gerade einfach überall.

Auch auf Social Media bekomme ich endlose Marketingaktionen ausgespielt: Burger King Brasil präsentiert sein „Barbie Land“-Menü mit pinkem Drink und pinker Burgersauce, die Make-up-Marke NYX macht Werbung für die neuste „Barbie“-Kollektion und selbst die Zahnpasta-Marke „MOON“ bringt zum Start des Films eine pinke Zahnbürste auf den Markt.

Sogar andere Franchise haben sich ein Ticket für den Hype Train gekauft. Das wurde durch die pinke Tardis, die zur Hit-Serie „Doctor Who“ gehört, in London deutlich.

Ganz offensichtlich haben all diese Marketing-Aktionen vor allem eins gemeinsam: Sie sind pink. Wirklich, wirklich pink. Und genau deshalb höre ich von vielen verschiedenen Stellen mittlerweile immer wieder, ob der angeblich Frauen feiernde Film nicht ein Schritt zurück sei – weg vom Feminismus.

Ein hübsches Blondchen in pinken Kleidern, welches die angeblich idealen Körpermaße verkörpert und in ihrer pinken Welt am liebsten den ganzen Tag Pool-Partys feiert? Wie soll diese Darstellung das moderne Frauenbild unterstützen? Habe ich mich nicht selbst in einem Post über unnötig gegenderte Produkte mit genau diesem überpinken Marketing für Frauen aufgeregt?

Natürlich kann man das dem „Barbie“-Film vorwerfen. Letztendlich geht es bei den Marketingaktionen wie bei allen Filmen hauptsächlich um die Einnahmen. Aber genau hier möchte ich einmal ansetzen und sagen, dass ich daran glaube, dass der Film für mehr steht. Und dass mir der Kapitalismus-Gedanke dahinter in diesem Fall egal ist. Nein, nicht egal, ich HOFFE sogar, dass der Film mehr einspielen wird als „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ oder „Avengers: Endgame“. Und das, ohne ihn bisher gesehen zu haben.

Margot Robbie als Barbie

Der Grund dafür ist einfach: Alles, was ich bisher zum Film und rund um diesen gesehen habe, inspiriert mich als Frau dazu, einfach mal wieder so Klischee mädchenhaft zu sein, wie ich es mir selbst lange nicht erlaubt habe. Und ich will, dass „Barbie“ auch alle anderen dazu inspiriert, genau dieses Gefühl an sich zu reißen.

Die Erklärung ist simpel: Als Kind habe ich Pink geliebt. Ich fand es toll, pinke Schuhe zu tragen und mich abends mit einem weichen, pinken Schlafanzug ins Bett zu kuscheln. Meine Mutter hat mir die Farbe nie aufgezwungen, ich fand sie einfach selbst ziemlich toll.

Bis andere anfingen, mir einzureden, dass diese Eigenschaft etwas Schlechtes sei. Nicht nur die Liebe zu der Farbe, sondern alles, was „typische Mädchen“ mögen würden. Es sei ja schließlich langweilig und fast schon lächerlich, so zu sein, wie alle anderen Mädchen. Pink tragen? Nimm lieber rot oder blau, dann hebst du dich von der Masse ab und wirkst „besonders“. Du willst dich schminken? Auf gar keinen Fall, dann siehst du nur aus wie ein Püppchen, das niemand ernst nehmen kann. Du willst es doch zu etwas bringen, oder?

Als kleines Mädchen solltest du tragen, was du willst.

Und das ist der springende Punkt. Ich habe auf diese Meinungen gehört und sogar angefangen, Pink zu hassen. Ähnlich wie ich später Taylor Swift nicht mochte, weil mir eingeredet wurde, dass es schlimm sei, verschiedene Männer zu daten, Songs darüber zu schreiben und einfach nur als Frau den Platz einzunehmen, den man verdient hat.

Viele, viele Jahre später habe ich dann aber gemerkt, wie unglücklich es mich macht, andere Frauen und die Klischees, die uns umringen, als meine Feinde anzusehen. Ich habe eingesehen, dass diese Ansichten aus patriarchalischen Strukturen heraus entstanden sind und nur das Ziel hatten, alles Weibliche niederzumachen. Fast schon, als hätten vor allem Männer Angst davor, uns auf einer Ebene mit ihnen zu sehen.

Also hat man uns lieber eingeredet, dass es etwas Schlechtes sei, wenn eine Frau für sich einsteht und präsent ist. Als würde sie alle ihre Qualitäten und Fähigkeiten verlieren, weil sie gerne Pink oder Make-up trägt oder Gott bewahre, sagt, was sie denkt.

„Mit Rosa und Pink nimmt dich ja niemand ernst!“

Zum Umdenken gebracht hat mich die Erfahrung, dass du in unserer Gesellschaft als Frau nicht unbedingt mehr Respekt oder mehr Wertschätzung bekommst, nur weil du versuchst, dich von anderen Frauen abzusetzen oder diese runterzureden. Stattdessen hat es mir und meinem Selbstbewusstsein geholfen, mit Frauen zu sprechen, die meine Probleme geteilt haben. Und Frauen zu sehen, die ganz sie selbst waren und die Dinge mögen, die sie eben mögen – Pink, kein Pink, Make-up, kein Make-up.

Filme wie „Natürlich blond“, von denen ich hoffe (und glaube), dass sich Barbie in genau diese Kategorie einreihen wird, spiegeln diesen Punkt wider. Alle halten Elle Woods für ein dummes blondes Püppchen, das sich gerne Pink anzieht und nur am Pool abhängt. Selbst ihr eigener Freund trennt sich deshalb von ihr, weil er sich selbst für schlauer hält.

Als sie dann aber nach Harvard geht und beweist, wie klug sie auch in blond und pink ist, reicht es ihm trotzdem nicht. Elle selbst erkennt das auch, als sie sagt: „Ich werde nie gut genug für dich sein, oder?“

Am Ende des Films ist sie trotzdem die Heldin und gewinnt nicht nur einen wichtigen Fall, sondern schließt ihr Jurastudium auch mit Spitzennoten ab.

Und was lernen wir daraus? Die Menschen, die uns Frauen einfach nicht schätzen oder uns runterbuttern wollen, werden uns auch dann nicht als etwas Besseres ansehen, wenn wir gegen das vorgehen, was eben als „mädchenhaft“ angesehen wird. Das heißt natürlich nicht, dass wir uns die Klischees gegenseitig aufzwingen müssen, aber es heißt, dass wir sie ausleben dürfen.

Gönn‘ dir das nächste Mal also gerne die pinke Trinkflasche.

Also geh am 20. Juli ins Kino und guck dir „Barbie“ an, wenn du willst. Sei der Main Character, trag pinke Klamotten und so viel Make-up, wie du möchtest. Lass Ken (und alle Männer) einfach mal die zweite Geige spielen und bewundere all die Frauen im Film und um dich herum. Sie dir an, wer sie sind und was sie draufhaben.

Feier, dass die Hauptfigur des Films eine blonde Frau in Pink ist, die Ärztin, Astronautin oder einfach Stay at Home-Mom sein kann, wenn sie will und das alles auch gerne in High Heels. Und dass sie für sich und ihre Weiblichkeit einsteht.

Ich bin mir sicher, dass Greta Gerwig weiß, was sie tut, also lass uns die Klischees feiern, statt sie nur zu kritisieren. Girl Power 💖

We love you, Barbie.

Und wenn du als Vorbereitung für den Film selber einmal erfahren möchtest, welche Barbie du bist, dann mach doch mal dieses Quiz.

Rubriklistenbild: © Pond5 / IMAGO / Mattel Films / ZUMA Press / Imago

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