Isaak hat in Malmö miese Karten

ESC schon verloren? Wettquoten strafen deutschen Song ab

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Beim deutschen ESC-Vorentscheid setzte sich Isaak gegen die Konkurrenz durch. Doch die Experten sind sich sicher: Mit seinem Song „Always On The Run“ hat er keine Chance.

Malmö – Beim ESC-Vorentscheid am 16. Februar 2024 wurden im Rahmen einer Livesendung in der ARD neun Acts vorgestellt. Von absoluten Newcomern über ein Schlagersternchen bis hin zu Max Mutzke (42), der schon einmal für Deutschland zu dem Musikevent gefahren ist, war alles vertreten. Gewonnen hat am Ende der 28-jährige Isaak. Er gibt beim Finale im schwedischen Malmö den Song „Always On The Run“ zum Besten. Auf seinen Sieg dürften aber die wenigsten setzen – die Buchmacher sehen quasi keine Chancen für ihn.

Deutscher ESC-Kandidat Isaak in der Kritik: Gewinnchancen gehen gegen null

Nach dem Vorentscheid wurde der deutsche ESC-Teilnehmer Isaak von den Fans geradezu zerrissen. Obwohl er von der internationalen Jury und den Zuschauern am Vorabend die meisten Stimmen erhielt, musste er sich am nächsten Tag im Netz Kritik von allen Seiten anhören. Der Grund: Fast keiner kann sich vorstellen, dass der einstige „X-Factor“-Kandidat und sein Lied die Konkurrenz am 11. Mai 2024 ausstechen werden. Und diese Meinung der ESC-Fans spiegelt sich auch in den Wettquoten wider. Die Buchmacher empfehlen es nicht, auf den deutschen Künstler zu setzen.

Mal Sieger, oft letzter Platz: So hat Deutschland beim ESC in den letzten Jahren abgeschnitten

Sängerin Lena Meyer-Landrut freut sich über den Sieg beim Eurovision Song Contest (ESC) 2010.
Konnte den letzten – und überhaupt erst zweiten Sieg – für Deutschland beim ESC verbuchen: Lena Meyer-Landrut. Mit ihrem Song „Satellite“ wusste sie das europäische Publikum 2010 für sich zu begeistern. Und nur ein Jahr später durfte Lena erneut beim ESC auftreten. © Jörg Carstensen/dpa
Sängerin Lena Meyer-Landrut während ihres Auftritts beim ESC 2021.
Nachdem sie den ESC 2010 für Deutschland gewinnen konnte, durfte Sängerin Lena Meyer-Landrut 2021 beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf erneut antreten. Mit „Taken by a Stranger“ war ihr am Ende der 10. Platz vergönnt. © Jörg Carstensen/dpa
Sänger Roman Lob während seines Auftritts beim ESC 2012.
„Standing Still“ hieß der Song von Sänger Roman Lob, mit dem er beim ESC 2012 am Ende den achten Platz belegen konnte. ©  Jörg Carstensen/dpa
Sängerin Cascada während des ESC-Finale 2013 in Malmö (Schweden).
Schon vor ihrer Teilnahme am ESC 2013 in Malmö war Dancepop-Künstlerin Cascada ein Name in Deutschland. Bei Eurovision Song Contest sollte ihr Song „Glorious“ aber nicht allzu gut ankommen. Es reichte nur für den 21. Platz. © Jörg Carstensen/dpa
Ela Steinmetz von der Band Elaiza während ihres ESC-Auftritts 2014 für Deutschland.
Beim ESC 2014 aus Kopenhagen wurde Deutschland durch Elaiza vertreten. Das Trio um Ela Steinmetz trat mit „It Is Right“ an – und belegte damit den 18. Platz. Dieser sollte bis 2018 die beste Platzierung Deutschlands beim ESC bedeuten. © Keld Navntoft/dpa
Sängerin Ann Sophie während ihres Auftritts beim ESC 2015.
Ihr „Black Smoke“ sollte keinen großen Anklang finden: Beim ESC 2015 aus Wien wurde Deutschland durch Ann Sophie vertreten. Die Sängerin konnte jedoch keinen einzelnen Punkt einheimsen – und wurde folgerichtig Letzte. © Julian Stratenschulte/dpa
Sängerin Jamie-Lee während ihres ESC-Auftritts 2016.
Auch 2016 war nicht das Jahr Deutschlands beim ESC. Mit der quirligen Sängerin Jamie-Lee und ihrem Beitrag „Ghost“ gab es zwar wieder Punkte, nämlich derer elf. Das sollte jedoch nur für den 26. und damit letzten Platz reichen. © Maja Suslin/dpa
Sängerin Levina während ihres ESC-Auftritts 2017.
Nur etwas für Freunde von Galgenhumor: Mit Levina konnte sich Deutschland beim ESC 2017 steigern – und nunmehr den vorletzten Platz erreichen. Lediglich sechs Punkte konnte das „Perfect Life“ der Sängerin einheimsen. Doch ein Jahr später sollte sich alles ändern. © Julian Stratenschulte/dpa
Sänger Michael Schulte und die deutsche Delegation freuen sich über seinen vierten Platz beim ESC 2018.
So sehen Sieger (der Herzen) aus: Singer-Songwriter Michael Schulte konnte beim ESC 2018 mit seinem Song „You Let Me Walk Alone“ den vierten Platz für Deutschland erreichen. Insgesamt 340 Punkte sammelte das Stück, in dem der Lockenkopf den frühen Tod seines Vaters verarbeitet. © Jörg Carstensen/dpa
S!sters aus Deutschland treten im Finale des Eurovision Song Contests (ESC) 2019 auf.
Ein Jahr nach dem ESC-Auftritt von Michael Schulte ging es für Deutschland aber wieder rasant bergab. Mit dem Duo S!sters und dem Song „Sister“ wurde beim ESC 2019 nur der 25. Platz erreicht. © Sebastian Scheiner/dpa
Ben Dolic tritt in der ARD-Show „Eurovision Song Contest 2020 - das deutsche Finale“ auf, die live aus der Elbphilharmonie in Hamburg übertragen wurde.
Und dann kam Corona: Wegen der Pandemie musste der ESC 2020 abgesagt werden. Deutschland wäre durch Ben Dolic und dessen Song „Violent Thing“ vertreten gewesen. In Form von Ersatz-Musikshows durfte der Sänger dann doch noch Auftritt auf der Bühne genießen. © Uwe Ernst/dpa
Der Sänger und Musical-Darsteller Jendrik tritt während der zweiten Kostümprobe des ersten Halbfinales des Eurovision Song Contest (ESC) in der Ahoy Arena auf.
Konnte Deutschland beim ESC 2019 „noch“ den vorletzten Platz belegen, wurde die Bundesrepublik beim Eurovision Song Contest 2021 mal wieder letzter. Sänger Jendrik trat mit dem Gute-Laune-Song „I Don‘t Feel Hate“ an – und konnte sich am Ende des Finales über lediglich drei Punkte freuen. © Sören Stache/dpa
Malik Harris aus Deutschland singt den Song „Rockstars“ beim Finale des Eurovision Song Contest (ESC).
Und auch beim ESC 2022 war Deutschland nicht mehr als der letzte Platz im Tableau vergönnt. Immerhin: Malik Harris konnte mit seinem Song „Rockstars“ die Punkteausbeute vom Vorjahr verdoppeln. Nun gab es sechs Punkte. ©  Jens Büttner/dpa
Die Band Lord of the Lost sollte beim ESC 2023 die Pleiten der letzten Jahre vergessen machen. Doch auch sie kamen bei der Jury und den Zuschauern nicht gut an und landeten auf dem letzten Platz.
Die Band Lord of the Lost sollte beim ESC 2023 die Pleiten der letzten Jahre vergessen machen. Doch auch sie kamen mit dem Song „Blood & Glitter“ bei der Jury und den Zuschauern offenbar nicht gut an. Es wurde Rang 26 und damit mal wieder der letzte Platz.  © Jessica Gow/TT/Imago

Auf eurovisionworld.com werden die Wettquoten dargestellt. Von den derzeit noch 37 Teilnehmer-Ländern wird der Ukraine die höchste Chance auf den Sieg eingerechnet. Die Gewinnchance wird von den Buchmachern auf satte 18 Prozent geschätzt – was ihnen weit oben und ziemlich abgeschlagen Platz eins verschafft. Italien, Israel und Großbritannien folgen mit sieben und jeweils sechs Prozent. Für Deutschland sehen die Buchmacher hingegen Schwarz: Weit von der Spitzengruppe entfernt auf Platz 16 findet man Isaak – mit gerade einmal zwei Prozent Gewinnchance.

Die letzten zehn Jahre: Deutschland beim ESC

2014: Elaiza – „Is It Right?“ – Platz 18
2015: Ann Sophie – „Black Smoke“ – Platz 27
2016: Jamie-Lee – „Ghost“ – Platz 26
2017: Levina – „Perfect Live“ – Platz 25
2018: Michael Schulte – „You Let Me Walk Alone“ – Platz 4
2019: S!sters – „Sister“ – Platz 25
2020: Ben Dolic – „Violent Thing“ – Absage aufgrund der Pandemie
2021: Jendric – „I Don‘t Feel Hate“ – Platz 25
2022: Malik Harris – „Rockstars“ – Platz 25
2023: Lord Of The Lost – „Blood & Glitter“ – Platz 26

Nach deutschem Vorentscheid: Wettquoten innerhalb weniger Stunden halbiert

Die größte Enttäuschung bei der Analyse der Wettquoten dürfte aber nicht die geringe Chance an sich sein, sondern der rasante Abstieg nach dem deutschen Vorentscheid. In den Prognosen für den Finalabend hatte Isaaks Konkurrent Ryk am besten abgeschnitten. Parallel zu seinen Top-Quoten war auch Deutschlands Chance auf den Gesamtsieg deutlich gestiegen. Laut esc-kompakt.de wurde Deutschland nur wenige Stunden vor dem Vorentscheid noch eine Gewinnchance von vier Prozent zugesprochen. Mit der Entscheidung der Zuschauer für Isaak halbierte sich der Wert innerhalb kürzester Zeit. Künstler und Song wurden in den Wettquoten demnach knallhart abgestraft.

Beim deutschen ESC-Vorentscheid setzte sich Isaak gegen die Konkurrenz durch. Doch die Experten sind sich sicher: Mit seinem Song „Always On The Run“ hat er keine Chance.

Tatsächlich haben sich auch viele erfahrene Künstler schon zu Wort gemeldet und keinen Hehl daraus gemacht, nicht viel von dem deutschen Act für Malmö zu halten. Ein ESC-Experte hatte unter den Kandidaten für den Vorentscheid nur einen Lichtblick gesehen – doch Isaak war das nicht. Verwendete Quellen: esc-kompakt.de, eurovisionworld.com (Wettquoten: Stand 20. Februar 2024, 10.33 Uhr)

Rubriklistenbild: © Imago/ Future Image; picture alliance/dpa/dpa Pool | Christoph Soeder (Fotomontage)

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