Dortmunder Tatort-Star vor Abschied: Rick Okon hat „Tränchen verdrückt“

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Rick Okon verabschiedet sich als Jan Pawlak aus dem Dortmunder Tatort.
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Rick Okon ist am Sonntag (18. Februar) zum letzten Mal als Jan Pawlak im Dortmunder Tatort zu sehen. Im Interview mit RUHR24 sprach er über seinen Abschied.

Dortmund – Rick Okon spielte jahrelang den Ermittler Jan Pawlak im Dortmunder Tatort. Am Sonntag (18. Februar) wird er um 20.15 Uhr in der ARD in „Tatort: Cash“ zum letzten Mal in der Rolle zu sehen sein. Vor seinem Abschied hat der Schauspieler im Interview mit RUHR24 über das „bittersüße Ende“ seines Charakters, eine mögliche Rückkehr und seine nächste Rolle gesprochen.

„Bittersüßes Ende“ – Rick Okon spricht über das Wunschende für Pawlak im Dortmunder Tatort

Vorsicht: Das Interview enthält Spoiler und Inhalte zu „Tatort: Cash“ in der ARD (mehr TV-News auf RUHR24).

Hallo Rick, vielen Dank für deine Zeit. Zum Start eine vermeintlich einfache Einstiegsfrage, die oft zu kurz kommt: Wie geht es dir?  
Allgemein würde ich sagen, geht es mir ganz gut. Ich bin gesund, ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich habe etwas zu essen zu Hause, ich habe etwas zu trinken. So im Großen und Ganzen kann ich mich nicht wirklich beklagen. 
Du kannst dich offenbar über die eigentlich selbstverständlichen Dinge freuen.  
Ja, das ist natürlich schon essenziell, auch wenn man das manchmal im Alltag auch logischerweise vergisst. Man lebt ja einfach sein Leben, aber ich kann das immer nur wieder sagen und das sehen auch ganz viele meiner Freunde so, dass man doch in einen sehr privilegierten Zustand wirklich hineingeboren wurde und aufwächst. Und im besten Fall kann man sogar noch den Job machen, in dem man irgendwie glaubt, seine Berufung gefunden zu haben. Also wenn das so alles zusammenkommt, dann ist im Großen und Ganzen alles ok.  
Jetzt aber zum „Tatort“: Ich habe „Cash“ im Vorfeld sehen können und war begeistert. Das Ende wirkte stimmig und, wie ich finde, sehr versöhnlich. Wie ist dein Eindruck?
Das freut mich auf jeden Fall, dass du das sagst. Das war natürlich unser Anspruch und mein kleiner persönlicher oder mein großer persönlicher Wunsch, dass man ein bittersüßes Ende findet für Pawlak.

Dortmunder Tatort-Star vor Abschied: Rick Okon hat „Tränchen verdrückt“

Und wie fühlst du dich mit deinem Tatort-Abschied?
Ich muss sagen, ich hatte schon mehrere Abschiede vom Tatort. Jetzt wird er ausgestrahlt, aber ich hatte den ersten Abschiedsmoment, als ich bei Produktion und Redaktion im Büro saß und gesagt habe, dass ich mich dazu entschieden habe, auszusteigen. Dann kam der zweite Abschied, als ich das erste Mal das Drehbuch gelesen habe und ein weiterer Abschied folgte während der Dreharbeiten. Dann hatte ich nochmal einen wirklich sehr, sehr schönen Abschied nach unserem letzten Drehtag. Wir hatten ein sehr schönes Abschlussfest und es war total süß, dass die Produktion beziehungsweise unsere Editorin Dora, die auch „Cash“ und viele weitere „Tatorte“ geschnitten hat, einen Zusammenschnitt organisiert hat. Sie hat einen richtig schönen zehn, zwölf Minuten Zusammenschnitt von meiner Figur über die Jahre fertig gemacht.
Jan Pawlak (Rick Okon) hat in „Tatort: Cash“ mit sich zu kämpfen.
Wie genau sah das Abschlussfest denn aus?
Wir haben dafür eine Kneipe gemietet, an der wir auch am letzten Drehtag gedreht haben. Da gibt es die eine Szene, in der wir an der Bar sitzen und noch etwas trinken. Und die wurde dann abends gemietet und dann waren alle da. Und es kamen noch überraschenderweise ein paar andere Regisseure dazu, die auch bei unserem „Tatort Dortmund“ gedreht haben und auch zufällig in Köln waren oder in Köln wohnen. Die wurden auch alle eingeladen. Es war ein richtig schöner Abend und damit hatte ich noch mal einen Abschied.
Dabei ist es aber nicht geblieben.
Richtig. Dann hatte ich einen kleinen Abschied, als ich den Film zum ersten Mal bekommen und gesehen habe. Und noch mal einen relativ großen Abschied, als wir die tolle Möglichkeit bekommen haben, auf dem Filmfest Lünen, in der Nähe von Dortmund, den Film auf der großen Leinwand zu zeigen. Da wurde es auch offiziell. Und irgendwie ist jetzt okay mit Abschieden, oder? (lacht).  
Das klingt aber ziemlich emotional. Ich kenne das von runden Geburtstagen, wenn man 30 wird und auch so ein Video bekommt. Das dürfte ähnlich gewesen sein, oder?
Ich würde lügen, wenn ich sage, ich hätte nicht das ein oder andere Tränchen verdrückt. Die Szene, in dieser Bar, in der wir alle zusammensitzen, war die letzte Szene, die wir gedreht haben. Das wird der aufmerksame Zuschauer vielleicht auch merken. Da rutscht die Stimme doch das ein oder andere Mal weg. Es war für mich sehr emotional. Und einer der letzten Sätze, die ich in der Rolle für den Tatort gemacht habe, geht in etwa so: „Das heißt, ich bin wieder Teil des Teams“ oder „Das heißt, ich bin wieder dabei.“ Das war einer der letzten Sätze, die ich am letzten Drehtag ausgesprochen habe, während alle wussten, das ist mein letzter Drehtag in dieser Rolle. Es sind ganz viele Sachen, die sich so gefügt haben und ich habe mich total gefreut, dass das der letzte Drehtag war und wir eine Szene zu dritt hatten und haben. Deswegen war der letzte Drehtag schon sehr emotional. 
Pawlak, Herzog und Faber (v.l.n.r.) kommen ein letztes Mal im Dortmunder Tatort zusammen.

„Über zwei Jahre her“ – Ausstieg von Rick Okon aus Dortmunder Tatort war lange geplant

Du hast es schon ein bisschen angeschnitten. Was wird dir an Pawlak oder insgesamt am Dortmunder Tatort am meisten fehlen?  
Am meisten fehlen wird mir tatsächlich das Zusammenkommen der Menschen. Weil über die sechs Jahre, in denen ich dabei war, sehr viele Leute vom Team immer wieder dabei waren: Angefangen bei der Maske, die fast jeden Film mit uns gemacht hat, über die Tonabteilung, bis hin zu meinen Kollegen, allen voran natürlich Steffi (Reinsperger, spielt Rosa Herzog, Anm. d. Red.), mit der ich privat auch sehr gut befreundet bin. Die sehe ich privat zu Hause in Berlin sowieso noch sehr häufig. Dazu zählen auch unser Redakteur, unsere Hausproduktionsfirma Bavaria, unsere Produzentin Lucia Staubach. Das ist einfach immer ein schönes Zusammenkommen, bei dem man sich kennt und worauf man sich freut. Das werde ich wahrscheinlich am meisten vermissen.  
Du und Stefanie Reinsperger hattet eine relativ intensive Streit-Szene im Film. Das war wahrscheinlich nochmal eine Herausforderung, wenn ihr euch privat so gut versteht und wenn es das letzte Mal zusammen vor der Kamera ist.  
Nicht wirklich, da wir dank des Drehbuchs wussten, wo es endet. Und zwar mit einer herzlichen Umarmung, in einem ranzigen Späti (Kiosk, Anm. d. Red.). Und wenn wir uns ein bisschen doller im Spiel angehen, als man es von Pawlak und Rosa gewohnt ist, umso schöner ist dann vielleicht die gemeinsame Verabschiedung. Wir haben sehr viel überlegt und probiert und uns gefragt, was wir so machen können. Und dann haben wir Sebastian Ko, den Regisseur, gefragt und er hat uns einfach machen lassen, hat gesagt, legt mal los und macht, worauf ihr Bock habt.
Faber, Herzog und Pawlak (v.l.n.r.) geraten in „Tatort: Cash“ das ein oder andere Mal aneinander.
Spannend, dass ihr so viele Freiräume hattet. Konntest du denn etwas zum Drehbuch beisteuern, wie es mit Pawlak zu Ende geht? 
Ja, auf jeden Fall. Ich habe damals bei dem Gespräch mit der Redaktion und der Produktion – in dem ich den Wunsch geäußert habe, auszusteigen – direkt ein paar Ideen mitgebracht, wie ich mir das vorstellen könnte. Das ist jetzt schon über zwei Jahre her, dass ich das Gespräch hatte. Das heißt, wir hatten ein bisschen Zeit, da drauf hinzuarbeiten. Jürgen Werner, unser Autor, der jeden zweiten Film von „Tatort Dortmund“ schreibt, hat alles in Schriftform gesetzt. Ich bin auf offene Ohren gestoßen und dann hat man, wie ich finde, ein doch schönes und würdiges Ende für die Figur gefunden.  
Ein Filmtod stand nicht zur Debatte? Das scheint der klassische Ausstieg für TV-Figuren zu sein, wenn man jetzt auch an Bönisch (Anna Schudt) zurückdenkt.  
Nein, das wollten wir aber auch alle nicht. Das war von vornherein klar. Der Typ (Pawlak, Anm. d. Red.), der gibt nicht auf. Ich beschreibe das Ende gerne als bittersüß und ich finde, das ist uns gelungen, was das Skript und die bildliche Auflösung angeht. 
Auch die Songauswahl am Ende ist passend. 
Ja, fand ich auch. Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, habe ich den Regisseur Sebastian Ko sofort angerufen und ihm gesagt, dass es sehr schön geworden ist. 
Bei der Zusammenarbeit hat offenbar alles gepasst.
Ich war super happy, und habe mich total gefreut, dass Sebastian den Film macht. Damit ist ein kleiner Wunsch von mir in Erfüllung gegangen, weil ich gesagt habe, dass ich mich sehr darüber freuen würde, wenn er den Film macht. Ein paar Wochen später stand dann fest, dass Sebastian das auch tun wird. Da sind wirklich sehr viele Dinge zusammengekommen. Es ist der 13. Fall. 13 ist meine Glückszahl und ich hatte eine ganz tolle Drehzeit.
Die Dreharbeiten zu „Tatort: Cash“ haben unter anderem in Dortmund und Köln stattgefunden.

„Wer weiß, was in zehn Jahren ist“: Rick Okon schließt Rückkehr zu „Tatort Dortmund“ nicht aus

Mit eurem gewählten Ende ist die Tür für Pawlak auch immer offen. Theoretisch wäre die Option da, zu sagen, dass er zurückkommen könnte. 
Beim „Tatort Dortmund“ ist es nicht unüblich, dass Figuren nochmal zurückkommen. Bisher hat man mich nicht gefragt und ist nicht unbedingt mein Plan (lacht). Aber wer weiß, was in zehn Jahren ist. 
Es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Nur Faber (Jörg Hartmann) wird vermutlich bis zum Ende in Dortmund dableiben.
Er ist der Anker der ganzen Story.  Für mich war der „Tatort“ ein tolles Sprungbrett und eine tolle Möglichkeit. Ich war von Anfang an ein großer Fan des Dortmunder Tatorts. Ich habe jede Folge geguckt und konnte es gar nicht so richtig glauben, als ich den Anruf und das Angebot bekommen habe, dort irgendwie mitzumachen. Das war ein schöner Moment für mich. Aber man ist noch jung und möchte sich nochmal ausprobieren, nochmal in ein paar andere Richtungen gehen. Deswegen war es bei mir am Ende des Tages ein Bauchgefühl, was mich dann dazu bewogen hat, auszusteigen.  
Faber (Jörg Hartmann) ist im Dortmunder Tatort die Konstante.

„Geliebt in Dortmund zu sein“: Rick Okon schwärmt von „Tatort“-Dreh in der Stadt

Was wird dir denn speziell an der Stadt Dortmund fehlen? 
Wir haben immer versucht, so viel wie möglich in Dortmund zu drehen. Und tatsächlich auch schon während der Corona-Jahre haben wir vermehrt in Dortmund gedreht, was uns allen total entgegengekommen ist. Wir haben es geliebt in Dortmund zu sein, weil wir auch der Tatort Dortmund sind. Für uns war das immer toll, in Dortmund zu sein. Und was ich vermissen werde: Ich bin natürlich am Wochenende auch mal zum Spieltag geblieben, um mit 60.000 anderen Menschen zu Fuß Richtung Stadion zu gehen und den BVB spielen zu sehen. Das sind tolle Momente, weil die Stadt in Aufbruchstimmung ist. Man wacht am Samstagmorgen auf und weiß, heute ist Spieltag, heute ist Heimspiel. Und dann gehst du raus, noch einen Kaffee trinken und siehst alle in schwarz-gelb. Das werde ich vermissen. Das sind auf jeden Fall tolle Momente, die ich total genossen habe. Man ist nach Drehschluss dageblieben und hat das Flair und den Vibe der Stadt mitbekommen. Und die Menschen sind einfach total herzlich.
Hast du zu den Menschen eine besondere Erinnerung?
Wir haben sehr viele coole Menschen kennengelernt. Zum Beispiel das „Oma Rosa“-Café. Wir haben da mal eine sogenannte Klappe geschlagen. Es gibt so eine Schnapsklappe: also Szene 1, Take 1, Einstellung 1, also eins, eins, die erste, das nennt sich Schnapsklappe. Und dann wird immer eine Schnapsklappe auf jemanden geschlagen, auf Produktionen oder auf Regie oder auf Kamera oder eben auf Schauspieler. Und dann waren wir dort frühstücken und haben gesagt, dass wir vom „Tatort“ sind. Wir wollten Törtchen und ein paar Sachen kaufen und haben gefragt, ob sie uns was vorbereiten können. Sie hat Plätzchen gebacken, mit Polizisten und ein bisschen Blut darauf. So etwas bleibt einem total in Erinnerung. Und wenn man dann irgendwie mal in Dortmund ist, weiß man, da geht man auf jeden Fall einmal kurz Hallo sagen.  
Jan Pawlak verbringt in „Tatort: Cash“ viel Zeit im Wettbüro.
Das ist wirklich schön, wenn sich über die Jahre solche Verbindungen aufbauen. Bist du denn auch BVB-Fan oder war das jetzt nur dem geschuldet, dass du in Dortmund gedreht hast? 
Nein, ich war schon immer ein großer Sympathisant des BVB, aber durch die Stadt und, dass man öfter im Stadion war und auch ein paar Leute vom BVB kennengelernt hat, ist das Interesse groß geworden. Ich würde behaupten, ich gucke relativ viel Fußball in meiner Freizeit, bin ein großer Fußballfan und die meisten Spiele, die ich sehe, sind auf jeden Fall die des BVB.

Nach „Tatort“-Aus für Rick Okon – Schauspieler als Nächstes in Vampir-Serie im ZDF zu sehen

Wie geht es denn jetzt für dich weiter nach dem „Tatort“? Du standest bereits für „Love Sucks“ vor der Kamera, habe ich gesehen. Wie geht es damit weiter? Was hast du noch so geplant und worauf dürfen sich die Leute als Nächstes freuen?  
Vor wenigen Wochen habe ich „Love Sucks“ abgedreht, das ist eine Vampir-Serie für ZDFNeo. Und ich würde jetzt einfach mal in den Raum werfen, weil es mir während der Dreharbeiten so ging, dass ich diese Art von Rolle noch nie gespielt habe, und man mich noch nie so dieser Art und Weise gesehen hat (lacht). Wann das herauskommen wird, kann ich noch nicht sagen. Das weiß ich tatsächlich noch nicht. Die weiteren Projekte sind noch nicht spruchreif. Mal schauen, was sich entwickelt und wie es sich entwickelt. Aber ich bin doch recht zuversichtlich. 

„Tatort: Cash“ wird am Sonntag (18. Februar), um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

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