Reservierung nicht abgesagt?

Bis zu 150 Euro pro Person: Erste Restaurants verlangen Stornogebühr bei Reservierungen

+
Immer mehr Wirte beklagen sich darüber, dass Gäste Reservierungen nicht absagen. Erste Restaurants führen Gebühren ein. (Symbolbild)
  • schließen

Immer mehr Wirte klagen über fehlende Absagen bei Reservierungen. Einige Restaurants verlangen deshalb Storno-Gebühren - bis zu 150 Euro pro Person.

München - Durch E-Mail und zahlreiche Buchungsportale ist eine Tischreservierung in Restaurants heutzutage schnell erledigt. Genauso schnell geht meist auch wieder die Abmeldung. Doch viele Wirte klagen darüber, dass ihre Gäste die Reservierungen gar nicht oder nicht frühzeitig absagen. In einigen Restaurants gibt es deshalb mittlerweile Stornogebühren.

Wirte klagen über fehlende Moral der Gäste: Reservierungen werden nicht abgesagt

Gerade weil Tischreservierungen schnell erledigt sind, geschehen sie gerne auch mal leichtfertig - und können dann oft doch nicht wahrgenommen werden. Wie der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga gegenüber BR24 erklärte, häufen sich die Klagen der Wirte über die Reservierungsmoral der Gäste.

Vor allem bei Gruppen komme es in den letzten Jahren immer häufiger vor, dass Reservierungen erst am selben Abend oder gar nicht abgesagt werden, sagte Christian Bär von Dehoga Bayern. „Es ist üblich geworden, sich ganz kurzfristig für Dinge zu entscheiden und nicht mehr lange zu planen. Ich denke schon, dass Social Media und die digitale Welt dazu beigetragen haben“ erklärte Bär.

Doch das Problem liegt nicht nur in Bayern vor. Mathias Johnen vom Gastronomieverband Dehoga Nordrhein erklärte im Interview mit ntv, dass sich auch im Rheingebiet die Klagen der Wirte über Verluste häufen. „Wir wollen endlich wieder in eine alte Verbindlichkeit rein“, sagte er dem Sender. Er forderte deshalb, dass Gäste ihre Reservierungen zumindest vernünftig und frühzeitig absagen.

Erste Restaurants führen Stornogebühren ein: Nürnberger Wirt verlangt 150 Euro pro Person

Gerade in höherpreisigen Restaurants mit teurer und aufwändiger Küche fallen durch die fehlenden Absagen hohe Ausfallkosten an. Einige Restaurants haben deshalb bereits Maßnahmen getroffen. Das Nürnberger Essigbrätlein verlangt von seinen Gästen 150 Euro pro Person, wenn die Reservierung nicht mindestens 24 Stunden vorher abgesagt wurde.

Für den Sternekoch Andree Köthe vom Essigbrätlein hat das vor allem mit Respekt zu tun. „Es ist schade, wenn man dann abends zu viele Sachen einfach wegtun muss, weil wir ja wirklich jeden Tag ganz frisch alles zubereiten. Das ist dann auch keine erfüllte Arbeit gewesen“, sagte er BR24. Innerhalb von 24 Stunden sei es bei einer Absage häufig schwer, noch Ersatz zu finden.

Ausfallgebühren bei fehlenden Absagen über Kreditkarte abgebucht

Die Abbuchung der Storno-Gebühr erfolgt dann über die hinterlegte Kreditkarte. Bereits bei der Online-Reservierung im Essigbrätlein müssen die Kunden einwilligen, dass der Wirt bei einer zu knappen oder fehlenden Absage das Geld abbuchen darf.

Ähnlich läuft es auch im Restaurant „Saigon“ im baden-württembergischen Bretten. Hier verlangt Inhaber Toni Kluttig 20 Euro, wenn eine Reservierung nicht abgesagt wurde. Die Gebühr wird über Kreditkarte oder Rechnung abgerechnet, sie gilt allerdings nur für Gruppen ab acht Personen. Durch fehlende Absagen verliere auch er Umsatz, erklärte der Wirt gegenüber ntv. „Auf den Monat gerechnet kommt da schon eine immense Summe zusammen.“

Für den Gastronomieverband sind die hohen Gebühren in höherpreisigen Restaurants gerechtfertigt. In weniger teuren Restaurants geht der Verband allerdings davon aus, dass Kunden bei einer Stornierungsgebühr einfach auf Reservierungen verzichten könnten. Eine großflächigere Umsetzung des Konzeptes ist deshalb nicht geplant. (sf)

Kommentare