Good Girl, Bad Boy

Warum weibliche Charaktere sich gefühlt immer für den toxischen Bad Boy entscheiden

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Bad Boy oder Good Boy? Wen würdest du nehmen?

Ich sitze an meinem Schreibtisch im BuzzFeed DE-Büro und gucke auf unsere „Crush-Wall“. An der hängen ... was sonst? ... unsere (fiktionalen) Crushes. Bei mir und meiner Kollegin ist es „Valeria“-Hottie Maxi Iglesias, der für uns einfach zum Umfallen hot ist!

Während wir seine Bilder ausgeschnitten haben, haben wir über die spanische Netflix-Serie und ihr unerwartetes Liebesende gesprochen. Denn in dem hat sich Protagonistin Valeria nicht für den abgöttisch gut aussehenden Victor (Maxi Iglesias) entschieden, sondern für den weniger problematischen Bruno. Für mich direkt ein Anlass für eine Liste! Eine über Filme und Serien, in denen sich die Frau mal nicht für das toxische Arschloch entscheidet. Here we go ... oder auch nicht. Denn na ja ... wie soll ich es am besten formulieren ... MIR FÄLLT ABSOLUT KEIN BEISPIEL EIN.

Ich habe so viele Serien und Filme gesehen, mit der klassischen Dreiecksbeziehung: Frau muss sich zwischen Good Guy und Bad Boy entscheiden. Aber verdammt! Mir ist keine einzige im Kopf hängen geblieben, die den (wirklich) guten Kerl gewählt hat. Es gibt natürlich massenhaft Filme, wo zwei Kerle um eine Frau kämpfen, wie zum Beispiel in „Karate Kid“. Diese werden aber meist aus männlicher Sicht erzählt. Mir geht es vor allem um weibliche Hauptfiguren.

Gehen wir der Sache doch mal näher auf den Grund ...

Toxische Beziehungen als Liebes-Vorbild

Angefangen bei„Twilight“: in der Bella sich zwischen dem unnahbaren, nervig komplizierten Edward entscheiden muss und dem lieben, umsorgenden Jacob. Bis zu „50 Shades of Grey“: die absurde Geschichte von Anastasia und Christian. Oft sind die Traumpaar-Konstellationen mehr als ungesund.

Immer gibt es Probleme, Hindernisse und ständige Unterbrechungen während der Beziehung. Klar, wird so die Spannung aufrechterhalten, aber das ist einfach sowas von anstrengend. Und wenn wir das als Kind oder als pubertierender Teenie ansehen, verwechseln wir das im schlimmsten Fall noch mit realistischen Beziehungen. Und was lernen wir? Dass es „normal“ ist in der Liebe vor sich hin zu leiden. Am Ende lohnt es sich, weil er sich ändern wird. Bullshit! Diese 9 Filme und Serien zum Beispiel romantisieren mega toxische Beziehungen und langsam reicht‘s.

Warum der Bad Boy am Ende von Netflix-Serie „Valeria“ den Kürzeren zieht

Bei Valeria beendet die anfangs erfolglose Schriftstellerin ihre unglückliche Ehe, um mit dem heißen Victor zusammen sein zu können.

Nach einer Aneinanderreihung von heißen, heißen und noch heißeren Dates zwischen den beiden, beschließen sie, eine Beziehung zu führen. Allerdings scheitert diese und Victor stuft das ganze auf eine unnahbare Freundschaft Plus runter. Eine Zeit lang macht Valeria das mit, denn natürlich liebt sie ihn. Dieser Umstand macht das ganze natürlich nicht einfacher. Und es ist eine Art von emotionaler Abhängigkeit, in die sich jede:r von uns wahrscheinlich irgendwie wiedererkennen kann. ABER zum Glück ist Valeria schlau genug, um das undefinierbare Was-auch-immer zu beenden.

Wenig später lernt sie den geschiedenen Autoren Bruno kennen. Dieser hat von Anfang an echtes Interesse an Valeria und versucht diese für sich zu gewinnen. Sie lässt sich auf ihn ein und führt eine ungewohnt gesunde Beziehung. Natürlich will Victor sie daraufhin doch exklusiv, aber nach einigem Hin und Her, siehe da ... nimmt sie Bruno und nicht Victor. Und das kam für mich sowas von überraschend! Und ich war sogar enttäuscht darüber. Ich meine ... die ganze Serie ging quasi um Victor und Valeria, aber dann wurde dieser doch von einem Mann, der von ANFANG AN alles richtig gemacht hat, überholt.

Warum wünschen wir uns insgeheim den Bad Boy als Sieger?

An sich ist das Ende wirklich toll, aber ein bisschen weh getan hat es schon, denn wenn es nicht mit den Bad Boys im echten Leben klappt, dann doch wenigstens in den fiktiven Geschichten. Oder? ODER???

Es gibt mehrere Gründe, warum der stereotypische Bad Boy in Serien und Filmen eine gewisse Anziehung versprüht. Das hat meiner Meinung nach eigentlich ganz einfache Gründe:

Bad Boy = mysteriös, attraktiv, unnahbar

Good Boy = normal, schlau und einfach echt langweilig

Die „netten“ sind die angepassten, die wirklich wenig Abenteuer versprechen, während die witzigen und charismatischen Bad Boys natürlich alle Regeln brechen. Das wirkt interessant und anziehend. Natürlich haben diese ihre Schattenseiten, denn oft haben sie mit einigen Problemen zu kämpfen. Aber unsere hilfsbereiten Protagonistinnen helfen da natürlich gerne.

Kommen wir also zum Hauptproblem des ganzen Spektakels: In Filmen ändern sich die Typen wirklich. Zumindest so, dass sie am Ende zusammenkommen. Ich möchte damit auch auf keinen Fall ausschließen, dass sich Menschen nicht ändern können, aber in der Realität enden toxische Beziehungen nun eben doch einfach nur mit einem gebrochenem Herzen.

Der neue Bad Boy

Das Gute ist, dass es neben den 0815-Bad Boys auch immer mehr neue Bad Boys gibt, die entweder das Ende kriegen, was sie verdienen (siehe „Valeria“) ODER eben von Anfang an doch gar nicht so bad sind.

In „Noch nie in meinem Leben“ zum Beispiel haben sowohl Paxton als auch Ben gute und schlechte Eigenschaften. Auch Protagonistin Devi hat viele Ecken und Kanten und die Figuren helfen sich tatsächlich gegenseitig und lernen aus ihren Fehlern. Man sieht hier bei ALLEN Figuren eine tatsächliche Entwicklung, die von dem RomCom-Standard abweicht.

Es wird immer mehr wert darauf gelegt nicht nur eine Seite von bestimmten Figuren zu zeigen. Die Charaktere sollen durch den Zuschuss an Facettenreichtum greifbarer werden und Klischees somit aufbrechen. Denn diese behandeln eben nur die Oberfläche. So können wir uns als Zuschauer:innen umso besser identifizieren und schaffen vielschichtigere Figuren.

Für wen bist du in Serien und Filmen? Für den Typen mit allen Green Flags oder doch für den Bad Boy? Verrat es mir gerne in den Kommentaren.

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