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Entertainment und Streamer treffen auf Bolzplatz-Mentalität und Fußballer. Wie viel Straßenfußball steckt in der Hallenliga von Podolski und Hummels? Ein Kommentar.
Dortmund – Sechs Spieler pro Mannschaft auf einem etwas größeren Bolzplatz. Drumherum Kameras und Promis aus allen Branchen, die für Entertainment sorgen. Das ist das Konzept der „Baller League“, die von Mats Hummels und Lukas Podolski gegründet wurde. An manchen Stellen erinnert die neue Hallenliga an den amerikanischen Superbowl. Trotzdem fehlt etwas, was der klassische Fußball zu bieten hat, findet RUHR24-Autorin Julia Bremken.
Hummels und Podolski gründen „Baller League“: Stimmung wie beim Superbowl
Ein Spiel für alle Fußballfans, aber auch für alle, die es noch nicht sind. Bei der Baller League geht es in erster Linie um Fußball, aber nicht den klassischen, wie man ihn aus dem Stadion kennt. Es ist spannender und aufregender, besonders für die Zuschauer. Auch Rapper Kontra K hat seine eigene Mannschaft bei der Baller League und zeigt sich sichtlich angetan von der Version des Fußballs.
Elf gegen Elf ist hier nicht. Pro Mannschaft stehen immer nur sechs Spieler auf dem Kunstrasen in der Motorwelt in Köln. 50x29-Meter misst der Platz und ist damit größer als ein üblicher Bolzplatz. Die vielen Kameras lassen schon erahnen, dass nicht nur das Spielfeld das Neue an der Hallenliga ist.
Mats Hummels und Lukas Podolski gründen „eine neue Ära“ des Fußballs
Bekannte Streamer und Webvideoproduzenten wie Montana Black und Aaron Troschke laufen durch die Halle, fast immer ist ein Kamera-Team dabei. Die Baller League wird nämlich nicht im klassischen TV gezeigt, sondern unter anderem im kostenlosen Livestream auf Twitch oder bei der Streaming-Plattform Joyn. Lediglich ProSieben MAXX überträgt immer montags ab 20:15 Uhr bis 21:30 Uhr das Top-Spiel live im Free-TV.
„Eine neue Ära“ nennen die Ex-Weltmeister Mats Hummels und Lukas Podolski ihre eigens gegründete Kleinfeld-Liga. Und das ist sie auch. Fußball trifft auf Streaming und Entertainment (mehr Promi-News bei RUHR24 lesen).
Baller League: Fußball trifft auf Streaming und Entertainment
Ob das einem persönlich gefällt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Den Geschmack der jüngeren Generationen scheint das Konzept aber überwiegend zu treffen. Viele Teenager, aber auch junge Erwachsene schauen im Publikum zu und sitzen auf der Tribüne direkt am Spielfeldrand.
Alles wirkt kleiner und familiärer, Promis sind nicht unnahbar, sondern direkt neben einem. Auch die Frauen und Kinder der Spieler sind dabei, laufen über das Spielfeld und zeigen sich in der kleinen Öffentlichkeit.
Familiärer Support vom Spielfeldrand bei der Baller League
Am dritten Spieltag kommt Kevin Großkreutz auf den Platz und spielt für Podolskis und Alisha Lehmanns Mannschaft „Streets United“. Sein Sohn schaut direkt hinter der weißen Linie zu. Auch Sängerin Sarah Engels läuft in den Pausen zwischen den Spielen mit ihrer Tochter Solea über den Platz und unterstützt Ehemann Julian Engels.
Der ehemalige Fußballspieler aus NRW spielt bei der Baller League im Team „Gönrgy Allstars“. Die Manager sind die Streamer Montana Black und Sascha Hellinger (29).
Exklusive Tickets bei der Baller League: Karten schwerer zu bekommen als für ein Bundesliga-Spiel
Unter den Zuschauern gespannte Gesichter, aber nicht nur Fußball-Fans, wie man sie im Stadion findet. Einige scheinen wegen des Entertainments hier zu sein oder sich „einfach mal das Spiel anschauen zu wollen“. Wer bei der Baller League von der kleinen Tribüne zuschauen kann, darf sich freuen.
Denn hier kommt man noch schwieriger an Karten als bei einem Bundesliga-Spiel. Wer an einem der insgesamt elf Spieltagen in der Motorwelt in Köln dabei sein will, muss an Gewinnspielen auf verschiedenen Social-Media-Kanälen der Liga, beteiligter Personen oder Partnern teilnehmen. Auch hier zeigt sich wieder der Bezug zu Social Media und wie exklusiv die Liga gehandelt wird.
Kurze Spiele, ein Glücksrad und moderne Regeln sorgen für Abwechslung bei der Baller League
Für Entertainment ist in jedem Fall gesorgt. Auch die kurze Spiellänge von zweimal 15 Minuten sorgt für mehr Abwechslung und dafür, dass sich auch diejenigen, die keine Fußball-Fans sind, nicht langweilen. Nach zwölf Minuten ertönt ein Signal, es ist Zeit für das Glücksrad.
Damit wird bestimmt, welche besondere Regel für die letzten drei Minuten einer Halbzeit gelten. Zur Auswahl stehen unter anderem „Volley-Tore“, „Fair-Play“ oder „3-Play“. Bei dem Top-Spiel des dritten Spieltages - „Eintracht Spandau“ gegen „VFR Zimbos“ - wurde es letzteres, sprich nur 3 Spieler pro Mannschaft auf dem Feld für die letzten drei Minuten.
Baller League in Köln erinnert an den amerikanischen Superbowl: Doch eine Sache fehlt
Die Lichteffekte beim Anpfiff und vor dem Glücksrad erinnern etwas an den amerikanischen Superbowl. Was aber kein schlechtes Zeichen ist, denn der ist ja ein Paradebeispiel für Entertainment im Sport.
Trotz der ganzen Show-Effekte fehlt immer noch etwas. Die typische Stadionatmosphäre - tausende Fans, die für Stimmung sorgen und mit ihren Trikots die Tribüne in die Farben der Mannschaft tauchen. Lediglich die Berliner Mannschaft „Eintracht Spandau“ hat eine kleine Gruppe an Fans mit Merch im Schlepptau.
Straßenfußball feiert sein Comeback: Das steht bei der Baller League im Vordergrund
Mit Trommeln und Gesang betreten sie die Halle und feuern ihre Mannschaft an. Scheinbar genau das, was die Spieler brauchten, denn mit einem 7:4 kicken sie den bisherigen Tabellenführer „VFR Zimbos“ vom Platz und steigen selbst auf die Eins.
Die Baller League ist ein Comeback des Straßenfußballs und die Bolzplatz-Mentalität ist für die Fans vor Ort direkt spürbar. Doch auch wenn sich hier die Promis nur so tummeln, steht der Fußball im Vordergrund und wird von Entertainment unterstützt – nicht andersrum.
Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors/der Autorin und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.
