VonJulian Mayrschließen
Die Eisheiligen im Mai könnten dieses Jahr auf sich warten lassen, sagen Experten. Für den Kälteeinbruch im Frühling haben sie ohnedies eine andere Erklärung.
Frankfurt – „Pankratz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören Sie wieder“, besagt ein alter Spruch. Die zwei Herrschaften mit den sonderbaren Namen gehören zu den sogenannten Eisheiligen. Geht es nach regionalen Bauernregeln, wird das Wetter an ihren Namenstagen im Mai traditionell nochmal frostig. Meteorologen führen mögliche Kälteeinbrüche jedoch nicht auf die Namenstage christlicher Heiliger und Märtyrer zurück und meinen sogar, dass mit den Eisheiligen dieses Jahr sogar später zu rechnen sein könnte.
Eisheilige im Mai: Für frostige Temperaturen im Mai ist nicht die „kalte Sophie“ verantwortlich
Vom 11. bis zum 15. Mai treten die vier Herren mit ungewöhnlichen Namen und eine Dame auf: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, auch bekannt als die „gestrengen Herren“ und die „kalte Sophie“. Seit dem Mittelalter gelten diese Tage als Lostage inmitten des Frühjahrs, an denen eine Rückkehr zu eisigen Temperaturen und teils winterlichem Wetter erwartet wird.
Einige Gärtner richten sich immer noch nach diesen Tagen, um Pflanzen vor plötzlich auftretendem Frost zu schützen. Doch schenkt man den Lostagen Glauben, so müssten die Eisheiligen aufgrund der Umstellung auf den Gregorianischen Kalender vor hunderten von Jahren eigentlich längst eine Woche später auftreten.
Wetterexperten sind sich ohnehin einig, dass die frostigen Temperaturen im Mai nicht von der „kalten Sophie“ verursacht werden, „die man die Kalte nennt, weil sie gern kalt‘ Wetter bringt“, wie ein Spruch besagt. „Ursache solcher Kaltlufteinbrüche mit ungemütlichen Temperaturen sind Nord- oder Nordwestwetterlagen, die arktische Polarluft auf direktem Wege nach Mitteleuropa führen“, so der Deutsche Wetterdienst (DWD).
Polarwirbel dies Jahr möglicherweise standhafter, als sonst – Droht Kälteeinbruch erst Ende Mai?
Auch der Meteorologe Fabian Ruhnau von Kachelmannwetter entmystifiziert die Eisheiligen und bezeichnet diese schlichtweg als „Blödsinn“. Es sei „aus meteorologischer Sicht ganz normal, dass es im Mai noch Kaltluftvorstöße aus dem hohen Norden geben kann“. Dieses Jahr könnte sich der Auftritt der Eisheiligen jedoch verzögern. Der Grund dafür ist der Polarwirbel im Norden, der länger anhält als üblich.
„Der Polarwirbel bleibt auf einem schwächeren Niveau etwas länger als im Durchschnitt erhalten“, erklärt der Meteorologe Jan Schenk von The Weather Channel. Dies könnte bedeuten, dass sich auch der Eintritt der kalten Luft aus der Polarregion in Deutschland und damit der Auftritt der Eisheiligen um zwei Wochen verzögern könnte. Laut dem Meteorologen könnte ein möglicher Kälteeinbruch Ende Mai dann sogar weitgehend unbemerkt bleiben, da die Wahrscheinlichkeit für Frost dann nur noch gering ist.
Im April scheinen die kühlen Tage jedoch gezählt zu sein. Gegen Ende des Monats erwarten Wetterexperten wieder steigende Temperaturen. Laut dem Deutschen Wetterdienst bleibt das Wetter jedoch wechselhaft. Die Wetterprognose von Meteorologe Dominik Jung hingegen besagt sogar, dass die ersten Tage des Mai „vorgezogene Eisheilige“ und kühle Temperaturen mit sich bringen könnten.
Rubriklistenbild: © Jan Eifert/Imago

