„Harte Keule“

„80 Prozent der Hotelgäste haben storniert“: Ski-Ort in Tirol kassiert „harte Keule“

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Sorgen vor dem Winter in Tirol: Am Zettersfeld läuft der Skibetrieb auch 2024/25 – gegenüber auf dem Hochstein stehen die Lifte aber still.
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In dieser Wintersaison bleiben die Skilifte am Hochstein in Österreich zu. Die Sperre ist für die Einheimischen ein Desaster, für den Betreiber „logisch“.

Lienz – Eine Entscheidung mit Zündstoff in den österreichischen Alpen. Die Wintersaison am Hochstein in Lienz fällt komplett aus. Im Ort herrschen Fassungslosigkeit, Zorn und Enttäuschung. 2021 fand hier noch ein Ski-Weltcup statt, jetzt steht der Alpen-Ort vor einer Katastrophe.

Winter-Katastrophe Ski-Ort in Tirol: Skigebiet Hochstein bleibt komplette Saison geschlossen

Das Problem: Die Wartungsarbeiten im Skigebiet Hochstein verzögern sich. Für die Betriebssicherheit müssen Sesselklemmen am Doppellift getauscht werden, aber der Betreiber steht mit leeren Händen da. „Die Ersatzteile können frühestens im März 2025 geliefert werden“, teilt die Lienzer Bergbahnen AG mit. Auch der untere Teil des Schlossbergs bleibt zu.

„Somit findet in der Wintersaison 2024/25 kein Skibetrieb am Hochstein statt“, stellen die Bergbahnen fest. Auch die Kombibahn mit Sechser-Sesssel und Achter-Gondel sowie die beiden Schlepplifte fahren nicht. Stillstand auf allen zwölf Pistenkilometern der kleinen Dolomiten-Perle.

Immerhin für Skitouren soll der Berg bei vorhandenem Neuschnee laufend präpariert werden. Was passieren kann, wenn der Schnee fehlt, hat sich im Skigebiet Sternstein im Jahr zuvor gezeigt.

Hotel erlebt Storno-Flut wegen Skigebiet-Sperre in Tirol: „Harte Keule, die wir drüber gezogen bekommen haben“

„Für uns ist das eine große Katastrophe. Und bei uns schaut es so aus, dass 80 Prozent der Hotelgäste bereits storniert haben“, sagt Hotelier Reinhold Tiefenbacher vom Hotel Moosalm dem ORF. Ähnlich zerknirscht klagt Gribelehof-Chefin Margit Stotter: „Vor der Wintersaison ist das eine harte Keule, die wir drüber gezogen bekommen haben.“

Informiert wurde die heimische Gastro- und Tourismusbranche Ende September, für einige Betriebe viel zu spät. „Sie haben mir mit einem Schlag die Existenz genommen“, sagte Christoph Stotter von Skischule Schlossberg der Kleinen Zeitung. Für die Präparierung des Rodelwegs hatte sein Betrieb bereits extra Fräsen und Walzen gebaut und gekauft. „Alles umsonst.“

Noch heftiger die Folgen für die Sternalm. Am 29. September sperrten Christian Schiessl und Heidi Bender für immer zu. Bereits im Vorjahr hatten sie 40.000 Euro verloren, weil die Skilifte am Hochstein nicht wie geplant in Betrieb gegangen waren – und das nach einer Renovierung mit Kosten von 100.000 Euro. „Niemals wären wir auf die Idee gekommen, dass die Seilbahn im Winter nicht fahren würde“, sagt Schiessl der Kleinen Zeitung.

„Im Sommer unsere Cash-Show“: Hochstein-Sperre für Bergbahnen eine „logische“ Entscheidung

Bei der Lienzer Bergbahnen AG fiel die Entscheidung über den Hochstein trotzdem einstimmig. Aufsichtsratschef Franz Theurl erklärt dem ORF: „Der Schlossberg ist natürlich im Sommer unsere Cash-Show und im Winter ist es Zetterfeld. Wenn man das aus unternehmerischer Sicht betrachtet, dann ist die Entscheidung eine logische. Und wenn aus der öffentlichen Hand kein Geld kommt, um diese Abgänge zu bedecken, dann können wir den Betrieb nicht so in der Form fortführen.“

Der Skibetrieb am Hochstein in Lienz steckt ohnehin seit Jahren in Problemen. Die Betriebskosten für das kleine Gebiet sind so hoch, dass die Zahl der Skifahrer kaum ausreicht, um sie zu begleichen – eine Gefahr, die einige Skigebiete in Österreich kennen. Dieses Jahr sinkt die Zahl der Gäste am Hochstein auf null. (moe)

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