Sie war die Spitze der Pyramide

„Wer ist Ghislaine Maxwell?“ - Das Erste zeigt Doku über die skrupellose Sexualverbrecherin

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Unter einer Decke: Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein betrieben jahrelang ein Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen.
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War Ghislaine Maxwell nur ein Rad im Missbrauchsnetzwerk von Jeffrey Epstein, oder erschuf und leitete sie es sogar? Das Erste zeigt am Montag ab 22.15 Uhr die dreiteilige Doku „Wer ist Ghislaine Maxwell?“

Ihr Leben lang versuchte Ghislaine Maxwell, reichen und mächtigen Männern zu gefallen. So finanzierte sie ihr luxuriöses und exzessives Leben. Erst war dieser Mann ihr Vater. Als er starb, fand sie zu Jeffrey Epstein und schuf mit ihm ein Netzwerk des Menschenhandels und der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen. Das Erste zeigt heute ab 22.15 Uhr die dreiteilige Dokumentation „Wer ist Ghislaine Maxwell?“ Mit Interviews mit ehemaligen Weggefährten, Opfern und weiteren Beteiligten sowie Archivaufnahmen zeichnet Regisseurin Erica Gornall das Porträt einer skrupellosen Verbrecherin.

Im ersten Teil des Films, „Die Bienenkönigin“, geht es um Maxwells Leben vor Epstein. Sie war eine lebensfrohe junge Frau, organisierte gerne Studentenpartys und stellte Menschen einander vor. „Fragen Sie 20 Leute zu einer Person, die sie kennen, und Sie werden die unterschiedlichsten Ansichten zu dieser Person hören“, sagt Maxwell in einer Archivaufnahme an einer anderen Stelle. Für den Anfang dieses Films trifft das zumindest nicht zu. Zu oft erzählen die Interviewpartner inhaltlich Ähnliches, ohne für neue Erkenntnisse zu sorgen. Die kommen erst später, wenn das anfangs gezeichnete durchaus positive Image Maxwells langsam zerfällt und die verschwenderisch lebende, verwöhnte und manipulative Frau zum Vorschein kommt.

Ghislaine Maxwell: Verschwenderisches Leben, finanziert durch reiche Männer

„Ich glaube ihr einziges Identitätsgefühl war es, die Tochter ihres Vaters zu sein“, erinnert sich ein ehemaliger Arbeitskollege. Zu ihrem Vater habe sie ein ganz anderes Verhältnis gehabt, als zu anderen, habe zu ihm anders gesprochen, immer versucht, ihm zu gefallen. Im Gegenzug konnte sie so leben, wie sie wollte – mit Privatflugzeugen und Luxusjachten. Zumindest bis zum Tod des Vaters. Nachdem sein Medienimperium zusammenbricht und er nur Schulden hinterlässt, zieht es Maxwell von Großbritannien in die USA.

Dort führt sie ihren Lebensstil eine Zeit lang fort, lädt Menschen auf Partys ein, unterhält Freundschaften zu einflussreichen Menschen, trifft US-Präsidenten, Geschäftsleute, Prominente – und lernt schließlich Jeffrey Epstein kennen. So nimmt alles seinen Lauf. Von nun an versucht Maxwell, Epstein zu gefallen. Und der habe drei Orgasmen am Tag gebraucht, berichtet eine ehemalige Weggefährtin. Maxwell habe ihr erzählt, dass sie jeden Tag „drei Mädchen“ rekrutiere. Dass mit „Mädchen“ wirklich „Mädchen“ gemeint waren, und nicht Frauen, habe sie damals nicht gewusst, sagt die Frau im Interview.

Jeffrey Epsteins Missbrauchsnetzwerk: Ohne Ghislaine Maxwell wäre es nicht möglich

Die Rekrutierungen verändern mit der Zeit ihre Form, werden systematischer. Irgendwann sucht Maxwell nicht mehr selbst nach Mädchen, dafür hat sie Mitarbeiter. So entsteht eine Pyramide mit Maxwell an der Spitze. Und einem Palast auf Epsteins Privatinsel: Ein Gebäude mit einer goldenen Kuppel ist Epsteins Sexhandelszentrale. Manchmal werden die Mädchen auch an anderen überlassen oder verkauft, etwa an Prinz Andrew, der aufgrund seiner Verwicklung in den Fall das britische Königshaus nicht mehr vertreten darf. Und ziemlich alle Interviewpartner sind sich einig: Ohne Maxwell hätte Epstein so ein Netzwerk nie erschaffen können, ohne sie hätte es viele Missbräuche nie gegeben.

1996 werden Epstein und Maxwell das erste Mal angezeigt. Aber die Ermittlungen werden eingestellt. „Das Wort eines jungen Mädchens gegen reiche, mächtige und gut vernetzte Leute“, so beschreibt es ein Anwalt im Film. Die Sexualverbrechen, von denen so viele Menschen wussten, werden jahrelang von der Justiz ignoriert. Doch nicht nur von der Justiz: Auch Miles und Cathy Alexander, die jahrelang auf Epsteins Insel arbeiteten, behaupten, nichts von den Machenschaften gewusst zu haben. Dass ständig junge Mädchen auf die Insel gebracht wurden, störte sie bei der Arbeit offenbar nicht. Sie hätten es nicht wissen können, reden sie sich raus.

Mayls Majurani

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