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Karen Kyllesø aus Norwegen hat einen Weltrekord aufgestellt. Sie ist die jüngste Person, die allein und ohne Unterstützung den Südpol erreicht hat.
Südpol/Antarktis – Die 21-jährige Karen Kyllesø aus Norwegen hat einen beeindruckenden Weltrekord aufgestellt. Sie ist die jüngste Person, die allein und ohne Unterstützung den Südpol erreicht hat. Kyllesø legte in 54 Tagen rund 1.130 Kilometer auf Skiern zurück und zog dabei einen 100 Kilogramm schweren Schlitten hinter sich her – doppelt so viel wie ihr eigenes Körpergewicht. Ihre Expedition startete am Hercules Inlet, einer vereisten Bucht im westantarktischen Ellsworthland, und führte durch die unwirtlichsten Regionen der Erde.
Die Expedition war geprägt von extremen Bedingungen: Temperaturen um minus 25 Grad Celsius, stürmische Winde und eine Gesamthöhendifferenz von über 2.800 Metern. Der Schlitten, den Kyllesø mit sich zog, wurde zu einer stetigen Belastung, insbesondere in weichem oder klebrigem Schnee.
Trotz dieser Schwierigkeiten hielt die Norwegerin an ihrem Ziel fest, sicherte ihre Versorgung ohne externe Hilfe und dokumentierte ihre Reise regelmäßig mit Sprachnachrichten und Koordinaten-Updates. Übrigens: Am Südpol gibt es einen Wegweiser mit zahlreichen Ortsschildern und ihrer Entfernung. Einer von ihnen zeigt mit „13.277 km nach Tittmoning“ einen kleinen Ort ind Oberbayern.
Norwegerin bricht Weltrekord: Karen Kyllesø als jüngster Mensch am Südpol
Karen Kyllesø hatte ursprünglich geplant, die Strecke in 50 Tagen zurückzulegen, musste ihr Ziel jedoch aufgrund widriger Wetterbedingungen anpassen. „Ich spüre die Belastung und habe Kälteasthma entwickelt, aber ich habe Wege gefunden, damit umzugehen“, berichtete sie laut der norwegischen Zeitung VG in einer ihrer Nachrichten.
Kyllesø bereitete sich sechs Jahre lang intensiv auf dieses Abenteuer vor. Schon im Alter von 15 Jahren hatte sie als jüngste Person Grönland auf Skiern durchquert. Ihr Mentor, der Abenteurer Lars Ebbesen, zeigte sich begeistert von ihrer Leistung und betonte die historische Bedeutung ihres Erfolgs.
Auch Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre lobte Kyllesø in höchsten Tönen. „Karen ist eine Inspiration für alle, die sich große Ziele setzen. Ihre Planung, Ausdauer und Entschlossenheit sind beeindruckend“, so Støre gegenüber VG. In einem emotionalen Instagram-Post schreibt die 21-Jährige: „Vielen Dank an alle, die mich unterstützt und diese Reise möglich gemacht haben. Hoffe, wir inspirieren zusammen mehr Leben im Freien und Träume!“
In den Skispuren von Roald Amundsen: Eine Geschichte der Rekorde
Mit ihrer Leistung reiht sich Kyllesø in die Tradition großer Polarforscher ein. Sie folgt den Spuren von Pionieren wie Roald Amundsen, dem ersten Menschen am Südpol, und Liv Arnesen, der ersten Frau, die die Strecke 1994 allein und ohne Nachschub zurücklegte. Arnesen zeigte sich begeistert und gratulierte Kyllesø zu ihrem Erfolg: „Karen ist extrem erfahren und hat sich durch schwierige Bedingungen gekämpft. Ihre Leistung ist fantastisch“, erklärte sie laut VG.
Am Ziel angekommen, beschrieb Kyllesø ihre gemischten Gefühle. „Nach 54 Tagen in der wunderschönen Natur fand ich den Südpol ein wenig hässlich – Gebäude und Maschinen wirken fehl am Platz“, sagte sie dem norwegischen Sender TV2. Dennoch empfinde sie Stolz auf ihre Leistung und plane bereits die Veröffentlichung eines Buches über ihre Expedition, das im Herbst erscheinen soll. Fest steht: Mit ihrer beeindruckenden Leistung hat Karen Kyllesø nicht nur Polargeschichte geschrieben, sondern auch neue Maßstäbe für die nächste Generation von Abenteurern gesetzt. Im vergangenen Jahr brach eine Kanadierin den Liegestütz-Weltrekord. Im Jahr 2023 stellte eine 104-Jährige einen Weltrekord im Fallschirmspringen auf – eine Woche bevor sie starb. (ls)
Rubriklistenbild: © Insgtagram/Karen Kyllesø

