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Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali wurde in Dortmund Opfer von Rassismus. Nach dem Vorfall richtet sich die Journalistin an die Öffentlichkeit.
Dortmund – Die Zeit des Karnevals sollte sorglos, lebensfroh, tolerant und vielfältig sein. Die Journalistin Dunja Hayali erlebte kurz nach Weiberfastnacht allerdings eine andere Realität. Nach dem Vorfall in einer Dortmunder U-Bahn teilt sie ihre Erlebnisse auf Instagram.
In Dortmunder U-Bahn – ZDF-Moderatorin Dunja Hayali wurde rassistisch beleidigt
„Ich bin am Freitag mit einer Freundin in Dortmund mit der U-Bahn gefahren. Wir hatten Gepäck dabei, waren müde von Weiberfastnacht, aber auch beseelt, gerade noch ein paar Stunden mit der Familie verbracht zu haben und freuten uns auf Sofa, Serie, Füße hoch (...)“, berichtet die „ZDF-Morgenmagazin“-Moderatorin Dunja Hayali zunächst auf ihrem Instagram-Account (mehr Promi-News auf RUHR24).
Als sie die Bahn kurz verließ, um sich an der Station zu orientieren, sei mit ihr eine Gruppe Jugendlicher, „von so vier Mädels und einem Jungen im Alter von vielleicht 17, 18“, ausgestiegen. Mit Schnapsflasche in der Hand und einem breiten Grinsen im Gesicht riefen sie: „Deutschland den Deutschen. Ausländer raus.“, wie Dunja Hayali schreibt.
Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ strafbar oder Meinungsfreiheit?
Die Parole „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ tritt aktuell verstärkt auf Social Media auf. Jugendliche grölen sie beispielsweise in TikTok-Videos zu dem Lied „L’amour toujours“ von Gigi D‘Agostino. Das kann strafbar sein. In einigen Fällen wurden Strafverfahren wegen Volksverhetzung (§ 130 StGB) eingeleitet. Die Strafbarkeit ist in Deutschland allerdings noch nicht eindeutig.
„Nach § 130 Abs. 2 (Volksverhetzung) droht bei einer Verurteilung wegen der Parole ‚Deutschland den Deutschen, Ausländer raus‘ eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.“, wie die Kanzlei Dr. Brauner Rechtsanwälte schreibt. Die konkret verhängte Strafe liegt am Einzelfall.
ZDF-Moderatorin Dunja Hayali wurde als Aktivistin gegen Rassismus wurde in Dortmund zum Opfer
Dunja Hayali wurde als Tochter irakischer Christen aus Mossul 1974 in Datteln geboren. Neben ihrer TV-Karriere als Journalistin bei der Deutschen Welle und der Moderation des ZDF „heute-journal“, bei dem Dunja Hayali aktuell ausfällt, setzt sie sich seit Jahren aktiv gegen Rassismus, Hassreden und Fremdenfeindlichkeit ein.
Für ihr Engagement erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, wie sonntagsblatt.de berichtet. Als Botschafterin der Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ tritt die 49-Jährige immer wieder in den öffentlichen Diskurs. So auch nach dem Rassismus-Vorfall in Dortmund.
Dunja Hayali wurde in Dortmund Opfer von Rassismus – ZDF-Moderatorin teilt Erlebnis öffentlich
Die Moderatorin macht auf Instagram auch transparent, warum sie den Vorfall in die Öffentlichkeit trägt und verrät, warum sie ihr eigenes Handeln bereut. Dieser Satz habe schlagartig eine Kettenreaktion in ihrem Kopf ausgelöst: „Sage ich was? Was sage ich? Lege ich mit ihr an? Wie lege ich mit ihr an? Muss ich das filmen? Bringe ich meine Begleitung in Gefahr? Was mache ich mit dem Gepäck? Ist es Provokation oder Position? Ist es das wert, sich jetzt mit besoffenen Idioten auseinanderzusetzen?“, schildert Hayali.
Der Grund für ihre Schilderung: „Weil Faschisten, Rassisten, Menschenfeinde schon lange nicht mehr im typischen Gewand und Geschlecht daherkommen, weil sich dieses menschenverachtende braune Gift weiter breit macht, weil ich mich etwas gräme, nicht doch hinterhergegangen zu sein.“
Dunja Hayali wurde in Dortmund Opfer von Rassismus – ZDF-Moderatorin löst Diskus aus
Der Beitrag polarisiert. Bereits über 1000 Menschen kommentierten und diskutierten unter dem Foto, auf dem Dunja Halyali mit einem Pullover mit einem großen Herz zusehen ist. Besonders schockierend ist für viele die Tatsache, dass niemand der Fahrgäste in der Bahn reagierte.
„Weiß nicht, ob mich das eher wütend oder eher traurig macht. Nicht nur die Teenies, sondern vor allem auch die fehlende Reaktion der anderen Leute“, schreibt beispielsweise eine Nutzerin. Kommentare wie diese häufen sich.