Eine New Yorkerin teilt 15 Dinge, die in Deutschland besser laufen als in den USA

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In diesen Dingen ist Deutschland einfach richtig gut

Drei Jahre nach meinem Umzug von New York nach Berlin bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.

Hallo! Ich bin Michelle – und vor fast drei Jahren habe ich beschlossen, von New York City nach Berlin zu ziehen.

BuzzFeed US Autorin Michelle No

Es gibt zwar eine Menge Dinge, die ich an den USA immer lieben werde, aber ich habe gelernt, dass es genauso viele Dinge gibt, die das gute alte Deutschland ein bisschen besser macht. Hier habe ich mal einige für dich aufgelistet!

Berlin

1. Großzügig bezahlte Freizeit und Urlaub.

In Deutschland stehen Arbeitnehmer:innen mindestens 20 Tage Urlaub pro Jahr zu

Die Deutschen nehmen ihren Urlaub ernst. Ich war schockiert, als ich erfahren hab, dass der Mindesturlaub für alle deutschen Arbeitnehmer:innen 20 Tage beträgt, und noch begeisterter, als ich feststellte, dass die meisten Menschen tatsächlich 25 bis 30 Tage pro Jahr freibekommen.

Es ist auch hilfreich, dass Zugtickets und Flüge für Urlaubsziele wie Gran Canaria oder Prag weniger als 100 Euro kosten können. Angesichts des großzügigen Mindesturlaubs, der erschwinglichen Reiseziele und der Tatsache, dass Deutschland die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ist, überrascht es nicht, dass die Menschen hier ihre Chance, Europa und den Rest der Welt zu bereisen, wirklich nutzen.

2. Der Mutterschaftsurlaub in Deutschland ist ausgezeichnet.

In Deutschland gibt es Mutter- und Vaterschutz für Eltern neugeborener Kinder.

Deutschland hat nicht den besten Mutterschaftsurlaub in Europa, aber er ist trotzdem verdammt gut. Er ist so gut, dass ich mehrere internationale Menschen getroffen habe, die meinten, dass das der Hauptgrund dafür ist, dass sie in Deutschland bleiben.

Jede Person, die ein Kind bekommt, hat Anspruch auf mindestens vierzehn Wochen Mutterschaftsurlaub – und acht Wochen Urlaub nach der Geburt sind sogar obligatorisch. Danach kannst du ebenfalls bis zu zwölf Monate Elternzeit nehmen und 67 Prozent deines Gehalts erhalten. Die Obergrenze liegt dabei bei 1.800 Euro pro Monat. Wenn sich die USA bei diesem Thema auch nur eine Scheibe von Deutschland abschneiden könnten …

3. Es gibt hier so viele Lebensmittelläden, die meistens auch noch super günstig sind.

Die Supermarktauswahl in Deutschland ist riesig

Ich liebe deutsche Lebensmittelläden so sehr, dass ich einmal einen ganzen Beitrag über sie geschrieben habe. Die Lebensmittelpreise in Deutschland sind unerwartet günstig, und ich kann in der Regel einen Wochenvorrat für eine Person für unter 20 Dollar (auch etwa 20 Euro) kaufen. Als ich in den USA gelebt habe, musste ich ganz schön rechnen und kulinarische Opfer bringen, um mein Lebensmittelbudget unter 20 Dollar zu halten.

Ich finde es toll, dass es hier eine ganze Reihe von Lebensmitteldiscountern wie Netto, Lidl und Aldi gibt, in denen praktisch alles zu einem stark reduzierten Preis verkauft wird. Die billigen Lebensmittel sind einer der Gründe dafür, dass meine Lebenshaltungskosten in Berlin deutlich gesunken sind und ich alle meine Kreditkartenschulden abbezahlen konnte.

4. Sozialhilfeprogramme, die Menschen in Deutschland schützen.

Die Bundesagentur für Arbeit bietet Jobsuchenden in Deutschland eine Anlaufstelle

Deutschland führt weltweit bei der Gewährung von Sozialleistungen und war sogar das erste Land, das eine Kranken- und Unfallversicherung sowie Sozialleistungen für Arbeiter:innen und Angestellte eingeführt hat.

Stell dir mal eine Welt vor, in der du keine Angst haben musst, bankrott zu gehen, wenn du entlassen wirst, oder in der du keine Angst vor einer plötzlichen medizinischen Katastrophe oder einem Unfall haben musst. Im Idealfall passiert nichts von alledem, aber wenn es in Deutschland doch passiert, ist dein Leben nicht vorbei.

5. Hochwertige Spielplätze für Kinder.

Spielplätze in Deutschland sind oft top ausgestattet

Kinder in Deutschland haben alles. Zumindest, wenn es um Spielplätze im Freien geht. In den USA bin ich mit Klettergerüsten, Wippen und einer Zweipersonenschaukel aufgewachsen. Aber in Deutschland kann ein Standardspielplatz eine Seilbahn, ein riesiges hölzernes Piratenschiff, ein dreistöckiges Klettergerüst, einen Hochseilgarten und mindestens drei Arten von Schaukeln umfassen. Eine solche Architektur mag manchen Eltern riskant erscheinen, aber sie spiegelt nur die allgemeine Einstellung zur Kindererziehung in Deutschland wider.

Kinder werden hier von klein auf ermutigt, selbst zur Schule zu laufen, und man bringt ihnen bei, die frische Luft zu nutzen und jeden Tag aktiv zu spielen (auch wenn das Wetter nicht so toll ist). Ich erzähle meinen Freund:innen und Verwandten mit Kindern immer wieder, dass Berlin eine so kinderfreundliche Stadt ist, was vor allem an den tollen Parks und Spielplätzen liegt.

6. Und es gibt so viele öffentliche Plätze zum Entspannen.

Die Frankfurter Allee in Berlin, Deutschland

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in Berlin (und in Europa im Allgemeinen) ist die Fülle an öffentlichen Plätzen, an die man eine Thermoskanne mit Tee oder Glühwein und ein Croissant mitnehmen kann, während man sich mit Freund:innen trifft.

In Berlin habe ich ein paar Lieblingsplätze zum Flanieren: Ich liebe den Boulevard an der Frankfurter Allee, der im Sommer von üppigen Bäumen überdacht ist, die Schatten spenden. Ich verbringe auch viel Zeit auf den Stufen des „Stadtplatzes“ in meiner Straße und am großen sozialistischen Denkmal in meinem örtlichen Park, das mich daran erinnert, dass ich in einer Stadt lebe, die im letzten Jahrhundert ganz schön viel erlebt hat.

Ich liebe es, wie diese öffentlichen Räume Berlin so fußgängerfreundlich machen. Diese Zufluchtsorte im Freien haben die erste Hälfte der Pandemie für mich erträglich gemacht, und ich kann mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen.

7. Und natürlich das gute Bier.

Dem deutschen Bier kann ja wohl niemand widerstehen

Meine Vorliebe für deutsches Bier hat mit einer Entdeckung zu tun: ungefiltertes Weizenbier, in Deutschland auch als Weizen bekannt. Es ist ein goldenes Bier, das sehr weich ist, eine geringe Hopfen-Bitterkeit hat und in der Regel mit viel Kohlensäure versetzt ist. Es ist, als hätte jemand alle meine Lieblingsaspekte verschiedener Getränke in ein Bier verwandelt. Weizenbiere sind übrigens auch in US-amerikanischen Lebensmittelläden erhältlich, aber man muss schon ein bisschen länger danach suchen.

8. Und das köstlichste Brot.

Dein täglich Brot gib uns heute

Deutsches Brot ist legendär und wird völlig unterschätzt. Jede Bäckerei hierzulande ist vollgestopft mit allen Arten von nahrhaften Broten: Brote aus Pumpernickel, Roggen oder Sauerteig, bestückt mit Samen und Nüssen. Die deutsche Brotkultur ist so ikonisch, dass sie sogar Teil des nationalen Inventars des immateriellen Kulturerbes der UNESCO ist.

Seit ich hierhergezogen bin, mache ich fast jeden Samstag ein Brunch, der aus einem sorgfältig ausgewählten Brötchen besteht, das mit verschiedenen Aufstrichen, Wurst, Käse und Marmelade belegt ist. Ich bezweifle, dass ich mich an dieser Art von Mahlzeit jemals satt essen werde.

9. So viele Menschen sind zweisprachig.

In Deutschland ist der Englischunterricht fest im Schulsystem integriert

Einerseits finde ich es toll, dass so viele deutsche Einheimische fließend Englisch sprechen (das ist wirklich beeindruckend). Andererseits bin ich besonders frustriert, wenn ich auch nach zwei Jahren in Berlin immer noch Schwierigkeiten habe, den Namen der Straße, in der ich wohne, korrekt auszusprechen. Es ist einfach unfair, dass Deutschsprachige anscheinend so leicht Englisch lernen können, aber nicht umgekehrt! Das hat wahrscheinlich viel damit zu tun, dass die öffentlichen Schulen von den Kindern fordern, dass sie schon sehr früh eine zweite Sprache lernen.

10. Deutsche sind Recycling-Expert:innen.

Mülltrennung ist in Deutschland absolut nichts ungewöhnliches

Im ersten Jahr, in dem du in Deutschland lebst, stehst du regelmäßig in der Kälte vor deinen fünf Mülltonnen und fragst dich, was wohin gehört. Aber wenn du dann endlich weißt, wo der Kompost hinkommt (und was genau du da rein tun kannst), und welche Flaschen du im Supermarkt zurückgeben kannst, hast du das Gefühl, deinen Teil für Mutter Erde zu tun.

Zumindest gibt es eine süße moralische Genugtuung, wenn du deine Amazon-Kartons erfolgreich zerlegst und in die winzigen Bereich der Mülltonne schiebst, die noch nicht voll sind.

11. Und ihnen ist ihre Privatsphäre sehr wichtig.

Manchmal fühle ich mich angesichts der fehlenden Nutzung sozialer Medien in Berlin in das frühe 20. Jahrhundert zurückversetzt. Die Nutzung sozialer Medien ist hier definitiv weniger tief verwurzelt. Wenn ich zum Abendessen ausgehe, zückt niemand sein Handy, um einen perfekt angerichteten Pasta-Teller zu fotografieren, oder übt regelmäßig TikTok-Tänze ein. Und die meisten meiner Freund:innen sind nicht mehr auf Facebook und/oder Instagram oder nutzen beides kaum noch.

Es geht aber nicht nur um die sozialen Medien. Die Menschen hier erwarten ein gewisses Maß an Privatsphäre und gehen davon aus, dass alle persönlichen Daten, die sie in Web- oder physische Formulare eingeben (z. B. in einer Arztpraxis, bei der Anmeldung zu einer Veranstaltung usw.), gelöscht werden, nachdem sie die Transaktion abgeschlossen haben. Das könnte damit zu tun haben, wie brutal die Privatsphäre im Zweiten Weltkrieg missbraucht wurde. Anfangs war mir dieser verstärkte Respekt vor meiner Privatsphäre nicht geheuer, aber allmählich hat sich mein Lebensstandard auf unbewusste Weise erhöht. Insgesamt ist es ziemlich beruhigend zu wissen, dass mein öffentliches Leben nicht mit meinem Privatleben kollidieren muss.

12. Bessere Gesetze zur Waffenkontrolle.

Wenn ich in Berlin laute Geräusche höre, denke ich nicht automatisch, dass dort jemand mit einer Waffe unterwegs ist. Und es wird, zumindest für mich, immer schwieriger, mich in einer US-amerikanischen Großstadt auf demselben Niveau sicher zu fühlen.

Es ist viel schwieriger, in Deutschland eine Schusswaffe zu erwerben. Man muss eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen und die Notwendigkeit für eine Schusswaffe nachweisen (z. B. als Jäger:in oder als jemand, der mit größerer Wahrscheinlichkeit Opfer eines Verbrechens wird). Man muss außerdem Fachkenntnisse nachweisen, in der Regel durch das Bestehen einer Prüfung; und man muss beweisen können, dass man psychisch stabil ist. Dazu kommen viele weitere Bedingungen. Das ist der Grund, warum Deutschland einige der strengsten Waffengesetze der Welt hat und 2016 als einziges Land bekannt wurde, in dem jede:r unter 25 Jahren ein psychiatrisches Gutachten bestehen muss, bevor er oder sie einen Waffenschein beantragen kann.

13. Eine wunderbare Beziehung zur Natur.

Die Natur in Deutschland ist einfach unbeschreiblich schön

Die Menschen in Berlin integrieren die Natur wirklich in ihr tägliches Leben. Sei es bei wöchentlichen Waldspaziergängen (selbst wenn ein Meter Schnee auf dem Boden liegt) oder indem sie ihr Handy benutzen, um zu prüfen, welche neue Pflanzenart in ihrem örtlichen Park blüht.

Für jede Jahreszeit ist etwas dabei: Im Frühling geht man Bärlauch pflücken und macht lange Spaziergänge unter blühenden Kirschbäumen. Der Sommer ist herrlich, und jede:r verbringt lange Nachmittage an einem der Tausenden von Seen. Im Herbst kann man Pilze sammeln und durch knackige, bunte Laubwälder wandern. Und obwohl ich den Winter am wenigsten mag, gibt es immer noch Möglichkeiten, die Natur zu genießen, wie Skifahren und andere Wintersportarten.

14. Deutlich markierte, flache Radwege in der ganzen Stadt.

Radfahren in Berlin ist gar kein Problem

Ich habe mir das Fahrradfahren in meinen späten Teenagerjahren selbst beigebracht, was bedeutet, dass ich nicht gerade die meiste Erfahrung auf dem Rad habe. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren würde, aber jetzt ist es eine meiner Lieblingsaspekte daran, in einer Stadt zu leben, die richtige Fahrradwege hat.

Die Einheimischen hier werden sich darüber beschweren, dass Berlins Radwege nichts im Vergleich zu denen in Amsterdam sind, aber für jemanden, der von der gefährlichen und unebenen Fahrradinfrastruktur in New York zu flachem Terrain und klar markierten (und meist respektierten) Radwegen übergegangen ist, glaube ich nicht, dass ich jemals wieder zurückgehen könnte.

15. Und zuletzt: Bezahlbare Hochschulbildung.

Die Schulbildung in Deutschland ist wesentlich günstiger als in den USA

Die Kosten für ein Hochschulstudium werden in Deutschland fast vollständig subventioniert. Die Studierenden zahlen in der Regel einen „Semesterbeitrag“ von ein paar hundert Euro, was im Vergleich zu den Kosten für öffentliche Universitäten in den USA Kleingeld ist. Wenn du Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft werden willst, ist auch das abgedeckt, wobei die meisten medizinischen Studiengänge über sechs Semester hinweg mehrere tausend Euro kosten.

Natürlich ist das System nicht perfekt: In vielen Studiengängen dürfen Studierende nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Außerdem haben Studierende nicht derart großzügige Fakultät-Sprechzeiten oder die Fülle an Ressourcen, die du an einer amerikanischen Universität bekommen kannst. Aber für viele Menschen ist das ein kleiner Preis, den man dafür zahlt, so günstig studieren zu können.

Gibt es etwas, das du in anderen Ländern erlebt hast, das du dir auch in Deutschland wünschen würdest? Schreib es uns gerne in die Kommentare!

Findest du es auch interessant zu lesen, was Menschen, die vorher in einem anderen Land gelebt haben, über unseres denken? Und wie denkst du selbst darüber? Neulich haben wir in einem Artikel Antworten von Menschen gesammelt, die erklären, was ihrer Meinung nach in Deutschland gut läuft.

Dieser Post von Michelle No wurde aus dem Englischen übersetzt.

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