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Das Schweigen der Politik im Fall Schlesinger und den oft übertriebenen Gebrauch der Gendersprache in den öffentliche-rechtlichen Funkhäusern kommentiert Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
München – Der Fall der Berliner Raffke-Intendantin und ARD-Chefin Patricia Schlesinger ist in vielfacher Weise lehrreich. Nicht nur, weil er ein grelles Licht auf Verschwendung, Selbstbedienungsmentalität und das offenbar systemimmanente Versagen der Kontrollgremien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wirft. Frau Schlesinger ist nicht die erste, die sich mit vollen Händen aus den ebenso vollen Geldtöpfen bediente, nicht die einzige und sicher auch nicht die letzte. Auffällig ist vielmehr das auch nach Wochen der fast täglichen Enthüllungen anhaltende Schweigen der anderen Intendanten. Gerade so, als gebe es keinen Grund, auch im eigenen Haus genauer hinzusehen, sich zu erklären oder darüber zu reden, was man im Sinne einer gelebten Fehlerkultur künftig anders machen könnte.
Die „Zuschauenden“ müssen mit Zwangsgebühren den Unsinn auch noch bezahlen
Beim Bürger nährt das den Verdacht, dass man in den Funkhäusern, wenn man sich nur lange genug weggeduckt hat und die Empörungswelle abgeebbt ist, wieder zur Tagesordnung übergehen will. Auch aus dem beredten Schweigen nach dem Skandal spricht die Abgehobenheit eines Systems, das dem Staat so nah ist und den Bürgern so fern. Besonders gut studieren lässt sich Letzteres am emsigen Gebrauch der Gendersprache durch Moderatoren oder Sprecher des öffentlichen-rechtlichen Fernsehens. Da gibt es, je nach Kreativität der Redakteure, die erstaunlichsten Wortschöpfungen („Arbeitgebende“, „BürgerInnensaal“).
Zu Recht haben Sprachforscher gerade angeprangert, dass eine sich selbst ermächtigende mediale Elite sich anmaßt, den „Zuschauenden“ gegen deren Willen eine Kunstsprache aufzuzwingen, die außerhalb der Elfenbeintürme der Universitäten, Staatsverwaltungen und Medienanstalten praktisch nirgendwo gesprochen wird. Der darin sichtbar werdende Erziehungsanspruch ist eine Respektlosigkeit den Bürgern gegenüber, die mit ihren Zwangsbeiträgen den Unsinn auch noch bezahlen müssen.
Schlanker, preisgünstiger und näher am Bürger, so wünschen sich viele die Öffentlich-Rechtlichen. Die Einsilbigkeit, mit der Politik und Sender den Fall Schlesinger quittieren, gibt allerdings wenig Grund zur Hoffnung, dass man daraus tatsächlich die nötigen Lehren zieht.
